Krise forciert Risikomanagement

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Anette Martin

Offenbach - „Der Kapitän sollte bei schönem Wetter mal ein Rettungsmanöver üben“, sagt Anette Martin von der Deutschen Bank. Von Marc Kuhn

Gerichtet sind die Worte an Unternehmenslenker. In wirtschaftlich guten Zeiten sollten sie ihr Risikomanagement forcieren, um für turbulente Zeiten gerüstet zu sein, fordert die Fachfrau, die unter anderem für die Kreditgeschäfte ihres Hauses mit dem Mittelstand in Offenbach zuständig ist.

Frank Seiler

In Stadt und Kreis sowie in ganz Deutschland sieht sie teilweise Nachholbedarf beim Umgang von Firmen mit unternehmerischen Risiken. Und die Betriebe, die bereits über ein entsprechendes System verfügen, sollten es angesichts der Rezession optimieren, erklärte Frank Seiler, Risikomanagement-Experte der Deutschen Bank, unserer Zeitung in Offenbach. Ergebnisse einer Studie haben die beiden hellhörig werden lassen. Danach messen 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland dem Risikomanagement einen wichtigen bis sehr wichtigen Stellenwert bei. Im Westen des Landes - für diesen Teil der Untersuchung wurden auch Firmen aus Offenbach befragt - haben ebenso viele Manager die gleiche Antwort gegeben. Vor allem Absatzrisiken (73 Prozent, im Westen 76 Prozent), Ausfallrisiken (64 Prozent, im Westen ebenso viele) und Risiken durch Schwankungen der Rohstoffpreise (57 Prozent, im Westen 60 Prozent) treiben die Firmen um. Vor der Weltwirtschaftskrise hätten Aspekte wie Absatz- und Ausfallrisiken keinen so großen Stellenwert bei den Unternehmen gehabt, betonten Martin und Seiler.

Ungefähr Zweidrittel der Unternehmen haben bereits ein Risikomanagement installiert. Der Rest, im Westen gar 42 Prozent, verfügen nicht über entsprechende Einrichtungen. Martin sieht dies als Beleg für Nachholbedarf - auch in Offenbach. Fast alle Unternehmen haben der Studie zufolge die Risiken zwar identifiziert, aber nur rund die Hälfte hat Richtlinien oder Kennzahlen erlassen, die es ihnen erlauben, auf den Notfall schnell zu reagieren.

Wegen der weltweiten Rezession habe sich die Situation im Markt enorm verschärft, berichtete Martin. „Die Krise ist eine besondere Herausforderung für alle“, fügte Seiler hinzu. Deshalb sei Risikomanagement so wichtig geworden, erläuterte seine Kollegin. Es erlebe eine Renaissance, so Seiler. Durch die Wirtschaftskrise seien die Firmen dafür sensibilisiert worden, mehr Transparenz zu schaffen, um ihre Risiken besser steuern zu können.

Beim Risikomanagement würden zunächst gemeinsam mit der Geschäftsführung sowie den Zuständigen in den Unternehmen für Finanzen, Einkauf und Vertrieb Arbeitskreise gebildet, sagte Martin. Ziel sei es, die Risiken transparent zu machen. Dann werde „über Steuerungsmöglichkeiten diskutiert“. Die Firmen könnten am Knowhow der Deutschen Bank partizipieren, erklärte sie weiter.

Zum Beispiel müssten zur Begrenzung des Ausfallrisikos die Abnehmer, ihr Zahlungsverhalten, die Absatzländer und Verträge bewertet werden. Absicherungsinstrumente und Mahnverfahren könnten zudem festgelegt werden. Mit einem sogenannten bestätigten Akkreditiv könnten sich Unternehmen Zahlungen sichern. Und auch in den Unternehmen gebe es viele Stellschrauben, mit denen den Folgen der Krise begegnet werden könnte.

Risikomanagement bietet auch Chancen“, ist sich Martin sicher. Betriebe mit entsprechenden Systemen kämen besser als die Konkurrenz durch die schwierigen Zeiten, erklärte die Expertin der Deutschen Bank..

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