Licht von Klängen gesteuert

Offenbach - Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Manchmal leuchtet auch Musik. Gelb oder blau, grün oder lila erstrahlt die Fassade des Sparkassen-Hauptsitzes zur Luminale. Dabei reagiert die Lichtinstallation von Bernd Georg auf Geräusche. Von Markus Terharn

Tonhöhe und Lautstärke steuern den Farbton. Auf vier Stockwerken flackert eine Art überdimensionierter Lichtorgel – zu sehen noch eine Woche lang nach Einbruch der Dunkelheit.

Wie dieses von ihm „Luminouscube“ genannte Projekt zustande gekommen ist, erläutert Georg bei der Eröffnung am Donnerstagabend. Vor knapp einem Jahr ging er mit seiner Idee zum Vorstand des Geldinstituts. „Die haben gleich gesagt: So schon mal nicht – mach’s auf die andere Seite.“ So wird statt des verglasten Treppenhauses zur Berliner Straße die Stirnseite zur S-Bahn illuminiert.

Bei der Vernissage liefern Musiker die Klangkulisse. Da sie nicht jeden Abend Zeit haben, hat Georg vorgesorgt und fünf Bänder mit Umgebungsgeräuschen aufgenommen, Dauer je eine Stunde: „Bellende Hunde, klappernde Briefkästen, geifernde Marktweiber“, umreißt er das Tonspektrum. Diese fünf Spuren hat er zu einer zusammengemischt, die ab 19.30 Uhr abgespielt wird und die Lichtchoreografie regelt. Eine Minute vor Mitternacht schaltet sie sich wieder ab.

Ein „kleines Lichterfest“

Von einem „kleinen Lichterfest“ spricht Ralph Philipp Ziegler, als Künstlerischer Leiter der Neuen Philharmonie Frankfurt verantwortlich fürs alljährliche Lichterfest im Büsingpark. Er hat mit leichter Hand das Musikprogramm zusammengestellt, das er auch wortgewandt moderiert. Als „bildhafte, charmante, verzierungsfreudige Musik“ sowie eine Art „Filmmusik vor der Erfindung des Films“ bezeichnet Ziegler Antonio Vivaldis barocken „Frühling“, der jahreszeitlich passend den Auftakt bildet. Beschwingt geführt von Sologeiger Holger Pusinelli, animiert ein Streichquintett die Lichter zum Tanzen über die mit weißer Gaze verhängten Fenster hinter dem Rücken der Interpreten.

Als Streichquartett begeistern die mit dem modernsten Stück des Abends, einem Satz des Amerikaners Phil Glass, auf dessen minimalistisches Auf- und Abschwellen die Lampen lebhaft reagieren. Um Bläser und Rhythmussektion erweitert, intoniert das elfköpfige Ensemble Percy A. Graingers „Irish Tune from County Derry“ und echte Kinoklänge des Italieners Ennio Morricone. „Jill’s Theme“ aus dem Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ gibt der Bratschistin Gelegenheit zu glänzen; mit „Gabriel’s Oboe“ aus „Mission“ tritt der Oboist hervor. Der lässt im Duett mit der Flötistin bei „My Heart Will Go On“ aus James Horners „Titanic“-Partitur Céline Dion nicht vermissen.

Für Gesang sorgt Katrin Glenz

Für Gesang sorgt Katrin Glenz mit dem englischen Volkslied „Scarborough Fair“ in der Version von Simon and Garfunkel und „First Day Of My Life“ von Mel C. Zum beseelten Höhepunkt, der auch die Zugabe liefert, gerät Stings „Fields Of Gold“ in Eva Cassidys Countryfassung.

Die Pause nutzen viele Besucher, die Installation von außen zu betrachten. Oder sie drehen eine Runde mit dem „Luminale-Express“, der die Fahrgäste mit einem Sternenhimmel verzaubert.

Da der Konferenzraum im fünften Stock, bei der Reihe „Senza Piano“ regelmäßig „Offenbachs höchstgelegener Kammermusiksaal“, nur gut 60 Sitzplätze hat, war bei den 280 Sparkassenmitarbeitern rasches Zugreifen auf das Kartenangebot angesagt. „Wer sich zu Hause abstimmen musste, hatte Pech“, scherzt der glänzend aufgelegte Chef Guido Braun. Und stellt Abhilfe in Aussicht: Ermuntert durch den anhaltenden Beifall und seine eigene Begeisterung kündigt er an, dass das Konzert kein einmaliges Ereignis bleiben soll.

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