Korruptions-Prozess erst im Herbst

Berufung platzt wegen Krankheit

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Offenbach - Am 9. September vorigen Jahres fielen am Schöffengericht zwei Urteile wegen Korruption im Offenbacher Ordnungsamt. Dabei ging es um die unrechtmäßige Herausgabe von vier sicher gestellten Schießeisen und ein Messer aus der Waffenkammer.

Rechtsanwalt Wolfram Rädlinger, Verteidiger des unscheinbaren Amtsmitarbeiters Guiseppe B., kündigte unmittelbar nach Prozessende den Gang in die zweite Instanz an. Gestern fand am Landgericht Darmstadt der Auftakt zur Berufungsverhandlung statt – und musste gleich wieder vertagt werden. B. ist akut erkrankt, eine halbe Stunde vor Prozessbeginn landete ein Schreiben des Kettelerkrankenhauses bei Richter Lothar Happel ein. Obwohl darin nur von einer Woche Aufenthalt die Rede ist, wird es wohl vor Herbst keinen neuen Termin geben. Hikmet V., der zweite Verurteilte, hat ebenfalls Berufung eingelegt, sein Verteidiger Manfred Döring hat früher keine Zeit.

Die weitgehend geständigen Offenbacher wurden zu je zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, B. wegen Bestechlichkeit, V. wegen Bestechung. Beide Verteidiger hatten Bewährung gefordert – Amtsrichter Manfred Beck sah dafür aber keinen Spielraum: „B. hat mit seinem Verhalten als Beamter eine rote Linie überschritten.“

Zwischen 2007 und 2011 soll B. für läppische 150 Euro besagte Waffen an den Gaststättenbetreiber V. heraus gegeben haben. V. ist im kriminellen Milieu kein Unbekannter, B. ein bis dato unbescholtener Vater von vier Kindern. Dass mehr Geld beziehungsweise Waffen geflossen sind, konnte nicht nachgewiesen werden. Der Verdacht bleibt: Bei einer Überprüfung der Waffenkammer stellte sich heraus, dass zwölf Schusswaffen fehlen.

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Die CDU-Fraktion sprach von einem Skandal und falsch gesetzten Prioritäten im Personaleinsatz. Unstrittig ist, dass Kontrollmechanismen der städtischen Waffenkammer zu wünschen übrig ließen. Mittlerweile gibt es laut Ordnungsamtsleiter Peter Weigand eine Videoüberwachung.

gel

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