Kühlschrank wird zu Staub

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Abel Fernandes knackt mit der Hydraulikschere ein altes Kühlgerät. Beim GOAB-Mitarbeiter und seinen Kollegen sitzt jeder Handgriff. In Rekordzeit wird aus einem Elektroteil feines Pulver: Rohstoffe, die verkauft werden.

Offenbach ‐ In der Halle des Recycling-Zentrums der GOAB in Offenbach stapeln sich bergeweise Kühlschränke. Hier werden sie in ihre Einzelteile zerlegt. Von Katharina Skalli

Jedes Jahr stapeln sich etwa 70.000 Kühlgeräte in der Halle an der Mühlheimer Straße, bevor sie in ihre Einzelheiten zerlegt werden. Ihre letzte Station ist das Recycling-Zentrum der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB). Kühlgeräte-Recyclinganlage nennt sich der Ort, an dem die in die Jahre gekommenen Kühler zu Rohstoffen werden. Bis zu 98 Prozent des Materials können recycelt und damit wiederverwendet werden.

Manchmal ist ein 50er-Jahre-Schmuckstück dabei

Zu dritt stehen die Mitarbeiter in der Regel am Rolltisch und bearbeiten die Geräte. In Blaumann und Sicherheitsschuhen sowie mit Schutzbrille saugen sie zunächst das Kältemittel aus den Schränken ab, aus denen bereits lose Teile und Kabel entfernt wurden. In schmalen Schläuchen fließt die Substanz samt Kälteträgeröl in die Absauganlage. Durch die Erwärmung auf etwa 100 Grad tritt das umweltschädliche FCKW aus, wird in einem Druckgasbehälter aufgefangen und entsorgt. Anschließend beißt eine Hydraulikschere den Kompressor raus.

Verrostet, vergilbt, verdreckt, mit Rissen und Löchern von abgeplatztem Lack – die Küchengeräte haben alle ihre besten Tage hinter sich. Manchmal ist ein 50er-Jahre-Schmuckstück mit abgerundeten Ecken und in zartem Türkis dabei. Aber auch das landet in Stufe zwei im Vorzerkleinerer, der mit seinen Hackscheiben von den etwa 40 Kilogramm schweren Gehäusen nur Staub und Stückchen übrig lässt.

Auch die Reste sorgen für Geld

Ein Durchstromzerspaner zertrümmert mit schweren Eisenketten den Rest. Zurück bleiben sorgfältig getrennte Einzelteile: Silbrig glänzendes Aluminium, rötlich leuchtendes Kupfer und Kunststoffbrösel. Außerdem feiner Staub: Überbleibsel des abgesaugten Isolierschaums.

Die Kühlschränke, die zur Bearbeitung auf das Förderband gelegt werden, waren einst bis zu mehrere hundert Euro wert. Ihre Reste sorgen auch für Geld. Etwa 9,60 Euro bringt ein Gerät. „Davon müssen aber noch die Entsorgungskosten abgezogen werden", erläutert Betriebsleiter Georg Wallek.

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