Rabiatem Offenbacher bleibt das Gefängnis erspart

Mit Küchenmesser nach Taxifahrer geworfen

Offenbach - „Glück im Unglück“ hatte laut Staatsanwaltschaft ein Angeklagter, der sich gestern wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten musste. Von Jenny Bieniek

Der Vorwurf: Der 30-jährige Bulgare Metin A. aus Offenbach soll im April angetrunken mit einem Messer nach einem Taxifahrer geworfen und ihn an der Lunge verletzt haben. Das Opfer musste notoperiert und zehn Tage lang behandelt werden.

In Handschellen wurde der Beschuldigte gestern Amtsrichter Manfred Beck vorgeführt. Der Mitarbeiter eines Obst- und Gemüseladens, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt und nach eigenen Angaben kein deutsch spricht, saß seit April in Untersuchungshaft. Eine Dolmetscherin half bei der Verhandlung.

Am 6. April wartete Metin A. auf seinen minderjährigen Neffen aus Belgien, der via Expresstaxi zu ihm in den Hunsrückweg gebracht werden sollte. Vereinbarte Ankunftszeit: 23 Uhr. Als der Kleinbus gegen Mitternacht noch immer auf sich warten ließ, vertrieb sich A. die Zeit mit Bier und Tequila. A., der nach eigenen Angaben seit 15 Stunden auf den Beinen war und lange nichts gegessen hatte, wurde immer wütender. Aufgeregt rief er den Taxifahrer, ebenfalls Bulgare, an. Weil dieser ihn hinhielt, kam es zu Beschimpfungen.

Messer mit Wucht in den Rücken des Fahrers geworfen

„Die Laune war unten, der Alkoholpegel dafür ziemlich weit oben“, fasste Beck zusammen. Als der Kleinbus um 4.15 Uhr schließlich eintraf, lief der Bulgare, in der rechten Hand ein Messer, in der linken zwei, zum Taxifahrer. Es kam zum Wortgefecht.

„Bei der Deutschen Bahn gibt’s bei so viel Verspätung Geld zurück, bei Taxis eher nicht“, kommentierte Beck. Als der Fahrer sich umdrehte, um das Gepäck des Neffen auszuladen, holte A. aus und warf eines der Messer mit Wucht in den Rücken des Fahrers. Die 15-Zentimeter-Klinge blieb zwischen zwei Rippen stecken, berührte dabei leicht die Lunge. Das Opfer entfernte die Waffe und setzte seine Fahrt zunächst fort, brach aufgrund seiner Verletzung später aber zusammen. Nach einer Notoperation konnte das Opfer die Klinik nach zehn Tagen wieder verlassen.

Die Blutabnahme Stunden nach der Tat ergab bei A. 0,87 Promille. Für die Tatzeit lässt sich daraus ein Wert von etwa 2,18 Promille rekonstruieren. „Wenn Sie sich zwei Promille antrinken und danach noch einigermaßen laufen können, spricht das für eine gewisse Alkoholerfahrung“, resümierte der Richter in Richtung des Angeklagten.

„Sie verlieren die Kontrolle, wenn Sie trinken“

Metin A. war schon einmal unter Alkoholeinfluss in Streit geraten, zur Anklage kam es aber nicht. „Sie verlieren die Kontrolle, wenn Sie trinken.“ Für das Gericht stand fest, dass Metin A. nicht töten wollte - „sonst hätte er die anderen Messer auch noch geworfen.“ Vielmehr habe es sich um eine „Spontantat unter Alkoholeinfluss“ gehandelt, mit der der Angeklagte seinem Ärger Luft machen wollte. Er habe Glück gehabt, dass bei dem Vorfall nicht mehr passiert sei.

Weil A. die Tat zugab und mit einer Alkoholtherapie einverstanden war, fiel das Urteil mild aus: Zwei Jahre Haft auf Bewährung. Daneben muss A. während der Bewährungszeit von vier Jahren auf Alkohol verzichten und 1500 Euro an den Weißen Ring zahlen.

Rubriklistenbild: © dpa

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