Neue Verkehrsregelungen polarisieren

Gegenwind fürs Radkonzept auf der Rosenhöhe 

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Ein wenig unübersichtlich ist es geworden an der Ecke Gravenbruchweg/Auf der Rosenhöhe. Geschuldet ist das den Markierungen, mit denen die Einbahnstraßen fürs Radeln in Gegenrichtung freigeben werden.

Offenbach - Neue Verkehrsregelungen polarisieren. Wie sehr, zeigt sich gestern Vormittag beim Ortstermin auf der Rosenhöhe. Die Stadt stellt dort exemplarisch vor, wie es in Offenbach mit der Freigabe weiterer Einbahnstraßen fürs Radeln in Gegenrichtung weitergeht. Von Matthias Dahmer

Die Fachleute aus dem Rathaus, samt dem wie üblich mit dem Drahtesel angereisten Oberbürgermeister Horst Schneider, erhalten dabei mächtig Gegenwind von kritischen Anwohnern. „Da haben sie ja einen schönen Verkehrsübungsplatz auf die Straße gemalt.“ Die Ironie in der Stimme der jungen Mutter aus dem Gravenbruchweg ist unüberhörbar. Sie könne jeden Tag beobachten, wie gefährlich die neue Verkehrsregelung vor ihrer Haustür sei, drückt sie ihr Unverständnis über die schon seit einigen Wochen existierenden Markierungen aus.

Die sind in der Tat auf den ersten Blick verwirrend: Radler dürfen jetzt den Gravenbruchweg hoch bis zum Sportzentrum Rosenhöhe fahren, müssen nicht mehr – wie die Autofahrer – nach rechts Richtung Schwimmbad abbiegen. Von dort dürfen Radfahrer aber künftig die Einbahnstraße in Gegenrichtung zum Gravenbruchweg befahren. Hinzu kommt ein dicker weißer Pfeil auf der Fahrbahn, der die nach links in die Straße Auf der Rosenhöhe abbiegenden Autofahrer dazu zwingt, einen größeren Bogen als bisher zu fahren, um die Radler nicht zu gefährden.

„Das ist ein unübersichtlicher Knotenpunkt“

Gegenverkehr: Auch in der Leibnizstraße ist künftig Rücksichtnahme angesagt.

Immerhin – auch die Verkehrsplaner räumen ein: „Das ist ein unübersichtlicher Knotenpunkt.“ Ein weiterer Anwohner hält das für untertrieben, nennt die Neuregelung „Idiotie“ und „Schwachsinn“. Er habe dafür gesorgt, dass die Stadt die Hinweisschilder aufs Radeln gegen die Einbahnstraße an der Ecke noch einmal abgeklebt habe, sagt er. Die Schilder seien nämlich vor den Fahrbahnmarkierungen installiert worden. Keine Frage: Horst-Ingo Kupfer, Referatskoordinator Verkehrsplanung, und Rolf Schmidt, Radverkehrsbeauftragter der Stadt, haben einen schweren Stand.

Dabei ist das 2012 vom Parlament beschlossene und von der Stadt nun sukzessive umgesetzte Konzept kein außergewöhnliches. Einbahnstraßen, die fürs Radeln in Gegenrichtung freigeben sind, gebe es etwa in Frankfurt oder in anderen Kommunen schon seit Jahren, sagt Schmidt. Und das laufe weitgehend problemlos. „Das ist wohl ein Gewöhnungprozess“, versucht auch OB Schneider die Anwohner milder zu stimmen.

Rund ums Rad beim Sattelfest

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Insgesamt 226. 000 Euro stehen der Stadt für die Umsetzung ihres Konzepts zur Verfügung. Begonnen wurde mit der freieren Fahrt für Radler im Nordend, als man dort im Zuge der flächendeckenden Einführung von Tempo 30 insgesamt 17 Einbahnstraßen freigab. Das gestern vorgestellte zweite und 35.000 Euro schwere Paket umfasst insgesamt 20 Einbahnstraßen in Bürgel (8), auf dem Buchhügel (4) und auf der Rosenhöhe (8).

Das dritte und vorerst letzte Paket soll für die Kernstadt geschnürt werden, berichtet Radverkehrsbeauftragter Schmidt. 35 Einbahnstraßen sind für die Radler-Freigabe vorgesehen. Die Pläne liegen fertig in der Schublade der Verkehrsplaner, noch sind dafür aber nicht die nötigen 175.000 Euro geflossen. Im nächsten Jahr, spätestens 2015 ist die Umsetzung in der City vorgesehen. Imaginär sei dagegen noch die Einbeziehung von Bieber ins Konzept. Dazu gebe es bislang keinen Beschluss.

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