Kultur in Offenbach

Mit wenig Geld etwas sinnvoll gestalten

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Offenbach - Gern erzählt Dr. Ziegler diese Anekdote aus dem Arbeitskreis Reform Kulturbetrieb, in dem Vertreter aus Städten wie Bremen oder Dortmund über eingebüßte Millionen jammern. Auf die Frage, wie das in Offenbach aussehe, habe er geantwortet: „Es ist moderat besser.“ Von Markus Terharn

Spontaner Neid sei in blankes Entsetzen umgeschlagen, als er Zahlen genannt habe. Die Zahlen: Mit Ausgaben für die Kultur von 30 Euro jährlich pro Kopf der Bevölkerung liegt Offenbach auf Platz 60 von 63 untersuchten deutschen Großstädten. In Frankfurt sind es zwischen 170 und 200, in Hanau und Aschaffenburg immerhin 80, 90 Euro, so Ziegler. Immer wieder wird er gefragt: „Ist das nicht schrecklich, mit so wenig Geld zu arbeiten?“ Seine persönliche Antwort: „Ich war früher an der Hochschule in Weimar, da gab es nie Geld. Und bei der Neuen Philharmonie Frankfurt habe ich gelernt, nur das auszugeben, was da war.“

Zieglers Rezept: „Die Kulturarbeit ist bei uns in der Stadtverwaltung absolut integriert.“ So gebe es in Sachen Kreativwirtschaft eine enge Zusammenarbeit mit Arbeits- und Wirtschaftsförderung, bei Veranstaltungen mit Bau- und Presseamt. „Anderswo agieren die aneinander vorbei. Das können und wollen wir uns nicht leisten!“

„Wie fasse ich meine Stadt in der Region auf?“

Mit wenig Geld etwas sinnvoll gestalten, das ist Zieglers Zauberwort. Zentrale Frage: „Wie fasse ich meine Stadt in der Region auf?“ Frankfurt stehe als deren Motor außer Frage, könne aber nicht ohne das Umland. Ziegler distanziert sich auch vom Spruch des Ex-OB Gerhard Grandke, er zahle den Leuten lieber die S-Bahn-Fahrkarte nach Frankfurt, als in Offenbach ein Theater zu unterhalten.

Offenbach sei weder ein Stadtteil, der einfach auf die Mitte verweisen könne, noch ein Oberzentrum, das alles bieten müsse, meint Ziegler. Wichtig sei die „eigene Charakteristik“. Die Stadt müsse ja „nicht alles neu erfinden, aber da, wo es nötig ist“.

Dies mit wenig Personal: „Im Kulturmanagement sind es zweieinhalb Stellen mit mir, im Kulturbüro zweieinhalb mit Ludo Kaiser, in der Kulturverwaltung drei mit Günter Doll. Dazu vier Techniker, teils mit halber Stelle.“ Dennoch sei es in seiner Zeit, seit 2007 beratend, seit 2008 angestellt, gelungen, Neues zu etablieren.

Ziegler erwähnt die Reihe „Stummfilm & Ton“. Die EVO hat einen gebrauchten Beamer gesponsert, das Ledermuseum stellt Saal sowie Hausmeister, und das eigene Technik-Team kostet wenig. „Wunderschön gelöst“, findet Ziegler und fügt hinzu: „Andere Städte kaufen ein altes Kino, sanieren es, schaffen zwei, drei feste Stellen.“

Capitol Classic Lounge: 40, 50 studierte Musiker

Beispiel Capitol Classic Lounge: Sechs Sinfoniekonzerte mit 40, 50 studierten Musikern, „da kommt ein kleiner sechsstelliger Betrag zusammen“, rechnet Ziegler vor. Davon trage das Amt nur 10 000 Euro; der Löwenanteil stamme von Gesellschaften des Stadtkonzerns, Bürgern und aus Eintrittsgeldern.

Beispiel Theateressenz im Capitol: Da würden Gastspiele renommierter Bühnen geholt auf einem Niveau, das sich sehen lassen könne. Beispiel für eine gelungene Partnerschaft: Bei der Kammermusikreihe „Senza Piano“ komme Know-how vom Verein Bell’Arte, Geld und Raum besorge die Sparkasse.

Nicht zufrieden mit diesen Ausführungen ist Stefan Adloff, Vorsitzender des Vereins Rumpenheim Kultur (RUK) und Gastgeber des namhaft besuchten Vortrags im Mausoleum. Er nutzt die Gelegenheit, mehr behördliche Unterstützung für die Vereine – „nicht nur für unseren“ – einzufordern, nennt Fälle, in denen sich Hilfe gewünscht hätte. Ziegler versichert, er sei da ansprechbar.

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