Zwei neue Gemeinschaftsunterkünfte

Kreis Offenbach baut für Flüchtlinge

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Ein Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa: Immer mehr Menschen suchen in Deutschland Schutz vor Gewalt und Hunger. Der Kreis Offenbach muss sich darauf einstellen, in diesem Jahr mindestens 700 Flüchtlingen eine Bleibe bereitzustellen.

Dietzenbach - Der Kreis Offenbach wird in Seligenstadt und Nieder-Roden zwei Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge bauen. Die in Modulbauweise errichteten Komplexe könnten im Herbst bezugsfertig sein. Von Michael Eschenauer

„Wir erwarten, in diesem Jahr mindestens 700 Flüchtlinge zugewiesen zu bekommen“, sagte der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD) gestern. Bebaut werden einem Beschluss des Kreisausschusses vom Montag zufolge die kreiseigenen Grundstücke an der ehemaligen Matthias-Grünewald- / Don-Bosco-Schule in Seligenstadt und auf der Sportwiese hinter der Schule am Bürgerhaus in Rodgau-Nider-Roden. Die Baukosten taxieren Müller und die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) auf grob gerechnet jeweils eine Million Euro ohne Inventar. Wohnen sollen in den Unterkünften jeweils höchstens 80 Personen in Doppelzimmern beziehungsweise familientauglichen Kombinationen.

Zusätzlich bereitet der Kreis zwei Notunterkünfte vor, in denen die Asylbewerber vorübergehend einquartiert werden, falls kurzfristig keine anderen Kapazitäten zur Verfügung stehen. Entsprechende Räume sollen in zwei ehemaligen Schulgebäuden des Kreises vorbereitet werden. Dabei handelt es sich um die Friedrich-Fröbel-Schule in Obertshausen und um die entwidmete Hans-Memling-Schule in Seligenstadt.

Kreis bezahlt die Kosten

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redakteur Michael Eschenauer.

Ausdrücklich betonten die Politiker, es werde sich nicht um Massenunterkünfte handeln. Ausschlaggebend bei der Entscheidung für Seligenstadt und Nieder-Roden sei gewesen, dass das Vorhaben hier schnell zu verwirklichen ist. Man stehe unter Zeitdruck. Der SPD-Politiker kündigte außerdem an, man werde ab März mit der mehrfach angekündigten Zuweisung von Flüchtlingen an die Kreisgemeinden beginnen. Gleichzeitig will man aber auch weitere Grundstücke für Unterkünfte suchen, zum Beispiel in Dietzenbach. Die Stadt hatte zwei Areale angeboten. Allerdings sei hier noch nichts spruchreif. Man werde sicher noch größere Unterbringungskapazitäten aufbauen müssen, kündigte Müller an. Er sprach von zwei bis drei weiteren Gemeinschaftsunterkünften im Kreisgebiet. Das Phänomen steigender Flüchtlingszahlen sei kein vorübergehendes.

Die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen bezahlt der Kreis und gibt damit Bundesgelder weiter. Derzeit leben im Kreis Offenbach grob geschätzt 1000 Flüchtlinge - 370 in Gemeinschaftsunterkünften, 150 in Hotels und 500 in angemieteten Wohnungen. Hierbei seien bereits anerkannte Asylbewerber, die Unterstützungszahlungen nach dem SGB II beziehen würden, nicht eingerechnet, so die Kreisspitze.

Der Bau von Gemeinschaftsunterkünften komme den Kreis günstiger als die Anmietung von Hotels und Wohnungen, so Müller. Die Erstattungspauschale, die der Kreis vom Land Hessen für Unterbringung, Ernährung und Krankenkosten erhalte, liege bei 550 Euro pro Monat und Person und decke bei weitem nicht die Unkosten. Bei der Hotelunterbringung rechnet man mit 30 Euro pro Tag, in einer Gemeinschaftsunterkunft sind es zwölf Euro.

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

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In diesem Zusammenhang äußerte Kreisbeigeordnete Jäger die Forderung an den Gesetzgeber, endlich die Asylverfahren in für die Flüchtlinge fairer Weise zu verkürzen. Deutschlandweit stöhnten die Kommunen unter den Kosten. Die hohe Zahl an zum Teil jahrelang dauernden Altverfahren verschärfe das Kostenproblem.

Jäger und Müller betonten, dass man sich in einen extrem frühen Planungsstadium befinde. Bei den Unterkünften handele es sich um Gebäude in Fertigbauweise, die nichts mit Blech-Containern zu tun hätten. Jedem Bewohner werden knapp acht Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung stehen. Für die Finanzierung der neuen Gemeinschaftsunterkünfte steht Geld im Haushalt 2014 zur Verfügung. „Dies wurde uns“, so Müller, „vom Regierungspräsidenten nochmals bestätigt.“

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