„Kopfjäger“ interviewt Kandidaten

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Skyline Offenbach am Main

Offenbach - Stephan Wildhirt will. Der Offenbacher SPD-Vorsitzende lässt keinen Zweifel daran, dass er gern der neue Geschäftsführer der Offenbacher Stadtwerke-Holding (SOH) wäre. Mit diesem Wunsch ist der 55-jährige ehemalige Bürgermeister allerdings nicht allein. Von Thomas Kirstein

Eine Zukunft an der Spitze des Stadtkonzerns können sich neben dem bisherigen Direktor des Planungsverbands Rhein-Main (Wildhirt) auch der gegenwärtige kaufmännische SOH-Geschäftsführer Dieter Lindauer (43) und Peter Walther (43), der Chef des Stadtdienstleisters ESO, vorstellen.

Sie sind die drei heiß gehandelten internen Kandidaten für die Nachfolge von Joachim Böger (60), der Ende des Jahres auf eigenen Wunsch ausscheidet. Aber es muss nicht zwangsläufig einer aus diesem Trio den Zuschlag bekommen. Es könnte auch ein Auswärtiger auf dem wichtigsten Sessel an der Senefelderstraße Platz nehmen.

Kandidat 1: Stephan Wildhirt.

Der Magistrat hat das Vorauswahlverfahren ausgelagert. Wie Oberbürgermeister Horst Schneider, als Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrats der Herr des Verfahrens, bestätigt, ist Dieter Stein von der Personalberatungsfirma Search Partners Services damit beschäftigt, innere und äußere Kandidaten zu interviewen. Ein Anforderungsprofil als Arbeitsgrundlage für den „Headhunter“, wörtlich: Kopfjäger, sei erstellt. Von den Bewerbern werden, so fasst es der OB zusammen, unternehmerische, betriebswirtschaftliche, finanzielle und operative Fähigkeiten und Erfahrungen verlangt. Wer SOH-Chef oder -Chefin werden will, soll in der Lage sein, den Stadtkonzern dorthin zu steuern, wohin ihn der Magistrat und die Koalition aus SPD, Grünen und FDP haben möchten: Weg von der einst unter Oberbürgermeister Gerhard Grandke entwickelten Position einer Finanz- und Control-Holding hin zu einem wichtigen „Standortentwickler“, der mit immer mehr Projekten (wie bereits jetzt Hafen, Kickers-Stadion, Erasmus-Schule, Polizeipräsidium, Schulerweiterungs- und Sanierungsprogramm) betraut wird.

Der größten Oppositionspartei sei leider noch nicht so genau verraten worden, wie der Stadtkonzern in Zukunft aussehen solle, bedauert CDU-Fraktionschef und SOH-Aufsichtsratsmitglied Peter Freier. Die Böger-Nachfolge müsse in den städtischen Gremien, nicht im stillen Kämmerlein beraten werden.

Kandidat 2: SOH-Geschäftsführer Dieter Lindauer.

Freier lässt keine Zweifel daran, dass seine Partei momentan zwar den ESO-Chef Walther favorisiere, man sich aber auch mit Lindauer anfreunden könne. Beide seien politisch unabhängig, wichtig sei, „dass professionelles Maß reinkommt“. Benötigt werde jemand, der mit den sich abzeichnenden Risiken umgehen könne: „Die SOH macht schon viel für die Stadt - was ist aber, wenn die Reserven verbraten sind und die Rückflüsse aus Grundstücksverkäufen im Wohngebiet An den Eichen weiter nur tröpfeln oder wie im Hafen momentan ganz ausbleiben?“ Zu den Ambitionen des SPD-Vorsitzenden sagt CDU-Mann Freier klar: „Stephan Wildhirt lehnen wir kategorisch ab.“ Die Aussage könnte bei der Entscheidungsfindung der Grünen Gewicht bekommen. Deren Fraktionschef Peter Schneider schätzt die Stelle des Stadtwerke-Chefs für zu wichtig ein, als dass sich über ihre Besetzung wie in früheren Jahren ein Streit unter den Parteien entzünden dürfte. Und damit meint er nicht nur seine Koalitionspartner, sondern ausdrücklich auch die CDU. Aus seiner Sicht haben alle drei genannten Aspiranten „ihre ausgewiesenen Kompetenzen“.

Kandidat 3: ESO-Chef Peter Walther.

Die FDP ist traditionell für alles und jeden offen. Parteichef und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß will sich vorab nicht festlegen: „Es ist eine Position, in der vielfältige Fähigkeiten gefragt sind, der Neue braucht ein Gespür für den Umgang mit politischen Entscheidungsträgern und sollte weitreichende Managementerfahrungen haben.“ Stephan Färber, der SPD-Fraktionschef, wagt sich nicht so weit vor, dass er eindeutig für seinen Parteivorsitzenden Stellung bezöge: „Befindlichkeiten von Parteien oder Fraktionen wären zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig hilfreich.“ Ohnehin gibt es auch Murren in der SPD über das Ziel des Obergenossen Wildhirt. Aus einem Ortsvereinsvorstand kommt - mit der Bitte, keine Namen zu nennen - das Signal, dass man auf Parteivorgaben lieber verzichten solle.

Ende September wird der „Headhunter“ dem Magistrat eine „Bestenliste“ mit einer Empfehlung vorlegen. Wenn Joachim Böger feierlich verabschiedet wird, könnte schon feststehen, wer ihm nachfolgt: Stephan Wildhirt, Peter Walther, Dieter Lindauer oder jemand, den Offenbach momentan noch nicht kennt.

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