Korruptionsaffäre bei Autozulieferer

Feste Stellen gegen Bares

Offenbach - Beim Autozulieferer GKN Driveline, ehemals Löbro, sorgt eine Bestechungsaffäre für Wirbel. Die Geschäftsleitung bestätigt uns vorliegende Informationen. Von Matthias Dahmer

Die Geschäftsleitung bestätigt uns vorliegende Informationen, wonach ein mittlerweile gefeuerter Mitarbeiter seine Position dazu genutzt hat, Leiharbeiter gegen Geldzahlung zu einer Festanstellung im Unternehmen zu verhelfen.

So soll das Bestechungssystem funktioniert haben: Der Mitarbeiter, gegen den inzwischen ein Ermittlungsverfahren läuft, hat im Unternehmen beschäftigten Leiharbeitern eine feste Übernahme in den Betrieb versprochen, wenn sie ihm eine gewisse Summe dafür zahlen. So soll er jeweils Beträge zwischen 1000 und 1300 Euro dafür verlangt haben, dass der Betreffende auf einer entsprechenden Übernahmeliste ganz nach oben rückt.

Über Jahre hinweg die Hand aufgehalten

Angeblich hat der GKN-Mitarbeiter über Jahre auf diese Weise die Hand aufgehalten. Die kriminellen Praktiken habe der Bestochene sogar in „Privatverträgen“ mit den Leiharbeitern schriftlich festgehalten, berichtet ein Insider, der von 13 Bestechungsfällen allein aus jüngster Vergangenheit Kenntnis erlangt hat.

Aufgeflogen sei das Ganze, nachdem ein auf Empfehlung übernommener Leiharbeiter nach einigen Monaten wieder entlassen wurde, weil er nicht die Leistung erbracht habe, die man sich von ihm erwartete. Daraufhin habe er die Umstände seiner Festanstellung ausgeplaudert.

Der mit den Vorfällen konfrontierten Geschäftsführung ist der Bestechungsskandal zwar hörbar unangenehm. Doch: „Leugnen kann ich das nicht“, sagt Arbeitsdirektor Stefan Schrahe. Die Geschäftsleitung habe erst kürzlich Kenntnis davon erlangt, der Mitarbeiter sei nicht mehr im Unternehmen beschäftigt, und es handele sich offensichtlich nur um diesen einen Mann, der sich habe bestechen lassen.

Leiharbeiterliste ist nicht bekannt

Zur Zahl der Fälle sowie zu den Summen, die geflossen sein sollen, wollte Schrahe keine Angaben machen. Eine Leiharbeiterliste mit Anwärtern auf eine Festanstellung oder einen Jahresvertrag sei ihm nicht bekannt, so der Arbeitsdirektor. Grundsätzlich würden Leiharbeiter mitunter übernommen, wenn sie gut seien.

GKN beschäftige in Offenbach an seinen Standorten an der Mühlheimer Straße und in Bieber-Waldhof eine „erhebliche Anzahl“ von Leiharbeitern, sagt Stefan Schrahe. Von den zirka 2000 Mitarbeitern seien es 10 bis 15 Prozent, also mehr als 200, die von Zeitarbeitsfirmen kämen.

Offenbach ist Sitz der GKN Driveline Deutschland GmbH, wo sie den Gelenkwellen-Hersteller Löhr & Bromkamp übernommen hat. Weitere deutsche Standorte sind Mosel und Kiel. GKN ist nach eigenen Angaben führender Zulieferer für die Automobil-, Geländefahrzeug- und Luft- und Raumfahrtbranche weltweit. Das Unternehmen beschäftigt 22 .000 Mitarbeiter an 57 Standorten in 23 Ländern.

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