Kriegswunde nun geheilt

+
Dort oben befindet sich das gelungene Werk. Die Förderer der Aufstockung (von links): Horst Klepzig, Walter Buckpesch, Wolfgang Kappus, Thomas Lanio, Stefan Soltek, Wolfgang Kramwinkel und Dankwart Samel.

Offenbach - Kulturförderung kommt an. Das gilt besonders, wenn sie von einem so breiten Konsens getragen wird: Mit einem großen Eröffnungsfest wurde am Samstagabend das rekonstruierte Dachgeschoss des Klingspormuseums offiziell eingeweiht. Von Claus Wolfschlag

Mehr als 400 Gäste kommen im Hof des Büsingpalais zusammen, um sich an Reden, Live-Musik, Wein und kleinen Köstlichkeiten zu laben. Die vollen Sitzbänke führen bei Museumsleiter Dr. Stefan Soltek zu der fast erschrockenen Äußerung, er komme sich wie ein „Showstar“ vor: „Ich habe noch nie vor so viel Publikum gesprochen.“ Zahlreiche Förderer und Freunde des Museums, interessierte Bürger und städtische Prominenz werden ausdrücklich erwähnt oder glänzten schlicht mit Anwesenheit. Unter anderem die Künstler Günther Kieser und Uwe Loesch, CDU-Fraktionschef Peter Freier und der ehemalige Oberbürgermeister Walter Buckpesch.

Hier eilt Wilhelmsplatz-Gastronom Giuseppe Morleo hurtig über das Pflaster, dort stellt sich der ehemalige Leiter der Rudolf-Koch-Schule Karl Keller geduldig an einen Stand, und daneben unterhält sich Stadtarchiv-Leiterin Anjali Pujari angeregt an einem der langen Holztische. Immer wieder richten sich die Blicke auf die große Bühne. Auf das klassische Bläsertrio „Askabé“ der Neuen Philharmonie Frankfurt folgt der New Orleans-Jazz von Moritz Schlömer & Friends, schließlich eine Schriftperformance der Künstlerin Tanja Leonhardt. „Petrus war einsichtig“, erklärt Dr. Thomas Lanio vom „Förderkreis Aufstockung Klingspormuseum“ zufrieden. Und so liegen eine starke Prise Hochsommer über dem sonnigen Hof und freudige Ausgelassenheit auf den Gesichtern der Gäste.

„Das Palais ist vollendet“

Hocherfreut zeigt sich deshalb auch Oberbürgermeister Schneider, als er in seiner Rede verkündet: „Die Symmetrie ist wiederhergestellt. Das Palais ist vollendet.“ Eine letzte markante Kriegswunde der Stadt sei nun mit einem Bürgerfest geheilt worden. Das einst von Schnupftabakfabrikanten errichtete Gebäude bilde heute zugleich das Herzstück des Offenbacher Kulturkarrees. Somit wäre die in den 80er Jahren gefallene Entscheidung zum Wiederaufbau des kriegszerstörten Bauwerks ebenso richtig gewesen, wie gut 20 Jahre später jene zum Wiederaufbau des Lili-Tempels. Nun gelte es, so Schneider, an der Weiterentwicklung des Kerns von Offenbach zu arbeiten.

Dr. Thomas Lanio trägt ein offenbar selbst verfasstes Gedicht vor und äußerte sich ausgiebig zu den Kosten des Wiederaufbaus. Schließlich war man anfänglich von der noch überschaubaren Summe von 300.000 Euro für die Rekonstruktion des Mansarddaches nach historischem Vorbild ausgegangen. Doch aus der Aufstockung sei dann eine umfangreiche Sanierung des ganzen Museums geworden, inklusive eines neuen Fahrstuhls und neuer Sanitäranlagen. Die Gesamtkosten von etwa 1,4 Millionen Euro konnten schließlich aus großzügigen privaten Spendengeldern und einem städtischen Zuschuss von 900.000 Euro gestemmt werden. Einen Ehrenplatz an dem Abend, betont Lanio, sei für den vor fast einem Jahr verstorbenen Ehrenbürger Dr. Bruno Knapp freigehalten worden. Knapp war maßgeblicher Initiator des Wiederaufbaus von Büsingpalais und Lili-Tempel sowie der nun vollendeten Dachrekonstruktion.

Neue Dimension der Ästhetik

Mit Spannung harren viele Besucher der Erstbesichtigung des Umbaus. Selbst Barbara Levi-Wach, Vorsitzende der Vereinigung „Freunde des Klingspormuseums“, bekannte, dass sie der Ergebnis der Rekonstruktion an diesem Abend zum ersten Mal begutachte. Sie habe zwar einst die Baustelle bei Eiseskälte besucht und die heutige Feier mitorganisiert, aber zum Aufstieg ins neue Dachgeschoss sei noch nicht Zeit gewesen.

Museumsmitarbeiterin Martina Weiß erläutert den Publikumsgruppen detailliert die baulichen Veränderungen und führte sie über die erhalten gebliebene Holztreppe in die Obergeschosse. „Edel“ und „ganz toll geworden“, murmeln einige Besucher beeindruckt, als sie schließlich im Dachgeschoss einen hellen, vier Meter hohen Bibliotheks-Raum betreten, dessen gut 90 Quadratmeter vom Darmstädter Architekt Hans Rittmansperger gestaltet wurden. Besucherin Ursula Kröpsch spricht aus, was viele denken: „Natürlich wundert man sich erst einmal über das viele Geld, das so etwas kostet. Aber das Ergebnis ist wirklich durchdacht und großzügig. Eine neue Dimension der Ästhetik für das Museum.“

Kommentare