Krank durch Gift im Jet: Flugpersonal schlägt Alarm

Offenbach ‐ Die Beschwerden häufen sich: Immer wieder gelangt Ölqualm über Triebwerke in Flugzeuge. Piloten und Flugbegleiter sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Sicherheit der Passagiere. Fluggesellschaften und Gewerkschaften liefern sich derzeit einen heftigen Schlagabtausch. Von Peter Schulte-Holtey

Das Problem: In Flugzeugen kommt die Frischluft aus dem Kompressor des Triebwerks in Cockpit und Kabine. Bei technischen Störungen kann es dazu kommen, dass Triebwerksöl in die Kabinenluft gelangt. Dabei handelt es sich auch um Tricresylphosphat, ein Nervengift. Wenn Piloten, Flugpersonal oder Passagiere den Giftqualm einatmen, können sie schwer erkranken und arbeitsunfähig werden. Die Symptome sind: Seh- und Sprechstörungen, Gedächtnisverlust, Husten, Atemnot, Koordinationsstörungen und Lähmungen.

Eine wachsende Zahl besorgniserregender Berichte von Piloten und Flugpersonal haben die Gewerkschaft Verdi und die deutsche Flugbegleiter-Organisation UFO jetzt aufgeschreckt. „Es gibt in der Zwischenzeit etliche Flugbegleiter, die bei der Berufsgenossenschaft um die Anerkennung als Berufskrankheit kämpfen“, berichtete eine UFO-Sprecherin. Es gebe keine Aufklärung durch die Fluggesellschaften, so dass noch nicht einmal alle Vorfälle erkannt und erfasst würden. UFO und die Gewerkschaft Verdi fordern eine unverzügliche, umfassende Untersuchung der Fälle. „Wir dürfen nicht länger zulassen, dass dieses Problem vertuscht wird“, so Verdi-Vorstandsmitglied Erhard Ott.

Nach Angaben von Fluggesellschaften werden alle Vorkehrungen getroffen, damit keine Dämpfe in die Kabine eindringen können. Zugleich räumte der Lufthansa-Experte Boris Ogursky auf Anfrage unserer Zeitung ein: „Bei Triebwerksstörungen kann es unter bestimmten ungünstigen Umständen dazu kommen, dass die Vorkehrungen nicht zu hundert Prozent wirken.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare