Gewässerschau des Umweltamtes

Kur für kranken Bieberbach

Ein Abschnitt der Bieber mit den gewünschten schattenspendenden Bäumen. Doch so idyllisch der Bach wirkt, sein Zustand ist nicht besonders gut.
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Ein Abschnitt der Bieber mit den gewünschten schattenspendenden Bäumen. Doch so idyllisch der Bach wirkt, sein Zustand ist nicht besonders gut.

Offenbach - Die Landschaft rund um die südliche Bieber ist ein beliebtes Erholungsgebiet nicht nur für Bieberer. Doch so idyllisch der Bach auch wirkt – der Schein trügt. Von Veronika Schade

Experten des Umweltamts erläuterten bei einer Gewässerschau, wo die Probleme liegen und wie dagegen angegangen werden soll. Sanft plätschert der Bach durch sein Bett, ein spielender Hund sucht Erfrischung im Wasser, Bienen schwirren summend um die rosafarbenen Blüten am Ufer. An der südlichen Bieber zwischen Wikingerstraße und S-Bahnlinie scheint die Welt in Ordnung. Bis bei der jährlich anstehenden Gewässerschau Experten des Umweltamtes den Betrachter desillusioniert – in allen Punkten.

Die Sohle des Baches ist durch Jahrhunderte andauernde menschliche Eingriffe zu steil geworden. Versuche, sie zu begradigen und die zu schnelle Fließgeschwindigkeit zu verlangsamen, indem sie mit Bauschutt aufgeschüttet wurde, wirkten sich negativ auf den Fischbestand aus.

An warmen Tagen planschen Hunde, mitunter auch Menschen im Bach. Das aber ist für Wasservögel ein großer Störfaktor. „Sie siedeln sich nicht zum Nisten an. Überhaupt sind an der Bieber kaum Wasservögel zu sehen – ein schlechtes Zeichen“, bemerkt Sergej Justus, Fachreferent für Gewässerschutz.

Und die schönen rosa Blüten an vielen Uferabschnitten? „Das ist Indisches Springkraut. Die Bienen mögen es zwar gerne, aber es ist ein stark invasiver Neophyt.“ Bedeutet: Die Pflanze stammt nicht ursprünglich aus der Region, wurde eingeschleppt und beginnt, andere Arten zu verdrängen. Ihre ungehinderte Vermehrung würde eine rasche Zerstörung wertvoller Bachauen und feuchter Hochstaudenfluren bedeuten. Sie ist eine Bedrohung für die biologische Vielfalt.

Diese an der Bieber wieder herzustellen, ist ein großes Ziel, dem sich das Umweltamt mit seinen Renaturierungsplänen nähern möchte. „Seit Frühjahr gibt es neue Förderungsrichtlinien für Gewässerschutz. Bis zu 95 Prozent der Kosten für Maßnahmen übernimmt das Land, die Kommune muss es bis Herbst/Winter dieses Jahres beantragen“, erläutert Amtsleiterin Heike Hollerbach. Mit drei bis fünf Millionen Euro beziffert sie die Kosten.

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Dass die Renaturierung nicht nur auf das Ökosystem selbst, sondern auch auf das Leben in Offenbach Auswirkung hätte, macht sie anhand des Hochwasserschutzes deutlich. Nach starken Regenfällen, wie sie durch den Klimawandel immer häufiger vorkommen, habe das Wasser momentan nicht genug Möglichkeiten, sich auszubreiten. Überschwemmungen an anderen Stellen können die Folge sein. Statt der derzeitigen Entwässerungsgräben sollen Feuchtbiotope geschaffen werden. „Lieber mal eine landwirtschaftliche Wiese fluten, als dass die Straßen der Stadt unter Wasser stehen“, so Hollerbach.

Sergej Justus, Fachreferent für Gewässerschutz beim Umweltamt, nimmt Wasserproben. Die Artenvielfalt ist stark zurückgegangen.

Der in Dreieich entspringende und in Mühlheim in die Rodau mündende Bach ist momentan mit 24 Grad Wassertemperatur zu warm und zu nährstoffreich. Eine nahezu durchgängige Baumkrone wäre wünschenswert. Doch an vielen Stellen wurden Bäume gefällt, es fehlt Schatten. Zum Teil sind Baumarten wie Robinien oder Kastanien nachgewachsen, die aber wie das Indische Springkraut nicht zur ursprünglichen Flora gehören. Das Setzen heimischer Bäume, zum Beispiel Silberweiden oder Sumpfbirken, ist ein weiterer Aspekt der Renaturierung. Im selben Zuge müssen so manche Kleingärten weichen. „Sie wurden ohne Genehmigung und zu nah am Wasser gebaut. Ihre Nutzung beeinträchtigt das Ökosystem“, sagt die Amtsleiterin. So fällt beim Rundgang eine illegal installierte Pumpe auf, deren Urheber nun ausfindig gemacht werden soll. Das Umweltamt will die Renaturierungspläne demnächst mittels Bürgerbeteiligung konkretisieren – damit auch Erholungssuchende davon profitieren. So seien beispielsweise ein Barfußpfad, Aussichtsturm und Baumpatenschaften denkbar. Im Jahr 2019 sollte die Umsetzung dann spätestens beginnen.

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