Kündigungswelle bei Schulbusse Sonnenschein

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Auf den Straßen in Stadt und Kreis ein gewohntes Bild: orange-blaue Busse der Firma Sonnenschein, die behinderte Werkstätten-Mitarbeiter befördern.

Offenbach ‐ Die Firma löst Verträge mit rund 70 Offenbachern Fahrern auf, weil das Engagement bei den AWO-Werkstätten auf der Kippe steht. Das Arbeitsgericht muss sich mit Lohnwucher-Vorwürfen gegen das Unternehmen beschäftigen. Von Thomas Kirstein

In den nächsten Tagen fällt bei den Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt die Entscheidung, wer künftig den Fahrdienst für die Einrichtung im Hainbachtal übernehmen soll. Die Firma Schulbusse Sonnenschein, deren Vertrag ausläuft, soll bei der Ausschreibung nicht die günstigste Bieterin sein. Folge: Rund 70 Fahrer der orange-blauen VW-Busse erhielten bereits jetzt ihre Kündigung zum 31. Dezember.

Nicht betroffen sind jene Fahrer, die auf Sonnenschein-Autos Nachtbuslinien der Offenbacher Verkehrsbetriebe bedienen. Jonas Sudhoff, Leiter der Rhein-Main-Niederlassung des Behindertenbeförderers mit Stammsitz in Wuppertal-Elberfeld, bestätigt die Kündigungswelle.

Rentner klagt, er fühlt sich ausgebeutet

Sonnenschein arbeitet bundesweit fast ausschließlich mit geringfügig Beschäftigten. Das sind sozialversicherungsfreie 400-Euro-Kräfte wie Rentner und Frührentner oder Hartz-IV-Empfänger, die sich etwas hinzuverdienen dürfen. Das dadurch entstehende Preisgefüge machte die Firma bislang interessant für Sozial-GmbHs wie die Offenbacher AWO-Werkstätten.

Ein 74-jähriger Beamter im Ruhestand, der bislang für Sonnenschein fuhr, wehrt sich. Einmal gegen die unvermittelte Vertragsauflösung, zum anderen rückwirkend gegen die Konditionen, unter denen er Sonnenschein diente. Er fühlt sich ausgebeutet: Sein Vertrag, ursprünglich über 220, dann über 400 Euro, habe sich auf 15 Wochenstunden bezogen. Tatsächlich habe er aber mindestens 35 leisten müssen.

Sein Anwalt Andreas Brodherr hat Klage beim Arbeitsgericht Offenbach eingereicht: auch um nachträglich angemessene Vergütung zu erreichen. Einen Nettostundenlohn von 2,72 Euro hat der Arbeitsrechtler ausgerechnet. Für sieben Monate fordert der Arbeitsrechtler vor Gericht insgesamt knapp 8000 Euro. Ein Anspruch auf übliche Vergütung ergebe sich, weil - strafbarer - Lohnwucher vorliege, da weniger als zwei Drittel des Tariflohns von 9,71 Euro gezahlt worden seien.

„Die Anschuldigungen stimmen so nicht, das wird sich im Gerichtsverfahren zeigen“, sagt Sonnenschein-Statthalter Sudhoff. Momentan lässt er testen, welche Zeiten für die jeweiligen Touren exakt nötig wären. Schützenhilfe bekommt Sudhoff von einer Gruppe von Fahrern und Beifahrern, die „gehört haben, dass ein einzelner Kollege unseren Arbeitgeber verklagt“ und sich an die Zeitung gewandt hat. Es sind meist ungekündigte Mitarbeiter, die auf den städtischen Nachtlinien unterwegs sind. Aus ihren Reihen ist zu hören, dass sie sich deutlich besser als Fahrer anderer Subunternehmer bezahlt fühlen.

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