Interview mit Oberbürgermeister Felix Schwenke zu den Sperrungen am Wilhelmsplatz

Kostenloses Parken und Lieferservice

Wann die testweise Sperrung am Wilhelmplatz beginnt, ist noch offen. Foto: meidel
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Wann die testweise Sperrung am Wilhelmplatz beginnt, ist noch offen. Foto: meidel

Offenbach – Die vom Stadtparlament beschlossene testweise Sperrung der seitlichen Straßen des Wilhelmsplatzes bietet Stoff für Diskussionen. Im Interview erläutert Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) seine Position:.

Herr Schwenke, die Stadtverordneten haben beschlossen, für drei Monate testweise die Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes sperren. Wie stehen Sie zu diesem Beschluss?

Der Wilhelmsplatz ist ein sehr gut funktionierender Platz, weil er Einzelhandel, Wochenmarkt und Gastronomie an einem der schönsten Orte der Stadt vereint. Deshalb muss man bei Änderungen aufpassen, dieses System nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich bin überzeugt, dass weniger Verkehr der Attraktivität und Atmosphäre des Wilhelmsplatzes nutzt. Der Verzicht aufs Auto ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und für bessere Luft in unserer Stadt. Gerade auch in der Innenstadt. Aber: Das muss so organisiert werden, dass auch die Betroffenen die Veränderungen mittragen können.

In der politischen Debatte haben Sie sich aber auch kritisch geäußert…

Mich haben zwei Dinge gestört: der Umgang mit den Betroffenen und die für den Test ausgewählte Zeit.

Was stört Sie denn am Umgang mit den Betroffenen?

Als wir aufgrund von Corona die ersten Änderungen am Wilhelmsplatz vorgenommen haben, bin ich mit meinem Kollegen Peter Freier und unseren Fachleuten aus den Ämtern auf den Platz gegangen. Ich habe mit Beschickern, Wirten und Einzelhändlern Meter für Meter, Parkplatz für Parkplatz jede Änderung durchgesprochen und abgesprochen. So hätte das aus meiner Sicht auch jetzt laufen sollen: gemeinsam mit den Betroffenen ein Konzept erarbeiten, dass alle einbindet und deshalb funktionieren kann.

Und was stört Sie am Zeitpunkt?

Ich hätte den Modellversuch nicht ausgerechnet zu Marktzeiten gemacht, denn wenn jemand auf die direkte Erreichbarkeit des Platzes mit dem Auto angewiesen ist, dann sind das am ehesten die Beschicker des Wochenmarktes. Man verbietet vor den großen Supermärkten ja auch nicht die Vorfahrt mit dem Auto.

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, damit der Test erfolgreich verläuft?

Direkt Anfang dieser Woche habe ich mich mit der Straßenverkehrsbehörde, der OSG und der Wirtschaftsförderung zusammengesetzt und besprochen, was ich von meiner Seite aus beitragen kann. Mein größter Traum wäre ein funktionierender Lieferservice nach Hause: Die Kunden könnten dann in Ruhe auf dem Wochenmarkt einkaufen und sich ihre Waren noch am Vormittag oder nachmittags bequem nach Hause liefern lassen. Eigentlich hätte man mit der Sperrung erst beginnen dürfen, wenn man so ein Angebot hat.

Das würde doch aber sicher Geld kosten. Wer soll das bezahlen?

Ein solcher Lieferservice funktioniert nur subventioniert. Am Ende werden die Stadtverordneten deshalb vermutlich entscheiden müssen, wie viel Geld ihnen ein funktionierender autofreier Wilhelmsplatz wert ist. Wer A sagt, muss auch B sagen.

Sehen Sie noch mehr Punkte, die angegangen werden müssen?

Weil ich verhindern möchte, dass Kunden fernbleiben, die nicht mit dem Bus oder dem Fahrrad zum Markt kommen, lasse ich Angebote einholen, zu welchem Preis die umliegenden Parkhäuser mit uns eine Kooperation eingehen würden. Am liebsten wäre mir folgende Lösung: zwei Stunden kostenlos parken an allen Markttagen bei Einfahrt zwischen 7 und 12.30 Uhr. Meine Wirtschaftsförderung wird jetzt auf die Parkhausbetreiber zugehen. Auch ein Trageservice zum Auto wäre eine gute Option. Und natürlich die Wiederbelebung der Fahrradbewachung. Wer es ernst meint, die Leute mit Lastenfahrrädern auf den Markt locken zu wollen, muss dafür auch die Bedingungen schaffen.

Gibt es auch verkehrliche Änderungen, wenn die Seitenstraßen dann nicht mehr für eine Durchfahrt zur Verfügung stehen? Was ist beispielsweise mit den Anwohnern?

Da stehen die Straßenverkehrsbehörde und mein Kollege Paul-Gerhard Weiß vor einer kniffligen Aufgabe. Die beiden Straßen müssen für Feuerwehr und Rettungswagen sowie Anwohner frei bleiben. Auch finde ich es wichtig, dass kein Behindertenstellplatz wegfällt. Weil die Anfahrt auf den Parkplatz nur noch über die Bleichstraße möglich sein wird, habe ich mich bereits mit dem Kollegen Weiß darauf verständigt, prüfen zu lassen, dass wir für die Testphase das Linksabbiegen von der Waldstraße in die Bleichstraße ermöglichen sollten. Sonst wäre der Parkplatz aus Norden und Osten kommend abgeschnitten.

Wann ist mit dem Start der Testphase zu rechnen?

Laut Beschluss so schnell wie möglich. Eigentlich aber dürfte man erst beginnen, wenn ein Gesamtkonzept mit den Betroffenen abgestimmt ist. Beschlossen ist auch eine Befragung von Kunden und Gewerbetreibenden. Hierzu möchte ich ein Institut beauftragen, dass uns umfassende Ergebnisse liefert. Das muss vorbereitet werden. Diese Ergebnisse sollen ja auch die Grundlage dafür sein, wie wir dauerhaft mit dem Thema Verkehr am Wilhelmsplatz umgehen wollen. Heißt: Sobald die erste Umfrage durchgeführt ist und wir alle Kunden und Gewerbetreibende über die Änderungen informiert haben, geht es los. Ich strebe den Herbst an, das ist zeitlich schon ambitioniert. Für den Erfolg braucht es aber eine gute Vorbereitung. Diese Zeit sollten wir uns nehmen.

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