Besorgte Kfz-Anmeldeprofis

+
Stempeln, entstempeln: Nur ein Bruchteil der im Bürgerbüro zu erledigenden Aufgaben betreffen Kraftfahrzeuge.

Offenbach - Seit 1. März gehen im Offenbacher Bürgerbüro die Öffnungs-Uhren anders. Vorbei sind die vergleichsweise üppigen Zeiten mit Sechs-Tage-Öffnung. Von Robyn Schmidt 

Die Reduzierung von 44 Stunden auf 20 für Lauf- plus zehn Stunden für Terminkundschaft (samstags vormittags, donnerstags nachmittags) soll unter dem Strich kürzere Wartezeiten bringen, weil jeweils mehr Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Und die Umstellung habe bislang geklappt, freut sich Bürgerbüro-Chefin Martina Fuchs. Am Montag etwa habe man genauso viele Besucher wie zuvor bedienen können: Die Wartezeit habe sich aber im Schnitt von 41 auf acht Minuten verkürzt. Da fühlt sich auch der zuständige Dezernent Felix Schwenke in der Entscheidung für eine Umstellung bestätigt.

Allerdings sind nicht alle, die häufiger aufs Bürgerbüro müssen, von den neuen Öffnungszeiten begeistert. Unter Offenbacher Autohändlern wird befürchtet, dass es Probleme geben wird. Heute morgen etwa stünde vor verschlossener Tür, wer wie gewohnt Autos anmelden wollte. Offenbachs Zulassungsstelle öffnet erst um 15 Uhr – und dann nur für Kunden, die einen Termin haben. Die meisten Autohändler bedienen sich professioneller Zulassungsdienste, die Anträge morgens zur Zulassungsstelle bringen und mittags wieder an die Händler verteilen. So funktioniert das donnerstags nicht mehr.

Etwas holprige Anfangsphase

„Die neuen Zeiten sind für uns nicht praktikabel“, sagt Roland Lotzmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Kraftfahrzeug-Zulassungsdienste und Geschäftsführer der in Offenbach aktiven Firma BGA. „Freitags kommt dafür das Doppelte an Arbeit auf das Amt zu, da sich alles vom Vortag aufstaut“, befürchtet Lotzmann. Ob das so drastisch eintrifft, muss sich noch erweisen. Amtsleiterin Fuchs bittet die skeptischen unter den Zulassungsdiensten und Autohändlern um Geduld: „Sie müssen den neuen Zeiten erstmal eine Chance geben.“ Eine etwas holprige Anfangsphase sei ganz normal, danach werde sich das Ganze aber wohl schnell einpendeln, ist sie sicher: „Ich gehe nicht davon aus, dass dort das Chaos ausbricht.“

Sie erkennt, dass für die Kfz-Branche die neuen Zeiten nicht mehr so ideal wie früher sind: „Ich nehme aber an, dass die Zulassungsdienste überprüfen, ob und wie sie ihre bisherigen Verfahrensweisen anpassen müssen.“ Für Dezernent Schwenke ist nichts in Stein gemeißelt. Dass es extra Stunden für Anmeldeprofis geben könnte, sei eine zu überlegende Möglichkeit. Seit Herbst 2012 erlaubt sich die Offenbacher Meldebehörde auch eine Besonderheit: Autos zulassen dürfen im Rathaus nur noch Offenbacher. Das entspringt einer Art Notwehr. Neue Vorschriften und eine Welle von Zuwanderern hatten das Bürgerbüro an den Rand seiner Kapazität gebracht. Bis dahin war es wegen seiner großzügigen Öffnungszeiten – auch am Samstag – bei Zulassungsdiensten und Autohändlern der weiteren Rhein-Main-Region sehr beliebt gewesen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare