Krautdiebin angeprangert

Auch wenn nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob das Strafinstrument vom Offenbacher Schandpfahl (im Hintergrund der Druck von Theodor Geh) stammt, freut man sich im Museum über den Kauf. Bürgermeisterin Birgit Simon nahm‘s locker: „Wer weiß, wozu man es noch mal gebrauchen kann.“

Offenbach ‐ Ein Halseisen, mit dem Übeltäter für besonders unehrenhafte Vergehen an den Pranger gestellt wurden, gab es auch in Offenbach. Ob die ungewöhnliche Neuanschaffung im Haus der Stadtgeschichte aber tatsächlich vom hiesigen Schandpfahl stammt, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Von Simone Weil

Auch wenn auf einem kleinen Pappschildchen an dem Metallreif steht: „Prangereisen von Offenbach um 1550 – selten. Gestern präsentierten Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer und Kurator Dr. Marcus Frings das Instrument der Gerichtsbarkeit der Öffentlichkeit. Weil das Haus über wenig mittelalterliche Objekte verfügt, freuen sie sich über die jüngste Erwerbung. Besucher werden das alte Stück allerdings nicht so schnell zu Gesicht bekommen: Weil es nicht in die Ausstellung passt, landet es erst einmal im Depot.

„Im Museum lässt sich die Diskussion führen, ob das Halseisen wirklich aus Offenbach ist“, begründete Eichenauer die 1200 Euro teure Anschaffung des verschollen geglaubten Objektes. Man hätte es öfter mit Dingen zu tun, die keine lückenlose Geschichte mit sich brächten. „Wer weiß, wozu man es noch mal gebrauchen kann“, kommentierte Bürgermeisterin Birgit Simon die Situation, während sie sich das Gerät vorsichtig an den Hals legte. Historische Hinweise auf den Gebrauch eines solchen Instruments noch um 1820 haben die Experten beim Stadthistoriker Emil Pirazzi gefunden. In seiner Chronik aus dem Jahr 1879 schreibt er: „Die zuletzt hier am Halseisen Ausgestellten waren zwei Männer, darunter der Hirt der Altgemeinde, und eine Frau, welche im Geheimrath Metzler'schen Garten Gemüse gestohlen hatte, und dafür an einem Markttage, das gestohlene Kraut umgehängt, mehrere Stunden am Pranger stehen mußte, und den abscheulichsten Verhöhnungen und Excessen der Volksmenge ausgesetzt waren.“

Außerdem zeigt eine Lithographie von Theodor Geh aus dem Jahr 1927 zeigt zwei Strafpfähle vor dem Gebäude „Mehlwaage“ am Marktplatz. Das Prangereisen sei aus dem „Nichts aufgetaucht“, sagte Eichenauer. Das Strafwerkzeug war von der in Offenbach tätigen Kunsthistorikerin Christina Uslular-Thiele beim Internet-Auktionshaus „ebay“ entdeckt worden. Eichenauer setzte sich mit dem Anbieter direkt in Verbindung – entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten des Portals. Es stellte sich heraus, dass dem Karlsruher Antiquitätenhändler das Halseisen aus der Sammlung eines Freundes zugefallen war, der sich umgebracht hatte. Dieser hatte sich auf das historische Gerichtswesen spezialisiert.

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