Wie der Kreis stützt

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Auch im Rhein-Main-Gebiet nehmen die sozialen Probleme drastisch zu. Die Kosten für staatliche Erziehungshilfen, von der Familienberatung bis zur Heimunterbringung, sind weiter gestiegen.

Offenbach ‐ Auch im Rhein-Main-Gebiet nehmen die sozialen Probleme drastisch zu. Die Kosten für staatliche Erziehungshilfen, von der Familienberatung bis zur Heimunterbringung, sind weiter gestiegen. Von Peter Schulte-Holtey

Georg Horcher, Leiter des Sozial- und Jugendamts im Kreis Offenbach, verweist auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der sich verschlechternden ökonomischen Situation vieler Familien und der Inanspruchnahme sämtlicher Formen erzieherischer Hilfen.

Arbeitslosigkeit, geringe Bildung und beengter Wohnraum sind auch nach Auffassung der Gießener Sozialwissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe die zentralen Gründe, warum Jugendämter immer häufiger in Familien eingreifen müssen. Unter solchen Umständen „lassen sich Eltern oft gehen und sind überfordert“. Jugendämter und Familiengerichte hätten dann keine andere Wahl, z.B. ein Kind zeitweilig aus der Familie zu nehmen oder den Eltern das Sorgerecht zu entziehen. 2007 waren davon im Kreis Offenbach 129 Minderjährige aus 100 Familien betroffen, ein Jahr später waren es 134 Mädchen und Jungen aus 134 Familien. Jugendämter nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative anderer - etwa der Polizei oder Erzieher - in Obhut und bringen sie - meist für Stunden oder einige Tage - in einer geeigneten Einrichtung unter. Die Zahl der Inobhutnahmen steige auch, weil es auch eine größerere Sensibilisierung für Kinderschutz in der Öffentlichkeit gebe, erklärt der Jugendamtschef: „Vermutete Missstände werden inzwischen häufiger gemeldet.

Flächendeckend Schulsozialarbeit etablieren

Von wachsender Bedeutung sind für Horcher Präventionsmaßnahmen. „Deshalb wollen wir die Infrastruktur der Angebote weiter verbessern“, versichert er. So gehe es darum, flächendeckend Schulsozialarbeit zu etablieren. Auch die Experimente mit dem Ausbau von Kindertagesstätten zu Familienzentren würden fortgeführt; mit dem Projekt sollen Erfahrungen gesammelt werden, wie Interessen, Sorgen und Wünsche von Familien früh erkannt werden können, um dann - in Kooperation mit anderen sozialen Diensten - Unterstützungsangebote zu machen. Kindertagesstätten seien die frühesten institutionellen Partner für Eltern, heißt es, deshalb komme ihnen als Anlaufstelle eine ganz besondere Bedeutung zu.

Vom Kreis wird auch ans Konzept „Keiner fällt durchs Netz“ erinnert. Wichtig sei dabei der Einsatz von Familien hebammen. Sie sollen zur zentralen Bezugsperson werden, die Familien bei allen auftretenden Konflikten und Belastungen unterstützt. Die Hebammen seien erfolgreich bei der Strategie, gefährdete Familien zu unterstützen, aber auch rechtzeitig genug einschreiten zu können, „wenn wir sehen, dass die Eltern mit ihrer Situation und dem Baby gar nicht klarkommen“. Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller: „Wir wollen, wo es geht, eine Trennung von Kind und Eltern vermeiden, aber am wichtigsten ist natürlich die Gesundheit der Säuglinge. Wir wollen durch die Familienhebamme dafür sorgen, früher als bisher Einblick in Risikofamilien zu bekommen, am besten bereits während Schwangerschaft und Geburt, so dass sie sofort an ein Betreuungsnetzwerk vermittelt werden können.

Müller kritisiert das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld. Eltern würden dadurch überredet, Betreuungsangebote nicht wahrzunehmen. Für die Sozialarbeit im Kreis Offenbach sei das „auf jeden Fall höchst kontraproduktiv“.

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