Lob für kreative Keimzelle

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Der erste Neujahrsempfang bestätigte die Bedeutung seiner Einrichtung: HfG-Präsident Professor Bernd Kracke.

Offenbach ‐ Das andere, das vorzeigbare, das wünschenswerte Offenbach mit seinen Vor- und Querdenkern, seinen spendablen, meinungsbildenden und kunstsinnigen Bürgern hat im stilvollen Ambiente der restaurierten Kapellen des Isenburger Schlosses seinen Auftritt. Von Matthias Dahmer

So etwas tut der Stadt gut, so etwas dürfte durchaus öfter sein. Zumindest im nächsten Jahr könnte es wieder passieren. Wenn die Hochschule für Gestaltung (HfG) wahrscheinlich zu ihrem zweiten Neujahrsempfang einladen wird. Die mit etwa 250 Gästen bestens besuchte Premiere am Dienstagabend legt das zumindest nahe.

Allein beim Programmablauf hätte man von den Kreativen mehr Innovationsfreude erwarten können. Sechs Redner in Folge und im Anschluss eine viel zu schnell abgehandelte Preisverleihung – das ist Stoff, aus dem beim Publikum Ermüdungserscheinungen erzeugt werden.

Schrittweiser Hochschulen-Umzug ins Hafenviertel

In die restaurierten Kapellen des Isenburger Schlosses hatte die Hochschule für Gestaltung zum Neujahrsempfang eingeladen.

Immerhin: Abseits des Lobes in allen Varianten, das zu solchen Anlässen über dem Gastgeber ausgeschüttet wird, gab’s auch versteckt Substanzielles. Vom Offenbacher CDU-Staatsminister Stefan Grüttner etwa. Als Bote der Landesregierung lässt er durchblicken, dass man in Wiesbaden dem vom Land zu finanzierenden Umzug und Neubau der Hochschule ins Hafenviertel wohlwollend gegenüberstehe. Eine Realisierung kann er sich aber nur in Schritten vorstellen. Schließlich sprengt ein Projekt, für das bis zu 100 Millionen Euro veranschlagt werden müssen, den Landesetat für den Hochschulbau. Zudem sind übers 2009er-Konjunkturprogramm drei Millionen Euro in die Bestandsbauten der HfG in der Innenstadt geflossen.

Für Grüttner ist die Hafeninsel eine „ernsthafte Option“, die freilich noch mit Fragen behaftet ist. Dazu gehören die Nutzungskonzepte für den alten Standort ebenso wie die Kaufpreisforderungen der Stadt für ihre Hafengrundstücke, die, so Grüttner, realistisch sein müssen. Aber: „Ich bin guter Hoffnung, dass alle diese Hausaufgaben in Bälde erledigt sind.“

Oberbürgermeister Horst Schneider geht davon aus, dass in Wiesbaden die Entscheidung bis zum Sommer gefallen ist, die HfG dann nach und nach im Laufe des neuen Jahrzehnts umziehen kann, weshalb eine „modulare Bauweise“ sinnvoll wäre. Am Rande der Sitzung weist Schneider darauf hin, dass der HfG ein zusätzlicher Raumbedarf von 5.000 Quadratmetern zugestanden ist, was dem ersten Modul im Hafen entsprechen könne.

„Nukleus für die Kreativstadt Offenbach“

Vor den Gästen im Schlossgemäuer bezeichnet der Oberbürgermeister die Hochschule als „Nukleus für die Kreativstadt Offenbach“, als „ganz wichtigen Motor fürs Zukunftsimage der Stadt“. Er erinnert zugleich an den von ihm ins Leben gerufenen Kreativbeirat, der für die HfG-Stiftungsprofessur trommelt und sogar Vertreter der Frankfurter Wirtschaft für das Projekt gewinnen konnte.

Zu Beginn betont HfG-Präsident ProfessorBernd Kracke, der Empfang sei geprägt vom Gedanken der „ständig wachsenden HfG-Community“, die zudem vor Veränderungen stehe. Als Beispiel nennt Kracke den Umstand, dass fünf Professuren neu besetzt werden und sich das Einzugsgebiet der HfG ständig ausweitet.

Der Chef bescheinigt seiner Einrichtung ein „gutes Standing“, lobt den Schulterschluss von HfG und Stadt und sagt voraus, das Jahrhundertprojekt Neubau dient der „Profilbildung“ Offenbachs.

Zugleich betätigt sich Kracke aber auch als Mahner in Richtung Landesregierung: Andernorts werde massiv in den Ausbau von Hochschulstandorten investiert, präsentiert er Karlsruhe, Dortmund und Zürich als Beispiele. Eine Entscheidung zum Neubau erwartet Kracke „in den kommenden Wochen“.

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