Die Krise ist jetzt zu spüren

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Die großformatigen Streichholzbriefchen zur Aktion „1 Million Sterne - damit Kinder leben“ gibt es montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 15 Uhr im Caritashaus St. Josef, Platz der Deutschen Einheit 7.

Offenbach - In Krisenzeiten eine wachsende Klientel vorweisen zu können, wäre für viele Dienstleister ein Traum. Außer für den Caritasverband Offenbach. Der kann sich nur wünschen, dass seine Beratungsangebote für Menschen in Notlagen unterschiedlichster Art auch künftig mit der Nachfrage Schritt halten können. Sicher ist das nicht. Von Marcus Reinsch

Wir fürchten, dass die wirtschaftliche Situation Auswirkungen im Bereich des Sozialen zeigen wird“, gab Caritasdirektor Heinz-Martin Hofmann gestern zu Protokoll. Eine begründete Furcht, weil die Wirtschaftskrise nicht nur Arbeitslose und Arme produziert, sondern auch ein Fragezeichen hinter der finanziellen Ausstattung der katholischen Institution. Die ist auf Zuschüsse angewiesen. Der Staat gibt für bestimmte Bereiche etwas Geld (aktuell 100 000 Euro), das Land so gut wie nichts (7 500 Euro) und die Stadt Offenbach, mit der nun wieder Verhandlungen laufen, bisher eine ganze Menge (196 000 Euro). Der Löwenanteil, rund 61 Prozent des Bedarfs, kommt aus diversen karitativen Töpfen und vom Bistum, das die Kirchensteuer verteilt.

All das sind Variablen in einer Gleichung, die sich nicht mehr so einfach auflösen lassen wird wie bisher. Nicht nur die Kirchensteuer, vermutet Hofmann, werde wohl rückläufig sein. „Wir suchen also neue Einnahmequellen und werden versuchen, alle inneren Ressourcen auszuschöpfen.“

Das gilt für fast alle Caritas-Betätigungsfelder. Für die am Städtischen Klinikum etablierte Sozialstation (17 Mitarbeiter auf 7,8 Stellen), die ihre Kooperation mit Klinikum und Palliativzentrum ausdehnen soll. Für die auf die Fünfeinhalb-Tage-Woche umgestellten Altenheime des Caritaszentrums (St. Elisabeth, St. Ludwig und St. Hildegard), in denen 184 Menschen im Alter zwischen 50 und 104 Jahren von 140 Mitarbeitern plus Zivis und 50 Ehrenamtlichen betreut werden. Und auch für die gemeinnützige „CariJob“-Gesellschaft, die Arbeitsgelegenheiten, Wohnraumberatung, Hausaufgabenhilfe mit Mittagstisch und das Sozialkaufhaus „Luise 34“ organisiert.

Zu spüren bekommt die Caritas die Krise aber vor allem im Caritashaus St. Josef am Platz der Deutschen Einheit. Hierher kommen vermehrt Menschen, die nicht mehr weiter wissen. Sie finden Hilfe in Form der Allgemeinen Lebensberatung, der Migrationsberatung, der Familienberatung, der Fachambulanz für Alkoholkranke und im Sozialpädagogischen Dienst.

Was die Mitarbeiter mitbekommen, schockiert oft. Die Häusliche Gewalt natürlich, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Vor allem aber die Kinderarmut. Sie wird in diesem Jahr Schwerpunktthema im ganzen Bistum sein. Auch der Caritasverband Offenbach beteiligt sich an der Solidaritätsaktion „1 Million Sterne - damit Kinder leben“ und bietet gegen drei Euro Spende großformatige Streichholzbriefchen mit Informationen zur Armutsbekämpfung an. Von den Einnahmen sollen Projekte unterstützt und tausende Kerzen gekauft werden, die die Offenbacher Situation - mehr als jedes dritte Kind ist hier auf Sozialleistungen angewiesen - am 13. November am Rathaus ins Licht der Öffentlichkeit rücken sollen.

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