Kreativ gegen das Grau

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Ob selbst gemachte Stofftiere, Silberschmuck, Bumerangs oder Glasmalkunst - auch die 23. Auflage des Kreativmarkts Sammelsurium bestach durch ihre Vielfalt.

Offenbach ‐ Seit nunmehr 23 Jahren gibt es in Offenbach die perfekte Möglichkeit, ein Wochenende dem grauen und verregnetem November zu entfliehen und einzutauchen in die Welt der schönen und kreativen Überflüssigkeiten. Von Veronika Szeherova

Mode, Kunst und Handwerk, selbst gemacht und jedes Stück ein Unikat, gab es auch diesmal Mal wieder beim Offenbacher Sammelsurium zu bestaunen und zu erwerben. Künstler aus ganz Deutschland lockten mit 168 Ständen Tausende in die Stadthalle - gestern waren sämtliche Parkplätze entlang der südlichen Waldstraße bis hin zur Arbeiterwohlfahrt belegt. Es gab sogar Wartemärkchen, weil sich nicht mehr als tausend Besucher gleichzeitig in der Stadthalle aufhalten durften.

Die Vielfalt beeindruckt immer wieder aufs Neue: Dort filigraner Silberschmuck, da prächtige Glasmalkunst, hier selbst gemachte Stofftiere. Nicht nur Schönes für die Wohnung, auch zum Naschen (beispielsweise Schokolade und Honig) und zum Einkleiden war zu finden. Ob klassische Damenjacken, Lederhandschuhe, Schals oder Mützen – es durfe alles anprobiert und gleich vorm Spiegel bewundert werden. Was nicht passte, wurde sofort passend gemacht, oder eben nachbestellt. Die Künstler nahmen Aufträge an und erklärten gerne die Geschichten rund um ihr Schaffen.

Es gab viel zu bestaunen und zu erwerben

Sammelsurium in der Stadthalle

So zum Beispiel auch Siggi Hauch aus Bochum, der zum zweiten Mal mit seinen Bumerangs beim Sammelsurium dabei war. Und keiner seiner Bumerangs ist wie der andere. Es gibt Zwei- und Dreiflügler, für Rechts- und Linkshänder, für Anfänger und Profis. Formen, die stabil durch den Wind segeln, und welche, die wie ein Ahornsamen um die eigene Achse rotieren. Ein kleiner Sofortkurs in der Wurftechnik springt für jeden Interessenten heraus: „Du musst ihn immer senkrecht werfen, mit lockerem Handgelenk, aber dennoch genug Schwung. Dann macht er den Bogen und kehrt genau zu dir zurück.“ Geübt wird mit Bumerangs aus Pappe oder aus einem zurechtgeschnittenen Mousepad. „Das Material ist egal“, lacht Hauch, „das Geheimnis liegt in den Kanten.“ Wie Flugzeugflügel müssen diese beschaffen sein, mit einem stumpfen und einer scharfen Kante. Bunt gemacht werden die aus finnischem Birkensperrholz hergestellten Wurfobjekte mittels Airbrush-Technik. Die ganze Familie und der Freundeskreis von Hauch wirken dabei mit, „Kinderarbeit ist bei mir auch erlaubt.“ Hauch schmunzelt und widmet sich der Kaufberatung für einen Jungen, der sich in einen neongrünen Zweiflügler verguckt hat.

Jedes Stück erzählt seine eigene Geschichte

Ganz andere Kunst bietet Gudrun Höpner aus Herne an ihrem Stand an: Unikatschmuck und Kleinplastiken aus Mammut-Elfenbein. „Ich bin gelernte Elfenbeinschnitzerin, widme mich aber seit Jahren nur noch dem Mammut-Elfenbein. Das Material ist noch viel interessanter, und es müssen keine Tiere mehr dafür sterben“, sagt die 65-Jährige. Jedes Jahr werden etwa fünf Tonnen Elfenbein der etwa vor 10 000 Jahren ausgestorbenen Mammuts gefunden. „Nach der wissenschaftlichen Auswertung kommt ein Teil davon auf den freien Markt“, erklärt die Künstlerin. Meistens bekommt sie Bruchstücke, etwa zehn bis 15 Kilogramm verarbeitet sie pro Jahr. „Jedes Stück ist anders, es verändert sich durch das Alter und auch dadurch, wie oft rs zwischendurch aufgetaut war“, so Höpner. Es entstehen auf diese Weise Risse und Verfärbungen, und es lagern sich Kupferoxide und Mineralien an. „Jedes Stück erzählt seine eigene Geschichte, das übt einen unheimlichen Reiz auf mich aus“, schwärmt die Künstlerin. Die Ideen kommen ihr beim Sägen und Schleifen. Dann setzt sie entweder Korallen, Malachit, Ebenholz, Gold oder Silber mit ein und bekommt so wunderschöne Kettenanhänger oder Ohrringe. Bei gut erhaltenen Stücken verändert sie die Form, dreht zum Beispiel eine Spirale. Um die Zukunft ihres Arbeitsmaterials braucht sich Gudrun Höpner keine Sorgen zu machen. „Es wird vermutet, dass in Sibirien, Alaska und Kanada noch etwa eine Million Tonnen Mammutelfenbein in der Erde liegen. Die Mammuts waren eine unglaublich weit verbreitete Tierart.“

Auch das Offenbacher Sammelsurium hat, ähnlich wie das Mammut-Elfenbein, eine gesicherte Zukunft: Am 13. und 14. November 2010 können Kunstfreunde aus ganz Deutschland dort wieder Zuflucht vor der Novembertristesse suchen und finden.

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