Hoffnung auf Kiebitz

Umweltamt erarbeitet Konzept „Mensch und Natur“

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Das Konzept „Mensch und Natur“ definiert Handlungsfelder, um die Lebensräume in der Stadt zu erhalten: Als positives Beispiel gilt der renaturierte Hainbach.

Offenbach - Das Umweltamt hat das Konzept „Mensch und Natur“ erarbeitet. Es zeigt auf, was getan werden muss, um Natur und Landschaft, Wasser und Boden zu schützen und als Lebensgrundlage zu erhalten und zu entwickeln. Hört sich nach einem Wunschkonzert an. Von Martin Kuhn

Ist es aber nicht. Letztlich sind nun nur bestehende gesetzliche Grundlagen gebündelt. Der Weißstorch ist zurück. Nach der Renaturierung des Kuhmühlgrabens findet Meister Adebar dort offenbar wieder gute Lebensbedingungen. Nicht ausgeschlossen, dass sich langfristig auch Steinkauz, Eisvogel oder Kiebitz ansiedeln. Entsprechende  Biotope sind vorhanden. „Sie müssen aber verändert werden“, sagt Dr. Anna-Christine Sander, Fachreferentin für Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Auf der Grundlage einer Luftbildkartierung hat das Umweltamt Biosteckbriefe mit Handlungsempfehlungen für Streuobstwiesen, Grünland, Gärten, Fließgewässer und Uferlandschaften erarbeitet, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Offenbach zu bewahren. Folgerichtig ist das Konzept „Mensch und Natur“ betitelt.

Dabei ist es mehr als Leitfaden oder Richtschnur und bedarf in dieser Form auch keines Parlamentsbeschlusses. Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wie: „Das sind alles gesetzliche Aufgaben, auf denen nicht ,nice to have’ steht. Wir sind etwa durch das Wasserhaushaltsgesetz zu Maßnahmen verpflichtet.“ Entscheidende Frage bei einer notorisch unterfinanzierten Kommune: Wie kriegt man das hin? Da zählen also nicht allein Großprojekte wie etwa die angedachte Anlage von Flussauen im Mainbogen. „Da zählen auch kleine Maßnahmen wie Information und Beratung von Bauherren“, sagt Umweltamtschefin Heike Hollerbach. Die Protagonisten agieren mit Weitsicht: „Man kann nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass alles, was jetzt zum Erhalt der Naturräume getan wird, auch später wesentlich zur Lebensqualität in der Stadt beiträgt“, so Sander. Eine Herausforderung werde es etwa sein, die Ideen des Masterplans, der die Entwicklung neuer Gewerbegebiete vorsehe und mehr Einwohner prognostiziere, mit den Vorgaben der Naturschutzgesetze in Einklang zu bringen: „Stadtmenschen brauchen Naherholung und Identifikationsräume, entsprechend wichtig sind Ausgleichsflächen.“

Das widerspricht eigentlich dem derzeitigen Tempo im Wohnungsbau – nicht nur in Offenbach. Viele Flächen werden aktuell sehr schnell verwertet, all zu schnell, merken kritische Stimmen an. Sie fügen hinzu, dass jede neue Wohnung nur langfristig bezogen wird, wenn sich die Menschen dort auch wohlfühlen. Laut Untersuchungen steht Freizeit an oberster Stelle bei Lebensqualität. Städte müssen das in ihrer Entwicklung berücksichtigen. Das wird man im Umweltamt sicher unterschreiben.

Der Hinweis auf Ausgleichsflächen beinhaltet aber auch, dass in der Vergangenheit einiges schief gelaufen ist. Trifft das zu? Heike Hollerbach muss das verneinen. Sie formuliert es lieber so: „Besser geht immer. Und mehr auch.“ Als Beispiel mag der Bavariateich gelten, der in jüngster Zeit in die Schlagzeilen geriet. Dort mangelte es an Weitblick. „Wir müssen, wie an allen anderen Gewässern, die gute Qualität wiederherstellen. Das hat absolute Priorität.“ Der Tümpel in einen Kleintierzuchtgelände genießt keinen natürlichen Ausgleich mehr. Im Winter läuft er über, im Sommer trocknet er aus.

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Als positive Beispiele gelten hingegen Bieber und Hainbach. Letztgenannter war jahrelang in ein geradliniges Betonbett gezwängt. Aus diesem Korsett hat ihn die Stadt befreit und Ufer und Bach renaturiert. Die Initiative „Grün in der Stadt“ der Deutschen Umwelthilfe zeichnete die Stadt Offenbach daher als „Projekt des Monats“ aus – und zwar im Oktober 2008. Für Hollerbach zeigt sich in diesem Fall, dass nicht unbedingt Bagger anrücken müssen: „Es geht auch einfacher: Wir versuchen, durch naturnahe Pflege ungünstige Entwicklung zu verhindern. Heißt: untypische Pflanzen entfernen, dem Gewässer Raum geben. Da können wir auch mit kleinen Schritten viel bewirken.“

Dabei betrachtet das Konzept „Mensch und Natur“ sowohl den Lebensraum direkt in der Stadt als auch außerhalb. In diesem Bioverbundsystem (etwa Bieber, Hainbach und Kuhmühlgraben) sollen Lücken geschlossen oder Nischen bewahrt werden. So ist die Markierung von Habitat- und Höhlenbäume vorgesehen, so soll die Bevölkerung über die ökologische Wertigkeit alter und teils zerstörter Bäume aufgeklärt werden. Weitere Infos: shuu.de/tPD

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