Verdacht der Korruption im Ordnungsamt

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Die Beamten öffneten auch Zwischendecken, ein Polizist verließ das Haus mit einem Beutel, in dem sich ein weißes Pulver befand.

Offenbach (tk) - Mehr als 50 Polizeibeamte einer Sondereinheit aus Wiesbaden haben gestern Vormittag einen Arbeitsplatz im Offenbacher Ordnungsamt sowie ein Wohn- und Geschäftshaus in der Innenstadt durchsucht.

Die Aktion erfolgte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Laut deren Sprecher Sebastian Zwiebel handelte es sich um Ermittlungen wegen des Verdachts der Korruption. Einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung wird Bestechlichkeit vorgeworfen.

Die Stadt Offenbach hat den Mann sofort vom Dienst suspendiert. Pressesprecher Matthias Müller erklärte, man werde die Arbeit der Staatsanwaltschaft in jeder erdenklichen Richtung unterstützen. Der „bedauerliche Einzelfall, der die Arbeit der über 1000 Beschäftigten bei der Stadt nicht in Misskredit bringen darf“ müsse restlos aufgeklärt werden.

Schweigen zu den Hintergründen

Staatsanwaltschaft und Stadt hüllten sich gestern in Schweigen, was die Hintergründe angeht. Für welche Leistung der Ordnungsbeamte die Hand aufgehalten haben könnte, unterliegt noch der Vertraulichkeit. Ebenso wird unter der Decke gehalten, wer bestochen haben soll. Die gleichzeitige Razzia in einem Gebäude im Salzgässchen, das 14 Wohnungen, Läden und Gaststätten beherbergt, deutet jedenfalls nicht auf einen Einzeltäter hin. Das Haus, das erst vor kurzem verkauft wurde, sei in den vergangenen vier Wochen von der Polizei observiert worden, berichten Nachbarn. Einige Wohnungen scheinen zeitweilig als Matratzenlager für südosteuropäische Leiharbeiter untervermietet gewesen zu sein.

Beamten öffneten auch Zwischendecken

Dass die Bestechung saffäre dramatischere Dimensionen hat als nur Unregelmäßigkeiten im Gaststättenwesen, wird durch eine intensive Untersuchung der Räumlichkeiten und der Tiefgarage gestützt. Die Beamten öffneten auch Zwischendecken, ein Polizist verließ das Haus mit einem Beutel, in dem sich ein weißes Pulver befand.

„Ich habe erst gedacht, hier wird ein Film gedreht“, sagte ein Augenzeuge, der in der Nachbarschaft einen Laden betreibt. Er berichtet zudem von früheren Gerüchten, die „Türken-Mafia aus Wiesbaden“ habe sich im Salzgässchen eingenistet. Eine andere Theorie bringt die Rockergang Hell’s Angels in Spiel.

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