Seniorenrat

Konzept gegen Altersarmut gesucht

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In Offenbach erarbeitet der Seniorenrat ein Konzept gegen Altersarmut. Der Antrag soll auch an den Magistrat gehen. 

In Offenbach erarbeitet der Seniorenrat ein Konzept gegen Altersarmut. Der Antrag soll auch an den Magistrat gehen. 

Offenbach – „In Offenbach leben die meisten armen Alten“ – damit hatte 2017 unter anderem eine Fernsehreportage die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Für den städtischen Seniorenrat um Vorsitzenden Wolfgang Reuter Anlass, die Problematik seitdem vertiefender zu behandeln. „Wir müssen wirksam darauf reagieren, schließlich geht es um nicht wenige Bewohner unserer Stadt“, unterstreicht er in der jüngsten Sitzung des Gremiums im Mehrgenerationenhaus an der Weikertsblochstraße die Bedeutung dieses gesamtgesellschaftlichen Dilemmas. Der Sozialbericht 2018 verzeichne in der Bevölkerungsgruppe der über 64-Jährigen in Offenbach einen Anstieg um 3,2 Prozent auf 3731 Leistungsberechtigte zum Empfang von Grundsicherung. „Also noch mehr Armut als im Jahr zuvor“, beklagt Reuter.

Verschiedene Kommunen mit ähnlichen Problemen hätten Leitlinien beziehungsweise Konzepte gegen dieses Phänomen entwickelt – unter anderem mit Verbänden der Wohlfahrtspflege und Wohnungsgesellschaften. „In Offenbach läuft da leider noch zu wenig“, will der Seniorenratsvorsitzende festgestellt haben. Deshalb müsse man den Stadtvätern gegenüber den Druck erhöhen. Einstimmig beschließt das Gremium deshalb am Montagabend einen Antrag an den Magistrat, „in Zusammenarbeit mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der Wohnungswirtschaft und anderen Fachleuten ein Hearing zu organisieren“. Alternativ könne es auch eine Fachtagung sein oder ein Gespräch am Runden Tisch geben, um eine Bestandsaufnahme bisheriger Ansätze aufzuzeigen, innovative Lösungen von Vertretern anderer Kommunen zu referieren und weitere Vorschläge auszuarbeiten.

Mit Blick auf die Sozialberichte der Stadt aus den zurückliegenden zwei Jahren möchte der Seniorenrat seinen Antrag als Initialzündung verstanden wissen, um „endlich wirksam“ auf das Problem zu reagieren. Das nämlich drücke sich in einer erschreckenden Altersarmutsrate von 8,8 Prozent aus, die so hoch sei wie nirgends sonst. „Auch wenn wir wissen, dass die finanziellen Spielräume der Kommune sehr eng sind, entpflichtet das die Stadt nicht“, verlangt Reuter konkrete Schritte. Er bringt einen Sozialpass, etwa zur vergünstigten Nutzung von Verkehrsmitteln und zur Eintrittsermäßigung bei Veranstaltungen, ins Spiel, gleichwohl ein ähnlicher Vorschlag 2018 unter Hinweis auf zu hohe Kosten abschlägig beschieden worden war.

Herrscht in der Reaktion auf die Altersarmut im Seniorenrat noch Einigkeit, treten bei der Beratung der werblichen Aktivitäten des Gremiums deutliche Meinungsverschiedenheiten zutage. So kann sich das Gremium nicht auf den textlichen Inhalt und die gestalterische Aufmachung eines Plakat-Aufstellers einigen. Im Arbeitskreis Presse- und Öffentlichkeitsarbeit um Gerhard Lux war ein Entwurf entwickelt worden, der so nicht mehrheitsfähig ist. „Zu viel Text“, wird kritisiert, und die aufgeführten Schlagworte - etwa Einsamkeit und Altersarmut - transportierten eher negative Botschaften, heißt es. Deshalb wird der Entwurf an die Gruppe zurückgegeben.

Einwände gibt es auch zum Vorschlag für einen neuen Flyer, der als Werbemittel auf die Arbeit und Aufgaben des aufgrund zweier Todesfälle auf 13 Mitglieder geschrumpften Gremiums hinweisen soll. Man verständigt sich darauf, zunächst eine kleine Auflage herstellen zu lassen, die am 23. September beim Jahresempfang verteilt wird und die Mitglieder des Gremiums mit ihren Aufgabenbereichen namentlich aufführt. Eine endgültige Fassung soll bis zum Spätherbst ausgearbeitet sein und dann breit verteilt werden.

Zur Verstärkung nimmt der Seniorenrat den 73 Jahre alten Waldhofer Manfred Zinn als nicht-stimmberechtigtes Mitglied auf, hört einen Vortrag von Antje Dins zum Projekt „Job-Büro für Senioren“ und erfährt von Heidi Weinrich Neues aus der Altenarbeit.

Von Harald H. Richter 

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