Kreative Köpfe im Fokus der Offenbacher Wirtschaftsförderung 

Kühne Pläne mit alter Allessa-Immobilie

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Auf der Einkaufsliste der Stadt: Dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Allessa, dem „Grünen Haus“, wie es bei der Wirtschaftsförderung genannt wird, ist eine zentrale Funktion auf einem „Innovationscampus“ zugedacht. - Foto:

Offenbach - Es waren zarte Pflänzchen, die nicht zuletzt dank guter Pflege durch die Wirtschaftsförderung der Stadt gewachsen sind. Mittlerweile gehört die Betreuung von Kreativen und Gründern zu deren Alltagsgeschäft. Von Matthias Dahmer 

Seit 2007 zählt die Förderung der Kreativwirtschaft zu den wichtigen Tätigkeitsschwerpunkten der Wirtschaftsförderung. „Und das mit Erfolg“, betont Amtsleiter Jürgen Amberger. Er kann das mit der Statistik belegen: So hat sich die Zahl der Unternehmen der Kreativwirtschaft in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt, ist von 1345 (2007) auf 2967 (2013) gestiegen. „Dabei“, so Amberger, „sind alle Sparten gleichmäßig vertreten: Werbung, Marketing, Unternehmensberatung, IT-Wirtschaft und nicht zuletzt Design, Grafik und Mode.“ Von Ein-Mann-Agenturen bis zu größeren Firmen sei alles dabei.

Der Amtsleiter hält es für eine wichtige Aufgabe, kleinere Agenturen über Gründerkredite und Netzwerke beim Wachstum weiter zu unterstützen und ihnen geeignete Flächen anzubieten. Um die Vernetzung voranzutreiben, initiiert die Wirtschaftsförderung regelmäßig Veranstaltungen. So den Jahresauftakt im Ostpol, der mit zirka 140 Gästen 2014 seine fünfte Auflage erlebte. Oder das Sommerfest der Kreativwirtschaft, das zum achten Mal ebenfalls im Ostpol stattfand und etwa 300 Gäste zählte. Ins rechte Licht wird die Branche bei der Luminale 2016 (13. bis 18. März) gerückt. Mit 32 bislang angemeldeten Projekten darf sich Offenbach zweitgrößter Luminale-Standort im Rhein-Main-Gebiet nennen.

Neben Neuansiedlungen, Bestandspflege und Betreuung der Kreativen kümmert sich das Team der Wirtschaftsförderung auch um jene, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auch da sind Erfolge zu vermelden: Mit 12,09 Prozent sogenannter Gewerbe-Neueinrichtungen je 1000 Einwohner nimmt Offenbach bereits zum neunten Mal in Folge den Spitzenplatz des bundesweiten NUI-Rankings (Neue Unternehmerische Initiative) ein.

Die Kritik, dass dabei aus der Not geborene Gründungen – etwa Trockenbaufirmen von osteuropäischen Zuwanderern – die Statistik schönen, lässt Amberger nicht gelten. Er führt die Offenbacher Spitzenposition auf die guten Bedingungen, aber auch auf die Struktur der Stadt zurück. Nämlich vergleichsweise größere Risikobereitschaft bei jungen Menschen und jenen mit Migrationshintergrund, die Kreativschmiede Hochschule für Gestaltung, relativ günstige und flexible Flächenangebote und eben ein gutes Gründernetzwerk. „Zudem leisten die Zollamt-Studios und der Ostpol einen wichtigen Beitrag“, sagt der Amtsleiter. Aber man benötige weitere solcher „Hotspots mit Magnetwirkung“.

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Eine bedeutende Rolle bei diesen Planungen soll künftig das ehemalige Allessa-Gelände spielen. Der vor kurzem präsentierte Masterplan schlägt auf dem 38 Hektar großen Areal, das dem Schweizer Chemieriesen Clariant gehört, einen „Innovationscampus“ vor. Dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Allessa, dem „grünen Haus“, wie es bei der Wirtschaftsförderung genannt wird, ist eine zentrale Funktion zugedacht. Aufgrund seines Zuschnitts sei es ideal für die Ansiedlung von Unternehmen der Kreativwirtschaft, schwärmen Amtsleiter Amberger und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Ihr erklärtes Ziel: Die Stadt erwirbt das Objekt von Clariant. „Der Beirat der Zollamt-Studios hat sich die Immobilie schon mal angeschaut“, sagt Amberger.

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