Für den Ochsen noch zu eng

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Dieses Jahr neu auf dem Weihnachtsmarkt: Die Krippe vor dem Rathaus.

Offenbach - Auf neun Quadratmetern drängen sich Josef, Maria, das Jesuskind, der Esel und die Hirten in der kleinen Hütte auf dem Weihnachtsmarkt. Da können die Krippenbewohner fast von Glück sagen, dass der Ochse noch fehlt. Von Bettina Link

Seit Eröffnung des Marktes und noch bis zum 23. Dezember können die Besucher die Krippe vor dem Rathaus bewundern. Sie vervollständigt das Bild des Weihnachtsmarktes und erinnert gleichzeitig an die Handwerkskunst aus Holz, die auf dem Stadthof dieses Jahr nur schwach vertreten ist. Doch vielleicht hat der Weihnachtsmarkt-Organisator einen Weg gefunden, dem Handwerk den Rücken zu stärken: „Im kommenden Jahr soll die Weihnachtskrippe mit den holzgeschnitzten Figuren komplett sein und auf 24 Quadratmetern Platz finden“, so der Wunsch von Klaus Kohlweyer.

Für den fehlenden Ochsen rechnet Kohlweyer noch einmal mit der stolzen Summe von 10.000 Euro. Da wundert es nicht, dass Kohlweyer vier Jahre sparen musste, um die Kosten für die Krippe zu stemmen, die sich bis jetzt auf 20.000 Euro belaufen. „Eine Investition, die sich gelohnt hat“, findet er, dem schon immer eine Krippe auf dem Weihnachtsmarkt gefehlt hat.

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Den Wunsch hat ihm der Beschicker Zbignlew Faron schließlich erfüllt. Der Holzschnitzer hat drei Jahre an den Figuren gearbeitet. Kunsthandwerk – wie die Krippe – ist nicht nur teuer, sondern auch immer seltener auf dem Weihnachtsmarkt zu finden. Faron ist einer der wenigen verbliebenen Handwerkern dort. Künstlerische Handarbeit auf den Weihnachtsmarkt zu locken ist wohl eine Kunst für sich. „Ich würde sofort eine Fläche frei machen, wenn ein Handwerker Interesse hätte“, so Kohlweyer. „Doch die Unternehmen machen mit Christbaumkugeln und Schmuck hier einfach keinen Umsatz.“

Kohlweyer: „Wie viel Geld geben die Besucher denn wirklich für Kunsthandwerk aus, im Vergleich zu Glühwein und Bratwurst?“ Die Menge an Imbiss- und Getränkeständen beantwortet seine Frage. Fazit: Der Weihnachtsmarkt hat sich verändert. „Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck waren in den 60er, 70er und 80er Jahren der Renner, heute ist der Weihnachtsmarkt eher Treffpunkt für gemütliches Beisammensein. Die Leute kommen wegen der Unterhaltung“, so Kohlweyer, der seit 15 Jahren den Weihnachtsmarkt organisiert. Er sei froh, wenn er überhaupt noch den einen oder anderen Kunsthandwerker für den Markt gewinnen könne.

Dieses Jahr fanden immerhin vier Beschicker ihren Weg nach Offenbach. Zumindest dort finden Liebhaber Holzschnitzarbeiten, Produkte aus dem Erzgebirge, Kerzen und ägyptisches Kunsthandwerk.

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