Kult mit Kulleraugen

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Die schöne Kriegerin Sailor Moon kennt jeder Manga-Fan. Große Augen, bunte Haare, eine kleine Nase und ein „europäisches Aussehen“ sind Stilelemente jedes japanischen Manga. Die Figur entstammt einer Manga-Serie der japanischen Zeichnerin Naoko Takeuchi.

Offenbach - Mit Perücken in knalligen Farben, in Kniestrümpfen oder im Rüschenkleid präsentieren sich die Fans auf der Manga-Messe in Mainz. Bis ins kleinste Detail basteln sie Kostüme nach dem Vorbild japanischer Comicfiguren. Von Angelika Pöppel

Organisiert wird die Anime-, Manga- und Japan-Convention von Samstag, 25. Juni, bis Sonntag, 26. Juni, von einem Offenbacher. Wenn Andreas Neuhauser nicht im Büro sitzt, trifft er sich am Liebsten mit Gleichgesinnten. Der Offenbacher hat eine Vorliebe für japanische Comics, die so genannten Mangas. Seine Leidenschaft entdeckte er durch japanische Trickfilme, wie „Sailer Moon“ oder „Pokemon“. Mittlerweile besitzt er knapp 400 Comics. Außerdem organisiert der 29-Jährige seit vielen Jahren Treffen für alle Fans der asiatischen Zeichenkunst.

Anfangs kamen rund 70 Anhänger zusammen und tauschten sich über ihr Hobby aus. Im letzten Jahr pilgerten bereits über 700 Fans aus ganz Deutschland zur „Wiemaikai-Messe“ nach Mainz. Damit ist die Anime-, Manga- und Japan-Convention heute das größte Treffen im Rhein-Main-Gebiet.

Andreas Neuhauser

Hinter dem knallig-bunten Beisammensein steckt viel Organisation. Denn auf der Messe gibt es alles was die Manga-Herzen höher schlagen lässt. Neben Sängern und Bands bietet die Messe auch einen Consolenspieleraum, Workshops und preisgekrönte Animes. Neuhauser selbst hilft freiwillig mit. Und auch die Künstler verlangen keine Gagen. Aber ohne ein Kostüm traut sich kaum jemand auf die Messe nach Mainz. Es wird genäht geklebt und geschnitten für die perfekte Illusion. „Manche nehmen die Nähmaschine noch mit auf die Messe“, hat Neuhauser beobachtet. Ziel der Manga-Fans ist eine nahezu perfekte Kopie ihrer liebsten Serien-Charaktere. Dafür basteln sie meist monatelang an ihren Kostümen. Ob blaue, pinke oder gelbe Haare, eine Perücke tragen fast alle Besucher. Doch auch für die weniger Kreativen gibt es Möglichkeiten. Im Internet können Fans auch Kleider ersteigern. Neuhauser gibt zu: „Ich kann nicht nähen, deshalb habe ich mir mein Kostüm schneidern lassen“. Denn ohne Kostüm sei es viel langweiliger. Die Verkleidung schaffe eine intensivere Verbindung und man komme besser mit anderen ins Gespräch, ist er überzeugt.

Neben der Leidenschaft zum Verkleiden kommt ein echter Manga-Fan auch an Japan nicht vorbei. Die Geschichten sind von der fernöstlichen Kultur geprägt. „Früher oder später entwickelt jeder Comicleser auch ein Interesse für das japanische Leben“, sagt Neuhauser. Auch er wollte Japan selbst erleben. Deshalb reiste er vor zwei Jahren nach Tokio. Ihn fasziniere, wie in Japan Tradition und die bunte, popige Welt aufeinander prallen. „Als Andenken habe ich mir natürlich ein original japanischen Comic mitgenommen“, sagt der Organisator, auch wenn er nur wenige Worte japanisch spricht. Mit 29 Jahren fällt Neuhauser nicht mehr in die Zielgruppe – zur Messe kommen Besucher zwischen 14 und 26 Jahren. Dennoch sind die Comics für ihn mehr als nur ein netter Zeitvertreib. Er taucht gerne in fremde Fantasiewelten ein. Doch auch die Geschichten aus dem japanischen Alltag haben es ihm angetan. Das besondere für ihn sei die Art der Zeichnungen. „Die schwarz-weiß Zeichnungen sind nicht zu vergleichen mit einem Donald Duck Comic“, sagt Neuhauser. Auch die Animationsfilme, die sogenannten Anime, sind zum größten Teil gezeichnet, im Stil der Mangas. „Leider werden die japanischen Animationsfilme in kleine Themenkinos verbannt“, bedauert er.

In Deutschland boomen die Mangas und Anime bereits seit zehn Jahren. Dennoch machen die Japan-Anhänger nur eine kleine Gruppe aus. Doch der Nachwuchs kommt: Immer mehr junge Mädchen und Jungen begeistern sich für die Comics, das zeige sich auf der jährlichen Manga-Messe, sagt der Organisator. Die Zahl steigt und Neuhauser freut sich über jeden neuen Fan: „5000 Besucher sind das Ziel“.

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