In Großmutters Fußstapfen

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Bei Andrea Zenker im „Ideenreich“ entstehen viele Unikate. Die kann jeder selbst nähen oder notfalls bestellen.

Offenbach - Stricken und nähen? War das nicht das, was vor Jahrzehnten der Hausfrau zwischen Abspülen und Kinderpflege aufgegeben war? Kann man so sehen. Kann man als Klischee aber auch schnell wieder über Bord werfen. Heute ist das Handarbeiten nicht nur wieder salonfähig. Von Bettina Link

Es darf sogar als Trend definiert werden. Insofern ist Andrea Zenker zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Seit November 2011 bietet sie in der kleinen Kreativwerkstatt „Ideenreich“ an der Mittelseestraße Nähkurse an. Die sind sehr beliebt, bei Klein wie bei Groß.

Zenker hat’s kommen sehen. Zumindest teilweise. Erst hatte sie ja eigentlich nur Kurse für Kinder geben wollen. „Aber die Nachfrage bei den Erwachsenen war so groß, dass ich auch für sie etwas anbiete“, erzählt sie. Die Könnerin selbst hat ihre Leidenschaft fürs Selbstmachen schon als Neunjährige entdeckt. Damals konnte sie die Finger einfach nicht von der Nähmaschine ihrer Großmutter lassen.

Nähen und Stricken wieder angesagt

Dass Nähen und Stricken wieder angesagt ist, bestätigt Birgit Grün von der städtischen Volkshochschule: Sie hat steigendes Interesse an entsprechenden Seminaren registriert. „Wir haben eine ganze Reihe von Kursen, die seit Jahren mit jüngeren Teilnehmern gut belegt sind.“ Besonders beliebt ist „Aktuelle Mode selbst genäht“. Gut für die Vhs und ihre Klientel, prima auch für die Klaus Enders von Nähmaschinen Enders in Offenbach. „Ob Hosenkürzen oder ein komplettes Kleid selber schneidern – viele haben das Nähen wieder entdeckt.“

In den Kursen der Hobby-zu-Beruf-Schneiderin Andrea Zenker stehen vor allem kleine Arbeiten auf dem Programm. „Wir schneidern keine aufwändigen Sachen wie Hosen oder Blusen, sondern kleine Unikate, die am Ende mit nach Hause genommen werden können.“

Zenker gibt das weiter, was sie sich selbst beigebracht hat. Eine Lehre zur Schneiderin hat sie nie absolviert. „Das meiste weiß ich von meiner Oma, die Schneiderin war“, erzählt Andrea Zenker, die zwar immer in die Fußstapfen ihrer Großmutter treten wollte, dann aber doch erstmal dem Wunsch ihrer Eltern folgte, „einen ordentlichen Beruf zu erlernen“. Doch die Ausbildung zur Rechtsanwalt- und Notargehilfin „hat mir nie Spaß gemacht“, gibt sie zu. Ihr Herz hänge eben immer schon am Nähen.

Mit Barbiekleidern fing sie an

Mit Barbiekleidern fing sie an. Dann wurden Ziele und Stoffe höher gesteckt, und es dauerte nicht lange, bis das erste aufwändige Kleid fertig war. Mit 17 schneiderte Andrea sich ihr eigenes Opernballkleid. „Ich sollte das Kleid einer Nachbarin tragen, aber das war so hässlich“, erinnert sie sich. Also griff sie lieber zu Nadel und Faden sowie zu den alten Gardinen der Großmutter – und schuf etwas Schönes.

Jetzt ist Andrea Zenker 45 und hat sich den Traum von der eigenen Nähstube erfüllt. „Ich möchte, dass Kinder ihre Ideen verwirklichen können“, sagt sie. Und den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Tasche, Mäppchen oder Buchhülle: Andrea Zenker versucht, jeden Wunsch zu verwirklichen – aus einem von mehr als 200 Stoffen.

Kinder, die keine Erfahrung mit der Nähmaschine haben, können bei ihr einen Nähmaschinen-Führerschein machen. Vor allem Mädchen sind begeistert von den Schneiderkursen. Erster Teilnehmer war indes ein Junge.

Nähstube „Ideenreich“, Mittelseestraße 35, Internet: ideenreich-von-a-z.de.

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