Künstliche Sonne leuchtet in die Zukunft

Offenbach - „Mehr Licht!“ Die angeblich letzten Worte von Johann Wolfgang von Goethe könnten auch das höchst lebendige Gründer-Motto von Boris Lutterbach sein. Der 33-jährige gelernte Elektriker und Elektrotechniker hat sich mit seinem Unternehmen Plasma International GmbH auf die Produktion energiesparender Sulphur-Plasma-Lampen spezialisiert. Von Achim Lederle

Sulphur steht für Schwefel, den Kernbestandteil der Lampe, und Plasma für den Aggregatzustand, den der hocherhitzte Schwefel einnimmt. 2004 entdeckten Lutterbach und sein englischer Partner Clive Wing durch Zufall die Schwefellampen-Technologie, die bereits Ende der 80er-Jahre von der US-Raumfahrtagentur Nasa entwickelt worden war. „Ich war sofort fasziniert von den Möglichkeiten und entschloss mich zusammen mit sechs Geschäftspartnern, die Lampen weiterzuentwickeln und dafür das Unternehmen Plasma International zu gründen“, erläutert der Jungunternehmer mit Sitz in Offenbach. Lutterbach gerät schnell ins Schwärmen, wenn er „seine“ Lampen beschreibt: Bei den Sulphur-Plasma-Lampen wird eine kleine Glaskugel, die mit dem Edelgas Argon und Schwefel gefüllt ist, durch Mikrowellenstrahlung zum Leuchten gebracht. Lutterbach: „Das ganze funktioniert wie die Mikrowelle zuhause. Nur statt einer Pizza wird hier der Schwefel erhitzt, der zum Plasma wird und seine Energie als Licht abgibt. Die Technik ist sehr effizient und energiesparend, außerdem fällt kein UV-Licht an. Das Lichtspektrum entspricht dem der Sonne, weshalb Sulphur-Plasma-Lampen nicht müde machen und sowohl in Großfabriken als auch therapeutisch eingesetzt werden können. Außerdem haben sie eine hohe Lebensdauer von über 60 000 Stunden.“

Boris Lutterbach hat mit seinem Team in den vergangenen Jahren die Technik verbessert und alle wichtigen Patente eingereicht und gesichert. So wurde eine Keramikisolierung entwickelt, die das Leuchtmittel, das über 1500 Grad heiß wird, von der empfindlichen Lampen-Elektronik abschirmt. „Außerdem haben wir Lüftung und Antrieb getrennt; ein kleiner Computer in den Lampen prüft ständig alle Parameter“, erklärt Lutterbach. Noch sind die Lampen alleine wegen ihres Preises von 5 000 bis 10 000 Euro für eine 1420-Watt-Leuchte kein Artikel für den Massenmarkt, was Lutterbach aber ändern will.

Anfangs ließen er und Clive Wing die Lampen in China fertigen, machten dabei aber schlechte Erfahrungen und setzen nun ganz auf „made in Germany“. Mit allen Beteiligten sind rund 20 Mitarbeiter in der Produktion und Entwicklung tätig und bauen derzeit bis zu 50 Lampen im Monat. „Derzeit fertigen wir nur auf Kundenwunsch und beliefern vor allem Forschungseinrichtungen, aber auch Gartenbaufirmen und Solarzellenbauer“, erklärt der 33-Jährige. Im Gartenbau sieht Lutterbach, der selbst auch dort tätig war, ein großes Einsatzgebiet: „Pflanzen wachsen schneller unter der künstlichen Sonne der Schwefellampen“, sagt er. Auch bei der Beleuchtung großer Flächen wie Parkplätzen oder Sportarenen könnten seine Leuchten verstärkt zum Einsatz kommen.

Der Jungunternehmer setzt 2009 voll auf Expansion. In den nächsten Wochen sollen neue Büros in Waldhof bezogen werden. „Wir wollen bis 2010 bis zu 15 zusätzliche kaufmännische Mitarbeiter einstellen“, so Lutterbach. Unterstützung erhält er von der Hessen Agentur und der IHK Offenbach, die Lutterbach im Dezember 2007 zum „Existenzgründer des Monats“ kürte. Der 33-Jährige ist sich sicher, dass die Zeit reif ist für Sulphur-Plasma-Lampen: „Sie stehen für höhere Lichtleistung bei weniger Watt und helfen, Kohlendioxid einzusparen. Damit sind sie die umweltfreundlichen Leuchten der Zukunft.“

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