Workshop-Reihe „Offenbach am Herd“

Gin-Novizen überzeugt

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Gin ist „in“ und reine Geschmackssache. Beim Workshop mit Susanne Reininger wird aber zusätzlich das Kleingedruckte studiert.

Offenbach - Es füllt Fernsehformate, Bildbände und Ratgeber: Wider das Schnellessen predigen Köche und Autoren die gesunde Küche, gern auch mal fleischlos. Kurz: Genuss geht vor, auch bei den Offenbachern.

Das weiß Autorin Susanne Reininger, die eine kleine Genussreihe gestartet hat. Diese Reihe findet Anklang und schärft nebenbei die Sinne. Aber Vorsicht: „Es sind keine Kochkurse“, warnt Reininger, um Enttäuschungen schon im Vorfeld zu minimieren. Susanne Reininger, Journalistin, Autorin und Lektorin, hat mit der Stadtinformation „Offenbach am Herd“ erfunden – als passende Ergänzung zu Loimi Brautmanns „OflovesU“-Programm. „Die Resonanz ist durchweg positiv“, freut sich Reininger. Das war beim Auftakt in der türkischen Bäckerei nicht anders als beim Kaffee-Workshop oder der jüngsten Gin-Tonic-Verkostung. Offenbacher entdecken „unentdeckte Schätze“, Frankfurter staunen über „Geheimtipps“ in der Nachbarstadt. Ein Teilnehmer, der im Nordend wohnt, war angetan von Reiningers Türöffner: „Ich fahre an dem kleinen Wein-, Whisky- und Gin-Laden immer vorbei und wollte schon längst mal reinschauen. Klasse, dass es so geklappt hat.“

Positiv für die Organisatorin: Bei den bisherigen Verkostungen sind Ideen für weitere Workshops entstanden. Da ist Schlürfen und Schmatzen notwendig und ausdrücklich erlaubt, etwa wenn Annette Laier 20 Kaffee-Liebhaber willkommen heißt. Unter ihrer kundigen Anleitung schulten die Teilnehmer ihre Sensorik und testeten Kaffee wie Profiverkoster. Aus markierten Bechern wurden Kostproben gelöffelt und auf einem Testbogen die Geschmacksurteile eifrig notiert: „Der riecht nach muffigem Keller und Pappe.“ „Diese Nummer schmeckt nach Kakao und Lakritz; die daneben wie Weihnachten.“

Schwarzes Gold und neongrüne Creme

Auch im „Gin-Tonic-Workshop“ bei den Genussverstärkern am Goetheplatz ging es letztlich um die Frage: Welcher Mix ist der beste? „Reine Geschmackssache, da gibt es keine Gin-Polizei, die Vorschriften macht“, betonte Experte Peter Reichard. Immerhin gibt es neben Wacholderbeeren mehr als 100 weitere Geschmacksgeber, sogenannte Botanicals – etwa Rinden, Früchte, Wurzeln, Kräuter, aus denen die jeweiligen Hersteller ihren Gin individuell veredeln. „Allein das passende Tonic zum Gin zu finden, ist eine Wissenschaft“, resümierte ein Teilnehmer. Auch Eiswürfel kommen ihm nicht ins Glas – sie verwässern den Geschmack. Um einen Gin-Tonic mit fruchtigen Aromen kalt zu genießen, seien gefrorene Kumquats eine gute Alternative. Bei der letzten Probe staunten die Teilnehmer nicht schlecht, als sie Aromen im Glas schmeckten, die man sonst auf dem Wochenmarkt findet. Der Gastgeber servierte Gin Sieben – der hessische Dry Gin mit 49 Volumenprozent enthält neben den obligatorischen Wacholderbeeren Kräuter der Grünen Soße. „So fein kriegt man die sonst nicht“, waren sich die Gin-Novizen einig.

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