Wie kontrolliert man Fahrschein-Kontrolleure?

Offenbach - Die Raser. Der Hundekot. Das Parkverbot. Es gibt Themen, die ziehen sich wie ein roter Faden durch die Lokalzeitung. Meist aus gutem Grund. Nicht zu erwarten war dieser Bumerang-Effekt allerdings von einer Ende März gedruckten Geschichte. Stichwort: Schwarzfahren. Von Marcus Reinsch

Damals hatte eine Offenbacherin beklagt, dass Fahrscheinkontrolleure ihrem 14-jährigen Sohnemann auf dem Bahnsteig der S-Bahnstation Marktplatz ein Schwarzfahrerknöllchen verpasst hatten, obwohl der nur einen Kumpel hatte abholen wollen. Die Beschwerde hatte Erfolg, und es gab von der Bahn nicht nur die 40 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“ zurück, sondern eine Entschuldigung obendrauf. Botschaft eines Unternehmenssprechers: Schwarzfahren ohne Fahren gibt es nicht, tut uns leid, soll nicht wieder vorkommen. Und das werde auch den Kontrolltrupps nochmals beigebracht.

Dass die Aufklärung funktioniert hat, bezweifelt unsere Leserin Alexandra S. seit vergangener Woche allerdings. Zweimal sei sie „vor dem Treppenaufstieg der S-Bahnstation Ledermuseum abgefangen“ worden; „etliche kräftige Kontrolleure“ hätten Fahrausweise verlangt. Das brachte S. nicht in Verlegenheit, sie hatte ein Ticket. Aber sie fühlte sich und andere Bewohner des Nordends „unter Generalverdacht“ gestellt und fragt sich, „was ich tun würde, wenn ich jemanden abholen wollen würde und kein Ticket hätte“. Oder an einem heißen Tag nur Abkühlung in der Station suche.

Dürfte sie alles, bestätigt ein Bahnsprecher auf erneute Nachfrage unserer Zeitung und wiederholt, was schon beim Knöllchen-Foul gegen den 14-Jährigen Fakt, den Kontrolleuren aber unbekannt oder schnuppe war: „Der Aufenthalt auf einem Bahnsteig ist nicht mit dem Kauf einer Fahrkarte verbunden.“

Ob die aktuelle Beschwerde auf neuerliche Fehler zurückzuführen sei, lasse sich mangels exakter Uhrzeiten zu den Vorfällen kaum nachverfolgen. Möglich und rechtens seien Bahnsteig-Kontrollen allerdings, wenn Kontrolleure jemanden unmittelbar zuvor tatsächlich aus der Bahn steigen sehen.

Überdies seien angesichts brutaler Ausschreitungen in Bahnstationen die Sicherheitsüberprüfungen ausgeweitet worden. Doch letzte Woche habe es in den Stationen Ledermuseum und Marktplatz keine gegeben. Und die Sicherheitsleute fragten auch nicht nach dem Fahrschein, sondern nach Personalien.

Tipps der Bahn zum rechtssicheren Umgang mit Bahnbediensteten? Bei Zweifeln Tag, Ort und Uhrzeit der Kontrolle merken und den Namen vom Dienstausweis notieren. Und gerne auch mal die Kontrolleure auf ihr Regelwerk hinweisen...

Rubriklistenbild: © pixelio.de/ Jörg Klemme Hamburg

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