Wie man Tradition wahrt und sich dennoch integriert

Kulturfest der Nationen: Essen und Tanz verbindet

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Gegrilltes darf beim Kulturfest der Nationen nicht fehlen.

Offenbach - Seinen Namen hat es öfter gewechselt, aber an Beliebtheit nichts eingebüßt: Bereits zum 28. Mal steigt am Samstag und Sonntag das Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz. Von Peter Klein

Mit Folklore begeisterten nicht nur diese drei jungen Damen auf der Bühne.

Vereine aus 13 Ländern präsentieren sich an 24 Ständen mit Essbarem und auf der Bühne mit Folklore. Kaum sind die letzten Marktbeschicker abgezogen, beginnen die ersten Vereine ihre Zelte aufzubauen. Zwei Stunden bleiben bis zur Eröffnung. Da hat vor allem das Technische Hilfswerk viel zu tun. Es gilt die Zelte mit Strom und Wasser zu versorgen. „Zwei Stromanschlüsse, nein, drei wären besser“, tönt es aus einem der Zelte. Rainer Möller nimmt es gelassen. „Wir sind ein eingespieltes Team.“ Um 14 Uhr haben sie begonnen, die Autos zu beladen. Während des Fests sind sie noch da, falls irgendwo etwas ausfällt. Und haben Zeit, die angeboten Spezialitäten selbst zu probieren. Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn zieht der Rauch zahlreicher Grills über den Platz. Da mischen die Düfte von Souvlaki, Cevapcici und gegrillten Sardinen. Am Stand der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde schmoren nicht nur die Sarmale genannten Krautrouladen im Topf, es liegen auch Mititei, osteuropäische Grillwürste, auf dem Rost.

An 24 Ständen werden typische Spezialitäten aus 13 Ländern zubereitet. Folkloregruppen zeigen Tänze aus ihrer Kultur. Drei Monate haben Waltraud Schäfer von der Geschäftsstelle des Ausländerbeirats und ihr Team in die Vorbereitung gesteckt. Jetzt steht die Büroleiterin auf der Bühne und kündigt die Tanzgruppen an. Während vergangene Woche in Frankfurt türkische und kurdische Demonstranten aufeinander losgingen, stehen die Stände friedlich nebeneinander. Gökhan Kara erläutert die Unterschiede beider Küchen. Eigentlich seien sie sich sehr ähnlich, aber die Kurden äßen gern scharf. Am Stand gibt es Sis Kebap, in dünne Fladen eingerolltes Lammfleisch. Kurden würden es mit Gewürzen und Paprika kombinieren. Tatsächlich gab es Anfang des Jahrtausends einmal einen Konflikt, berichtet Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Ausländerbeirats. Man habe zwei Vereine für zwei Jahre ausgeschlossen und Mediatoren eingesetzt. Seitdem klappe es mit dem friedlichen Zusammenleben in Offenbach wieder.

Fotos: Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz

Am Stand des Serbischen Kulturzentrums verkauft Marina Pavlovic Kaffee und Kuchen. „Ich finde es wichtig, unsere Kultur aufrecht zu erhalten. Außerdem macht mir das Tanzen enormen Spaß“, erklärt die 17-Jährige. Mit Integration habe das nichts zu tun. „Ich gehe aufs Gymnasium und habe deutsche Freunde. Seine Traditionen zu bewahren heißt ja nicht, dass man sich nicht integriert“, sagt der Teenager. Derweil wirft die Flüchtlingskrise ihre Schatten voraus. Oberbürgermeister Horst Schneider erinnert an die liberale Tradition Offenbachs und bittet, die Asylbewerber offen aufzunehmen. In den nächsten Monaten solle beraten werden, wie die Stadt reagiert. Auch Heike Habermann, Vizepräsidentin des Landtags, ruft dazu auf, Flüchtlinge freundlich zu begrüßen. Rafoud nutzt die Gelegenheit hingegen, für die anstehende Wahl des Ausländerbeirats zu werben, und appelliert an die anwesenden Politiker, sich für ein Kommunalwahlrecht für alle Ausländer einzusetzen.

Während sich auf der Bühne die Folkloregruppen abwechseln, haben sich an einem Tisch Ivan Pantelich mit seiner Frau Iovana und Sebastiana di Bella mit Schwägerin Ivana Cvyetic zusammengefunden. Der Bosnier lebt seit mehr als 40 Jahren hier. Sebastiana ist Italienerin und mit einem Serben verheiratet. Sie entschuldigt sich, dass sie Serbisch gerade erst lernt. Doch irgendwie spielt das keine Rolle. Ein Draht zueinander ist schnell da.

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