Umsatzplus dank Frankfurtern

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Friedhofschefin Gabriele Schreiber und ESO-Sprecher Oliver Gaksch verzeichnen im Offenbacher Krematorium eine steigende Nachfrage nach Einäscherungen von Frankfurtern. Grund ist die Schließung des dortigen Krematoriums zum Jahreswechsel.

Offenbach - Zum Jahreswechsel hat das seit 1912 bestehende Krematorium auf dem Frankfurter Hauptfriedhof seine Arbeit eingestellt. Offenbach profitiert hingegen von der Pleite auf der anderen Mainseite. Von Claus Wolfschlag

Das aus dem Jahr 1994 stammende Frankfurter Krematorium war auf eine nie annähernd erreichte Kapazität von jährlich 8000 Einäscherungen angelegt gewesen. Zuletzt wurden der Technik in einem Gutachten katastrophale Mängel bescheinigt. Ein Todesstoß für den defizitären Betrieb waren gesetzliche Änderungen in Richtung Liberalisierung. Somit können seit Sommer 2003 Einäscherungen auch von privaten Dienstleistern vorgenommen werden. Die Frankfurter Einäscherungen sanken von mehr als 4000 im Jahr 2003 auf unter 2000 im Jahr 2005. 2006 wurde somit ein Defizit von mehr als 450.000 Euro erwirtschaftet. Wirtschaftlich erholt hat es sich davon nie mehr. Umbauideen wurden verworfen, ein Verkauf an private Interessenten unterblieb.

Seitdem ist die Stadt Frankfurt gezwungen, die steigende Zahl von Einäscherungen in umliegenden Gemeinden mit funktionierenden Krematorien vorzunehmen. Neben Friedberg, Wiesbaden und Obertshausen ist auch das Offenbacher Krematorium auf dem Neuen Friedhof verstärkt mit Einäscherungen aus Frankfurt beschäftigt. Die Anlage auf dem Neuen Friedhof wurde 1997 in Betrieb genommen und verfügt mittlerweile über zwei Ofenlinien. Eine Sanierung ist für die Jahre 2015/16 vorgesehen, um den neuesten technischen Anforderungen gerecht zu werden.

„Wir haben selbst erst aus der Presse von der Schließung des Frankfurter Krematoriums erfahren, wussten nichts im Vorfeld“, sagt Gabriele Schreiber, Leiterin der Offenbacher Friedhöfe. ESO-Sprecher Oliver Gaksch sieht nun die Früchte der Offenbacher Arbeit gedeihen: „Die Schließung in Frankfurt hat sich sehr auf uns ausgewirkt. Sie hat uns in unserer Philosophie bestätigt, kontinuierlich in unsere Technik zu investieren, unsere Mitarbeiter entsprechend zu schulen und den Fokus auf unsere Kunden zu richten.“ So hätten sich viele Bestatter seit langem im Rhein-Main-Gebiet nach Alternativen umgesehen. Die Wahl falle oft auf Offenbach, aus mehreren Gründen: Es liege nah an Frankfurt, so dass es zu kurzen Wegen und Verweilzeiten komme. Und es sei zertifiziert, also auf neuem Stand der Technik.

Nachtarbeit in der Stadt

Nachtarbeit in der Stadt

Jährlich finden etwa 6000 Verbrennungen in Offenbach statt, deren Einzelkosten 442 Euro betragen. Die Zunahme von Einäscherungen verweist auf Veränderungen der Bestattungskultur. Der Anteil der Urnenbestattungen auf dem Neuen Friedhof beträgt nach Schreibers Aussage mittlerweile 80 Prozent. Eine Ursache für die Wahl dieser gegenüber der Erdbestattung kostengünstigeren Variante sieht die Friedhofs-Chefin in der seinerzeit von der rot-grünen Bundesregierung veranlassten Streichung des Sterbegeldes als Leistung der Krankenkassen.

Die Verstorbenen werden in der Regel durch die jeweiligen Bestattungsunternehmen angeliefert, die auch die Urnen wieder in Offenbach abholen. Feste Kooperationen mit den privaten Unternehmen und der Städtischen Pietät Frankfurt existieren nicht, da die Bestatter häufig auf spezifische Wünsche der Angehörigen eingehen, „was sich auf die Wahl des Krematoriums auswirken kann“, so Gaksch. „Aufgrund des Kundenzuwachses ist mit einer Steigerung des Umsatzes zu rechnen“, fügt er hinzu. Zahlen zu den Zuwächsen seit Jahresbeginn wollen weder Schreiber noch Gaksch nennen. Dafür sei es zu früh. Somit werden keine Prognosen über mögliche Mehreinnahmen bekannt gegeben. Immerhin wird verraten, dass Offenbach mit den Zuwächsen aus Frankfurt technisch gut klar komme. „Es gibt keine Probleme mit der verstärkten Nachfrage“, so Schreiber.

Bestattung auf Britisch

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