Kult-Abend im Büsinghof bestens besucht

Abschied für Mr. Sträußche

+
Eben noch im Publikum, gleich wieder auf der Bühne im Büsinghof: Für Organisator, Moderator und Vortragskünstler Ludo Kaiser war’s der letzte öffentliche Auftritt als Kulturbürochef.

Offenbach - Seit 16 Jahren gilt im Hof des Büsingpalais die Devise: „Wo’s Sträußche hängt, wird ausgeschenkt. “ Doch beim 17. Mal war eins anders als sonst. Zwar unterhielten lokale Kulturverwalter und das AWO-Orchester wie üblich in Wort und Ton. Von Markus Terharn 

Aber für Ludo Kaiser alias Mister Sträußche war es der letzte öffentliche Auftritt in Amt und Würden: Mit 64 Jahren geht der Kulturbüroleiter in den Ruhestand. Seine Mitstreiter ließen es sich nicht nehmen, den Mottogeber und Organisator, Moderator und Rezitator in ihre Texte einzubinden. Die größte Kreativität bewies dabei Stefan Soltek. Der Direktor des Klingspormuseums hatte ein Lied der Bläck Fööss umgereimt: „All die Jahre, die du da warst, welch ein himmlisches Pläsier! Wie du uns alle um Kultur scharst: Ludo, dafür danken wir dir.“ Und: „Wir werden dich nie, niemals vergessen, denn die Zeit mit dir war schön. Ludo und tschüs, auf Wiedersehn...“

Ob der so Gewürdigte ein Tränchen der Rührung verdrückte, war nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu erkennen. Kaiser selbst ließ sich aber nicht lumpen: Traditionell als letzter Vortragender gab er eigene Ergüsse zum Besten, nachdenkliche wie „Den Menschen ins Gesicht schauen“ von 1982 oder komische wie „Tribsinnisch“, in hessischer Mundart herrlich über den spießigen Nachbarn Kallheinz ablästernd.

Das Orchester stand da nicht zurück. Ins auf Offenbach umgemünzte Kufstein-Lied hatte Programmmacher, Schlagzeuger und Sänger Friedrich Sehrbrock manch „Ludo“-Ausruf geschmuggelt. Unter der eleganten Bogenführung von Sologeigerin Weronika Muran nahmen die Instrumentalisten mit auf eine musikalische Weltreise: Dieter Klockner (1. Geige), Günther Bauer (2. Geige), Hannelore Eichinger (Akkordeon), Paul Lukas (Klarinette, Saxofon), Josef Panek (Piano), Hans Kreis (Bass) und als Gast Livio Varcol (Oboe) sorgten mit Walzer oder Tango, mal italienisch, bald böhmisch, dann ungarisch, für beste Stimmung im Publikum.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das ließ sich auf Bänken mitgebrachtes Picknick und beim Team der Stadtbücherei gekauften Wein schmecken. Und lauschte dessen Chefin Sylvia Beiser beim Aufsagen von Amelie Fechners Lyrik über „Das pralle Leben“. Oder Stadtarchivarin Anjali Pujari mit Fontanes Birnen-Ballade; Vorgänger Hans-Georg Ruppel mit Datterich-Dichtung; Klingspor-Chef Soltek mit einer „Faust“-Variation; sowie Kulturmanager Ralph Philipp Ziegler mit Bismarck-Anekdoten, Tucholsky-Prosa und Heinz-Erhardt-Poesie. All das verlangt nach Fortsetzung – im Jahre 1 nach Kaiser.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare