Komplizierte Krebserkrankungen

Therapie wird Teamarbeit

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Der Kampf gegen Krebs wird immer mehr zur Teamarbeit – das gilt für die medizinischen Spezialisten genauso wie für die Krankenhäuser. Es geht darum, Kompetenzschwerpunkte zu bilden und das Wissen möglichst vielen Patienten zur Verfügung zu stellen. Das hessische Onkologiekonzept soll für Krankenhäuser im Großraum Rhein-Main eine Plattform für Zusammenarbeit schaffen. Unser Foto zeigt eine Leberoperation am Zentrum für Radiologie der Universitätsklinik in Frankfurt.

Frankfurt - Insgesamt 18  Krankenhäuser – mit dabei sind auch Einrichtungen aus Stadt und Kreis Offenbach –bilden einen Verbund mit dem Ziel einer besser abgestimmten und moderneren Versorgung der Tumor-Patienten. Von Michael Eschenauer 

Die Krankenhäuser müssten besser werden bei der Krebstherapie, betonte Professor Dr. Elke Jäger, Direktorin des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT). Das UCT besteht aus der Frankfurter Universitätsklinik und dem Krankenhaus Nordwest. Es soll das hessische Onkologiekonzept in Versorgungsraum Frankfurt/Offenbach, Main-Taunus- und Main-Kinzig-Kreis koordinieren. Hier müssen jedes Jahr etwa 25.000 neu an Krebs erkrankte Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Im Versorgungsgebiet leben zwei Millionen Einwohner.

Speziell Krebs des Darms, des Magens, der Lunge, der Brust und der Bauchspeicheldrüse werde derzeit immer häufiger diagnostiziert, so Jäger. Sie sprach sogar von einem absehbaren „dramatischen Anstieg“ der Fallzahlen, auf den reagiert werden müsse. Dabei sei der Trend ermutigend. So habe die Überlebenszeit bei schwer Erkrankten in den 90er Jahren noch bei weniger als einem Jahr gelegen. Hier seien deutliche Fortschritte erzielt worden. Dies liege nicht zuletzt an neuen Therapien und Medikamenten, aber auch an allgemeinen Behandlungsstandards. All dies wolle man weiter verbessern.

Künftig in Hessen sechs Versorgungsgebiete

Insgesamt gibt es nach Einrichtung des hessischen Onkologiekonzepts künftig in Hessen sechs Versorgungsgebiete, in denen jeweils mehrere Krankenhäuser kooperieren. Der Versorgungsraum Rhein-Main bildet die größte Einheit. Unter den 18 Partnern sind die Asklepios Kliniken in Langen und Seligenstadt, das Kettelerkrankenhaus in Offenbach, das Klinikum Hanau, die Main-Kinzig-Kliniken, das Sana Klinikum Offenbach und das St. Vinzenz Krankenhaus in Hanau.

Die intensivere Zusammenarbeit bezieht sich weniger auf die Konzentration bestimmter Fälle in bestimmten Kliniken, als auf die Abstimmung der Therapien, einheitliche Standards nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bei der Behandlung und ein Diagnoseverfahren im Team. Die Absprache der Behandlung soll in regelmäßigen „Tumorkonferenzen“ stattfinden, bei denen sich die jeweiligen Spezialisten über die fraglichen Fälle austauschen, und auch die Nutzung bestimmter Einrichtungen im Versorgungsverbund abgesprochen wird. Außerdem will man die Zusammenarbeit mit Onkologischen Zentren und Labors außerhalb Hessens intensivieren.

„Bei der Therapie für schwere Fälle ist noch viel Platz für Verbesserungen“, machte Professor Dr. Hubert Serve, wissenschaftlicher Direktor des UCT im Bereich Onkologie, das Motiv deutlich, das am Anfang der Bemühungen stand, die Krankenhäuser in einen Therapieverbund zusammenzufassen. Dabei ist es relativ egal, wo der Patient im Bett liegt, wenn nur die Informationen fließen. Beim Thema Krebs gelte „Wettbewerb ist Gift“, sagte Serve. „Unser Ziel muss sein, gemeinsam die beste Therapie für jeden Patienten zu finden, egal welches Krankenhaus er zuerst betritt.“

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Es gehe darum, das Wissen der Spitzenzentren zu teilen mit den Krankenhäusern außerhalb der Ballungszentren, sagte Jochen Metzner vom Sozialministerium. Er wies darauf hin, dass einer Studie zufolge zwar hessenweit 96 Krankenhäuser onkologische Erkrankungen behandelten, davon fielen aber mehr als die Hälfte der Fälle auf 13 Kliniken, während zwölf Kliniken zusammen weniger als 100 Patienten behandelten. Dort sei es schwer, den erforderlichen hohen Therapiestandard zu erreichen.

„Wir erleben eine Revolution in der Krebstherapie“, so Serve. So habe sich herausgestellt, dass neue Therapien meist besser wirkten als die zugelassene Standardtherapie. Derzeit seien hunderte neuer und potenziell erfolgreicher Präparate in der klinischen Prüfung. Schade nur, dass dies oft nicht in Deutschland geschehe – was daran liege, dass hierzulande die Kliniken oft zu klein für die Studien namhafter Hersteller seien. „Und damit stehen sie nicht den Menschen zur Verfügung“, so Serve. Die neue Zusammenarbeit aber mache es möglich, dass die Zahlen der häufig extrem speziellen Fälle die „kritische Masse“ für einen Medizinversuch erreichten. Derartige Studien seien auch dezentral möglich, so Serve.

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