Kuscheliges Streichholzkarlchen

Künstlermarkt lockt an 74 Ständen viele Besucher

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Mit Patchwork-Arbeiten eindecken oder den Einkauf darin hübsch verpacken – beim Offenbacher Künstlermarkt ist (fast) alles möglich.

Offenbach - Das Streichholzkarlchen hätte sich gestern sicher gefreut, sein Abbild gleich in zweifacher Ausführung auf dem Wilhelmsplatz vorzufinden. Von Veronika Szeherova

Wenige Meter entfernt von seinem steinernen Denkmal blickte es in Form eines kuscheligen Teddybärs mit Zündholzkästchen, Hut und Zigarette im Mundwinkel auf den Trubel beim Künstlermarkt – eins der plüschigen Werke von „Bärenkünstlerin“ Ursula Kreische. Auch sonst hatte der Künstlermarkt in seiner neunten Auflage viel zu bieten und zog bei optimalen Wetterbedingungen Besucher aus Nah und Fern ins Herz Offenbachs.

Etwa 100 Künstler präsentierten an 74 Ständen allerlei Kreatives, von klassischen Kunstprodukten wie Malerei, Keramik- und Porzellanarbeiten bis hin zu Taschen, Kleidung, Schmuck oder Garten- und Metallkunst. Auch die Darbietungen auf der Bühne konnten sich sehen lassen – orientalischer Tanz der Tanzschule Tamarisk, Tanztheater von Kindern und Jugendlichen unter der Leitung von Christel Lambrecht und eine ausgefallene Modenschau der Offenbacher Schule für Mode-Grafik-Design.

Bilder vom Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Künstlermarkt am Wilhelmsplatz

Für die ausstellenden Künstler war es ein spannender, aber auch langer Tag. Um kurz nach 6 Uhr begann der Aufbau der Stände. „Die Aussteller dürfen mit ihren Autos zum Entladen auf den Wilhelmsplatz fahren, müssen sich dann aber Parkplätze suchen, das ist auch eine Kunst für sich“, schmunzelt Citymanagerin Birgitt Möbus von der Wirtschaftsförderung, die für die Ausrichtung des Markts zuständig ist.

Aus Aschaffenburg angereist und schon mehrmals auf dem Künstlermarkt vertreten war das Ehepaar Karin und Manfred Brehm mit seinen Töpferarbeiten. Neu im Sortiment und für die Besucher ein echter Anziehungspunkt waren Schwimmschildkröten und -frösche in Lebensgröße und verschiedenen Farben. Wie ist es möglich, dass so schweres Material wie Ton auf der Wasseroberfläche schwimmt? „Das ist Physik“, erläutert Manfred Brehm mit einem Lächeln. „Sie sind innen hohl und haben eine ganz dünne Wand, das muss schon genau durchgeplant werden, bevor man loslegt.“ Der Stand ist diesmal themenbezogen, allerlei getöpferte Wassertiere, Echsen und Vögel tummeln sich dort. „Das ist jetzt für den Markt so zusammengetragen, ansonsten töpfere ich alles Mögliche, je nach Verfassung, und manchmal auch ganz spontan“, erzählt Karin Brehm, die als vierfache Mutter ihr Hobby zum Beruf gemacht hat und nun unter anderem Kurse an der Volkshochschule anbietet.

Selbstständig gemacht mit Kreativität 

Selbstständig gemacht mit ihrer Kreativität hat sich auch Andrea Zenker. Sie verkauft in ihrem kleinen Laden „ideenreich“ an der Mittelseestraße allerlei Selbstgenähtes und bietet Nähkurse für Kinder und Erwachsene an. Zum ersten Mal ist sie mit einem Stand auf dem Künstlermarkt vertreten, unterstützt von Tochter und Mutter. „Die Nähbegabung hat sie von ihrer Oma, sie war Schneiderin“, berichtet diese voller Stolz. „Sogar ihr Hochzeitskleid hat sie sich selbst genäht, mit Schleier und 2000 Strasssteinen!“ Nicht ganz so glitzernd, aber dafür heimelig, weich und gemütlich geht es am Stand zu. Vieles rund ums Baby ist dabei, vom Namenskissen über Kuscheltiere bis zu Bettschlangen, es gibt aber auch individuelle E-Book-Taschen und Täschchen für Geldgeschenke. „Ich habe sozusagen den gesamten Laden eingepackt“, sagt Andrea Zenker lächelnd.

Zum kreativsten Stand gekürt wurde der von Hildegard-Dill-Franke.

Ebenfalls zum Kuscheln lädt der Stand von Ursula Kreische ein. Ihre Teddybären sind alle aus Mohair-Wolle, die aus dem Haar der Angoraziege gewonnen wird. Mit ihrem Eintritt ins Rentnerdasein begann die Offenbacherin vor zwölf Jahren mit der Herstellung von Stofftieren. „Das ist für mich eine Beschäftigungtherapie“, lacht sie, „ich habe Spaß daran, die Tiere zu formen und zu entwickeln“. Beigebracht hat sie es sich selbst mithilfe von Büchern. „Mittlerweile sehe ich meine Erstlingswerke gar nicht so gern, man wird mit der Zeit besser und selbstkritischer.“ Der Künstlermarkt ist für sie ein Höhepunkt des Jahres in Offenbach, vor allem jetzt auf dem umgebauten Wilhelmsplatz. „Darum habe ich den Streichholzkarlchen-Teddy mitgebracht, er gehört hierher.“

Die drei kreativsten Köpfe

Die gute Atmosphäre auf dem Wilhelmsplatz wurde für drei Aussteller noch besser, als die drei kreativsten Köpfe gekürt wurden. Als Siegerin ging Hildegard Dill-Franke aus Kaiserslautern mit ihrem Keramik-Stand hervor, den zweiten Platz belegte die Offenbacherin Anke Gehr mit ihrer Goldschmiedewerkstatt „Strandperle“, auf Platz drei landete Holzschmuck-Hersteller Bernd Holitzka aus Reichelsheim. Sie bekamen je einen Einkaufsgutschein für Läden in der Offenbacher Innenstadt.

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