Künstlermarkt

Kreativität mit hoher Qualität

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Beim Stöbern, Trinken, Essen das Kaufen nicht vergessen: Diese Devise war Trumpf beim Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz.

Offenbach - Der Oberbürgermeister macht den Marktschreier. Weil Technik versagt, eröffnet Horst Schneider den Künstlermarkt ohne Mikrofon – „auf dem schönsten Platz nicht nur der Stadt, sondern der Region“. Von Markus Terharn 

Und dankt gleich den anliegenden Gastwirten, die am Sonntag eigens früher geöffnet haben, damit sich Anbieter und Besucher vor Beginn schon stärken können. Erfreut sieht der Rathauschef „ordentliches Gedränge“ und verweist auf den doppelten Charakter der Veranstaltung: „Schauen – und kaufen!“. 100 Aussteller an 75 Ständen locken. Organisatorin Birgitt Möbus hat wieder eine gelungene Mischung aus Neuem und Bewährtem gefunden. „Fünf bis zehn Neue sind immer dabei“, berichtet die City-Managerin. So sind erstmals Comic-Figuren zu erwerben. Ein Dauergast ist die Jugendkunstschule mit ihren Mitmachangeboten.

Die Beschicker kommen aus Stadt und Kreis, aber auch aus anderen Bundesländern, eine sogar aus dem Ausland: Die weiteste Anreise hat mit etwa 400 Kilometern Fräulein Rotkäpsli aus dem schweizerischen Rorschach am Südufer des Bodensees. Den Namen erklärt sie damit, „dass meine mittlere Tochter mit zwei Jahren noch nicht Rotkäppchen aussprechen konnte“. Selbstgefertigte bunte Kinderkleidung ist die Spezialität der ehemaligen Rumpenheimerin.

In diesem Stadtteil ist auch Chris Reinelt beheimatet. Er zeigt seine Technik des „Upcyclings“, die darin besteht, aus leeren Flaschen im Brennofen hochwertige Gebrauchsgegenstände herzustellen. Glasfusing heißt das Zauberwort. Er verweist auf den nächsten Termin: Vom 19. bis 21. September öffnen er und seine Kollegen erneut ihre Ateliers zu den Rumpenheimer Kunsttagen. Seit dem ersten Mal dabei ist die Schule für Mode.Grafik.Design. Angehende Designerinnen bringen eine Modenschau auf die Bühne, auf der sich auch Theaterclub Elmar, Tanztheater Christel Lambrecht und Tanzstudio Tamarisk produzieren. Die jungen Frauen bieten aber auch Taschen feil – laut Leiterin Daniela Ballweg eine gute Gelegenheit „zu testen, was bei den Kunden ankommt, und Kontakt zu knüpfen“.

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz (2013)

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Alles selbstgemacht ist ebenso bei Sonja Schuster und Hedi Schmitt. Wiewohl keine Profis, gestalten sie Handy- oder E-Book-Hüllen, Kulturbeutel oder Tischläufer aus unterschiedlichsten Stoffen mit verschiedensten Motiven. Das können etwa Eulen oder Hunde sein. Dafür wenden sie ebenso viel Zeit und Liebe auf wie die „Kreativen Hexen“ aus der Bad Vilbeler Kante. So nennen sich selbstironisch Helga Krug und Silke Lipski. Beim Stricken von Strümpfen und mehr aus einer speziellen Wolle, 75 Prozent Schaf, 25 Prozent Polyacryl, hilft neben Freundin Hannalore deren 91-jährige Oma mit. Schnelle Entschlüsse sind gefragt. „Was kostet denn das Kleid?“, fragt eine Interessentin. „Das ist schon verkauft!“, eilt sich eine andere Kundin einzuwerfen.

Siegerin Manuela Betz

Schmuck oder Keramik, Malerei oder Skulptur, Porzellan oder Floristik: Schau- wie Kauflustige haben die Qual der Wahl. Noch schwieriger ist die Aufgabe für die Jury. Konstanze Schneider, Helmut Weismantel und Dr. Jürgen Eichenauer müssen entscheiden, wem sie die Krone der Kreativität zuerkennen. Das Rennen macht die Mühlheimerin Manuela Betz. Ihre „Schönen Sachen“ seien „ungeheuer kreativ“, und ihr Stand sei „sehr schlüssig“, urteilen die Frauennetzwerkerin, der Rahmenspezialist und der Stadtmuseumschef. Auf Platz zwei setzen die Juroren die Offenbacherin Tanja Luther, deren Fotos vertraute Motive in ungewöhnlicher Verfremdung (Hauptbahnhof mit Hirschgeweih) oder frappierendem Detail (altes Kickersstadion) zeigen. Da überzeugen Idee und Dekoration. Angelika Vellmer, mit „Mops & Rose“ erst in letzter Minute zum Zug gekommen, freut sich über Platz drei für ihre Textilien. Die Drei können Gutscheine bei den Unterstützern M. Schneider, Galeria Kaufhof und Thalia einlösen.

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