Konzeptionelle Baustelle

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Nachdem vom Gelände des Klinikums Offenbach die Bagger verschwunden sind, tauchen einige Fragen auf.

Offenbach ‐ Offenbachs neues kommunales Klinikum ist seit Juni fertig und bleibt doch eine Baustelle - vor allem eine konzeptionelle. Um die vom Steuerzahler unter immer größeren Schmerzen auszugleichenden Millionendefizite in den Griff zu bekommen, muss der Krankenhauskonzern effektiver werden. Von Marcus Reinsch

Also stellt die Klinik momentan jeden Ablauf in Frage. Wie lässt sich etwas schneller erledigen, wie besser, wie günstiger? Interviews mit den Bediensteten sollen auch den letzten Rest Optimierungspotenzial freilegen. Und wie mancher Anruf bei unserer Zeitung seit der Klinikeröffnung nahelegt, hätten auch Patienten gerne einige Antworten.

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Zum Beispiel auf die Fragen, warum im Neubau schon wieder die berüchtigten Flurbetten gesichtet wurden. Ins Krankenhaus müssen und dann auch noch auf dem Präsentierteller liegen? Kaum etwas erregt ein Patienten- oder Angehörigengemüt so sehr wie ein Flurbett. Dass sich für einen Kranken kein Platz mehr in einem der Zimmer fand und er samt seinem Bett, manchmal für mehrere Tage, hinter einem Paravent im vom Klinik- und Besucherverkehr belebten Stationsflur geparkt wurde, „das gab es im Altbau relativ viel“, bekennt Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Beispielsweise in der Neurologie seien die Zustände manchmal kaum zumutbar gewesen.

Allein: Auch im Neubau könne er die Notwendigkeit von Flurbetten trotz der „jetzt deutlich flexibleren Belegung nicht kategorisch ausschließen“, sagt Schmidt. „Wir können es weitestgehend verhindern, aber vereinzelt haben wir welche.“

Ein Rundgang durch das neue Klinikum:

So sieht‘s im neuen Krankenhaus aus

Die Horizontalstruktur des Krankenhauses ermögliche den Nachbarstationen verwandter medizinischer Disziplinen eine Eckenbelegung - also die gemeinsame Nutzung einiger Zimmer.

Das sei im Vergleich zu früher „schon ein Paradigmenwechsel und kein Selbstläufer“, räumt der Ärztliche Direktor Professor Norbert Rillinger ein. Und in der Praxis „hakt das sicherlich rechts und links noch ein bisschen“. Nach Jahren, in denen jeder Chefarzt einer medizinischen Disziplin quasi „eine Station, ein Königreich“ alleine unter sich gehabt habe, seien die neuen interdisziplinären Stationen „nicht ganz konfliktfrei“. Aber die Grundhaltung wandele sich, „die Chefärzte begleiten diesen Prozess außerordentlich positiv. Sonst hätten wir hier ganz andere Probleme.“

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