„Krasser“ ist aus Verkehr gezogen

Offenbach ‐ Folgt man dem Verteidiger, dann hat die Gegend rund um die Karlstraße erstmal drei friedlichere Jahre vor sich. Für diesen Zeitraum hat die Große Strafkammer des Landgerichts Darmstadts jetzt einen jungen Mann aus dem Verkehr gezogen, der mit seiner Bande das Viertel förmlich terrorisiert haben muss. Von Thomas Kirstein

Der Offenbacher Rechtsanwalt Wolfram Rädlinger vertrat als Pflichtverteidiger den 23-jährigen Deutschen marokkanischer Herkunft, der, wie am Rande der Verhandlung zu hören war, in seinen Kreisen nur „der krasse A...“ hieß.

Vor Richterin Cornelia Hartmann-Grimm musste sich der „Krasse“ während einer viertägigen Verhandlung wegen einer Tat aus dem Jahre 2008 verantworten: Gemeinsam mit einer nicht mehr zu ermittelnden Anzahl (Zeugenangaben schwanken zwischen drei und neun) von Komplizen hatte er an einem Maitag eine Wohnung in der Karlstraße gestürmt. Die Anwesenden wurden zunächst verbal („Ich brech’ die Zunge, wenn sich einer bewegt“), dann mit einem im Zimmer gefundenen Teleskop-Schlagstock bedroht. Anschließend durchsuchte die Bande die Wohnung, die Beute bestand hauptsächlich aus Mobiltelefonen. „Das war ein regelrechtes Rollkommando. Klingeln, reingehen, abkassieren“, sagt Verteidiger Rädlinger.

Welchen Schrecken die Bande schon zuvor in der Karlstraße verbreitet haben muss, lässt sich an der Reaktion des Wohnungseigentümers erkennen. Der war auf dem Weg, etwas zu essen zu besorgen, als er die Truppe anrücken sah - weder versuchte er, sie aufzuhalten, noch verständigte er die Polizei (was freilich auch an möglicherweise in dem Haus konsumierten und gehandelten Substanzen gelegen haben kann).

Rechtsanwalt Wolfram Rädlinger plädierte erfolgreich darauf, über einen „minderschweren Fall von schwerem Raub“ zu urteilen - Waffen waren keine mitgebracht worden, Gewalt bloß angedroht.

Jugendstrafe vor Verhandlung aus dem Register getilgt

Das bringt den „Krassen“ für drei Jahre dorthin, wo bereits zwei seiner Brüder langjährige Strafen verbüßen. Laut seinem Verteidiger hätte er sich das Doppelte eingefangen, wenn ihm nicht eine gnädige Verjährungsfrist den Status eines Vorbestraften erspart hätte. Als 17-Jähriger hatte er mit Kumpanen in einer Bürgeler Pizzeria die Gäste mit Waffenattrappen bedroht und ausgenommen. Eine 2003 verhängte Jugendstrafe wurde rechtzeitig vor dieser Verhandlung aus dem Register getilgt. So musste er dem Darmstädter Gericht als unbeschriebenes Blatt gelten.

Rubriklistenbild: © dpa

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