Künstler bringen Publikum zum Lachen und Staunen

Neujahrs-Varieté: Früchte harten Trainings

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Akrobatik-Künstlerin Tatiana Konobalis zeigt beim Neujahrsvarieté schlangenartige Bewegungen mit Gymnastikbällen. Die Urkainerin wurde mit dem Sonderpreis des Cirque du Soleil für die innovativste Darbietung ausgezeichnet.

Offenbach - Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das hat das Varieté im Capitol bewiesen. Denn das lieferte zum Jahresbeginn eine magische Show. Mit Humor, Spannung und viel Akrobatik auf der Bühne. Von Claus Wolfschlag 

„Nun schon im vierten Jahr veranstalten wir das Neujahrs-Varieté. Und das Konzept geht sehr gut auf“, sagt der Leiter des Amtes für Kultur- und Sportmanagement Ralph Ziegler. Er ist zufrieden, denn auch diesmal war das Capitol fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Konzeption der Show lag in den Händen des Bad Nauheimer Veranstaltungsagenten Harry Thyssen. Thyssen erläutert: „Die Künstler wurden von mir einzeln zusammengekauft. Dabei spielten die Verfügbarkeit, das Budget und eine gute Mischung der Auftritte eine Rolle. Die Moderation dient natürlich dazu, die Übergänge zwischen den Auftritten zu gestalten.“ Durch den Abend führte der aus der Pfalz stammende Artist und Schauspieler Karlheinz Helmschrot. Der Moderator übernahm immer wieder humorvoll die Rolle eines strengen Deutschlehrers im dackelbraunen Cord-Sakko, band dabei das Publikum ein und erinnerte an die kleinen Ungerechtigkeiten der Schulzeit. Zudem brillierte Helmschrot mit musikalischen Einlagen, jonglierte und eroberte die Herzen des Publikums durch seine Präsentation unterschiedlichster Lacher in Zeitlupe.

Gabor Vosteen treibt seine Flötfertigkeiten auf die Spitze.

Die sicherlich romantischsten Augenblicke des Abends gelangen Santé Fortunnato, die ihre Tanzkarriere bereits mit zwölf Jahren begonnen hat, um nach ihrem Abschluss an der Zirkusschule Montreal weltweit Karriere zu machen. Voller Anmut verzauberte die Kanadierin das Publikum mit ihrer gefühlvollen Darbietung am Luftring. Mit Schirmen und Tüchern jonglierte das „Duo Yingling“. Die beiden Chinesinnen Chenying Lu und Junlin Zhang besuchten sieben Jahre lang Artistenschulen in Shanghai und Harbin bis sie ihre Karriere in Europa starteten. Ihre Antipodenarbeit benötigte Kraft, denn häufig mussten sich die Künstlerinnen gegenseitig stützen, einander mit Schultern, Becken und Knie aushelfen. Die Früchte ihres schweren körperlichen Trainings präsentierte auch die Ukrainerin Tatiana Konobalis. 2008 hatte sie ihren Abschluss an der Zirkusschule Kiew gemacht und wurde schließlich mit dem Sonderpreis des Cirque du Soleil für die innovativste Darbietung ausgezeichnet. Konobalis schlängelte sich im Capitol schlangenartig über drei große Gymnastikbälle.

Neben Moderator Helmschrot war Gabor Vosteen für den komischen Part des Abends zuständig. Der Musikclown ließ sich an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover in der Blockflöte ausbilden. Danach folgten der Besuch der Zirkusschule in Budapest und Theaterunterricht in Brüssel. Vosteen zeigte beim Neujahrs-Varieté, dass er nicht nur zwei Flöten gleichzeitig mit der Nase spielen kann, er bediente sogar fünf Instrumente auf einmal. Geschickt verstand auch er, das Publikum in seine Vorstellung einzubinden. Vier Zuschauer durften ihn zur Freude des Saales musikalisch begleiten. Nach der Pause kam der Berliner Frank Wolf zu einem Auftritt. Der aus dem Fernsehen bekannte BMX-Breakdancer meisterte das fast unmögliche Unterfangen, auf der Bühne kunstvollste Varianten des Fahrradfahrens zu vorzuführen.

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Das Publikum setzte sich mehrheitlich aus Vertretern des reiferen Alters zusammen. So wie Horst aus Heusenstamm, der die Karte fürs Capitol geschenkt bekommen hat. Allerdings sei er vor drei Jahren bereits beim Offenbacher Neujahrs-Varieté gewesen: „Es hat mir damals gefallen, und es gefällt mir heute wieder.“ Zu den ganz jungen Zuschauern gehörten Marten und Bjarne, die mit ihrem Vater Bernd die Vorführung besuchten. „Alles war gut, alles super“, sagte der achtjährige Marten, und der fünfjährige Bjarne fügte hinzu, dass ihm „Flöte, Fahrrad und Ringe“ am besten gefallen hätten. Vater Bernd war schon mehrfach mit seiner Frau bei der Show zum Jahresbeginn. Zum ersten Mal hatte er sich entschieden, seine Kinder mitzunehmen. „Wollt ihr nächstes Jahr wieder mit?“, fragte er. „Ja!“, riefen die beiden Buben. Für Nachwuchspublikum im Capitol ist also gesorgt.

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