Kreuze am Kaiserlei

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Im Zuge des EZB-Neubaus ist eine Brücke geplant, die den Frankfurter Osthafen mit der südlichen Mainseite verbindet (oberer Bildrand). Sie wird für mehr Verkehr im Kaiserlei sorgen. Weil der Kreisel damit an seine Kapazitätsgrenze gelangt, soll er durch Kreuzungen ersetzt werden. Eine am Anschluss Strahlenberger Straße, die andere an der Berliner Straße, die südlich der bestehenden Bebauung weitergeführt wird und dann wieder auf die Strahlenberger stößt.

Offenbach ‐ „EZB“ - drei Buchstaben, die Frankfurts Osten eine glänzende Zukunft versprechen. Tatsächlich ist der geplante Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle an der Hanauer Landstraße das wohl markanteste Signal für den Strukturwandel im einst industriell geprägten Stadtteil. Von Matthias Dahmer

500 Millionen Euro soll das neue Domizil der Zentralbanker kosten, 2014 wird der Arbeitsplatz für rund 1400 Menschen voraussichtlich fertig sein.  Mehr Renommee für den Frankfurter Osten heißt aber auch mehr Verkehr für den Offenbacher Westen. Die unliebsame Gleichung ist einer Brücke geschuldet, mit deren Bau in diesem Jahr begonnen wird und die schon ab 2012 als begleitende Infrastrukturmaßnahme zum EZB-Neubau den Osthafen mit dem Stadtteil Sachsenhausen verbindet.

Zumindest auf dem Papier. Denn vermutlich wird die Mehrheit aus dem neuen Dienstleistungsviertel im Ostend über die Verlängerung der Honsell-Brücke nicht zu Ebbelwoi und Handkäs nach Sachsenhausen, sondern auf die Autobahn oder zum Flughafen fahren. Fürs Kaiserleigebiet bedeutet das wesentlich mehr Autoverkehr.

Nur: Der gute alte Kreisel am Kaiserlei, da sind sich alle einig, kann diesen automobilen Strom dann nicht mehr bewältigen. So kramen dieVerantwortlichen im Offenbacher Rathaus Pläne aus der Schublade, die zwar vom Anfang der 90er-Jahre stammen, aber immer noch gültig sind.

20 Millionen Euro, schätzt OB Horst Schneider

In Abstimmung mit den Frankfurtern dachte man sich seinerzeit Folgendes aus: Der Kreisel wird aufgelöst und durch zwei große Kreuzungen ersetzt; eine am Anschluss Strahlenberger Straße, die andere an der Berliner. Über Rampen sind sie mit der A 661 verbunden. Auf den frei werdenden Flächen des einstigen Kreisels entstehen als Blickfang vier Hochhäuser.

Soweit die Theorie. In der Praxis steht an allererster Stelle die Geldbeschaffung für ein solches Vorhaben. 20 Millionen Euro, schätzt Oberbürgermeister Horst Schneider, kostet der Umbau. Rein rechtlich sind bei den betroffenen Asphaltpisten Bund und Land die Zahlmeister. Weshalb Schneider in Berlin und Wiesbaden schon mehrfach Klinken geputzt hat, ohne freilich feste Zusagen erhalten zu haben. Seine Argumentation in den Ministerien liegt auf der Hand: Die EZB als nationales Projekt ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und des Landes wichtig.

Für den Umbau macht sich laut Schneider auch Frankfurt stark. Nicht zuletzt, weil Offenbach mit der Zustimmung zur neuen Brücke, nun einen „Hebel“ hat, wie er formuliert. Deshalb könne auch keine Rede davon sein, dass er die Brisanz des Frankfurter Projekts nicht erkenne. Das wirft die CDU dem OB vor.

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