Rund 40 Kubikmeter Taubenmist

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Besitzer Boris Hof vor den sich noch im Bau befindlichen Penthouse-Wohnungen, die den einstigen Dachstuhl ersetzen und eine gute Sicht über Bürgel ermöglichen.

Offenbach - Klotzig und düster blickte mehr als siebzig Jahre lang ein Luftschutz-Hochbunker über die Rumpenheimer Straße hinweg auf den Bürgeler Dalles. Jetzt ist ihm seine erinnerungsschwere Vergangenheit kaum mehr anzusehen. Von Lothar R. Braun 

Sein neuer Eigentümer Boris Hof hat dem alten Bunker ein junges Gesicht und eine neue Funktion als Wohnanlage verordnet. Am Samstag wurde dort zum ersten Mal gefeiert. Von einem Richtfest mag der Bauherr nicht sprechen. Er nennt die Party mit den Bauarbeitern lieber Bergfest: „Wir sind jetzt schnaufend auf dem Gipfel angelangt, von nun an wird es leichter.“ Vom Eingang an der Jahnstraße lässt sich bereits begehen, was in den nächsten Monaten zu sechs komfortablen Wohnungen werden soll. Das sind drei Penthouse-Wohnungen mit Terrassen, die den einstigen Dachstuhl ersetzen, und drei Geschosswohnungen mit Balkonen nach Westen. Sie füllen einen zur Rumpenheimer Straße an den Bunker gesetzten Vorbau. Dessen Unterkellerung nimmt Auto-Stellplätze auf. Als Keller stehen den Bewohnern die einstigen Schutzräume zur Verfügung.

Wer sich am Samstag dort umsah, konnte noch an eine Wand gelehnt eine der alten Bunkertüren sehen: ein schwergewichtiges Stück, dem man zutraut, dass es einiger Sprengkraft zu widerstehen vermag. Die Tür macht anschaulich, was es bedeutete, zwei Meter dicke Betonwände und 1,40 Meter starke Decken zu durchbrechen für Treppenhäuser, Fahrstuhlschächte und Durchgänge. Drei Monate habe es erfordert, um 316 Tonnen Beton und Steine zu brechen und aus dem Haus zu schaffen, erinnert sich Boris Hof. Aber vermutlich war das weitaus angenehmer, als die Reinigung des Dachwerks vor seinem Abriss. Dort hatten sich im Laufe der Jahrzehnte vierzig Kubikmeter Taubenkot gesammelt, dazu eine nicht gezählte Menge von Kadavern. Das Dachwerk war Wohnstätte und Friedhof für Generationen wilder Tauben. „Es ist unmöglich, den Gestank zu beschreiben,“ sagt der Bauherr.

In dieser Woche nun beginnt der innere Ausbau, den Boris Hof in drei Monaten bewältigen will. Deutlich zu sehen ist bereits die neue, der Rumpenheimer Straße zugewandte Fassade der Schmalseite des Baukörpers. In lockerer Modernität verdeckt sie den Blick auf den schweren Bunkerleib, der sich entlang der Jahnstraße an den Vorbau anschließt. Dessen Schwere wird indes gemildert durch die heitere Freundlichkeit der Penthäuser auf dem Bunkerdach. Wer sich das am Samstag ansehen konnte, hatte Bürgel zu seinen Füßen und gewann einen völlig neuen Blick auf Offenbach.

Narren ziehen durch Bürgel

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