Kulturfest der Nationen

Schlemmen, tanzen, wählen

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Das Kulturfest der Nationen feierten Offenbacher aus aller Welt zum 26. Mal auf dem Wilhelmsplatz. Es drehte sich um Essen, Folklore – und ein bisschen Politik. Temperamentvoll: Tanz der Griechischen Gemeinde.

Offenbach - Es brutzelt, Menschen aller Ethnien sitzen beieinander, lassen sich Spezialitäten aus aller Welt schmecken und betrachten das folkloristische Treiben auf der Bühne. Keine Frage – das Kulturfest der Nationen gehört zu den schönsten Festen Offenbachs. Von Veronika Schade

Bereits zum 26. Mal veranstaltet der Ausländerbeirat es am Wochenende auf dem Wilhelmsplatz, ebenso viele ausländische Vereine und Gemeinden nehmen teil. Zum ersten Mal dabei ist der Verein Obra de Caridad mit mexikanischen Spezialitäten. Die gewaltigen Sombreros und bunten Ponchos fallen an seinem Stand gleich ins Auge, im Angebot sind verschiedene Arten von Tacos. „In Mexiko ist das ein Überbegriff für fast alles Essbare“, schmunzelt der Vereinsvorsitzende Walter Veith, während sein Kollege Francisco Caballero die köstlichen, mit Gemüse und Hähnchen oder Rindfleisch gefüllten Tortillateigrollen in mundgerechte Happen zerkleinert den Besuchern anbietet. Wer möchte, kann auch Tamarinden-Konfekt oder -Margarita probieren. Was fade braun aussieht, entpuppt sich als exotisches Geschmackserlebnis – würzig, süß und scharf zugleich.

Zu Mittel- und Südamerika hat Veith eine besondere Beziehung, bereiste mehrere Länder und lebte sechs Jahre in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo. Der Verein, dem bisher nur sieben Mitglieder angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung in den armen Stadtteilen, den „barrios“, mit Geld- und Sachspenden zu unterstützen. Dabei arbeitet er mit zwei dortigen Kirchengemeinden zusammen.

Bilder vom Kulturfest der Nationen 2013

Bilder vom Kulturfest der Nationen

Die Premiere auf dem Wilhelmsplatz bezeichnet Veith als gelungen, besonders den Bühnenauftritt mit mexikanischer Folklore: „La Cucaracha kennt jeder, das ist gut angekommen.“ Doch die Bilanz des Samstagabends ist durch das regnerische Wetter getrübt. „Wir haben zumindest so viel eingenommen, wie wir eingekauft haben.“ Auch an den anderen Ständen verlief der Samstag eher mäßig, blieben die Verkaufszahlen hinter dem Vorjahr zurück. „Das hängt sehr stark vom Wetter ab“, weiß Mustafa Özkur vom Kurdischen Kulturzentrum. „Letztes Jahr lief es besser.“ Gut besucht ist das Fest dennoch – und auf der Bühne geht es rund. „Wir haben diesmal noch mehr Bühnenprogramm als sonst“, freut sich Bernd Zander vom Ausländerbeirat.

Dieser hat an seinem Stand verschiedene Info-Broschüren ausgelegt, unter anderem über das kommunale Wahlrecht für alle. Bei Kommunalwahlen in Deutschland dürfen nur Bürger der Europäischen Union wählen und gewählt werden, bei den ebenfalls am Sonntag anstehenden Bundestagswahlen dürfen nur Menschen mit deutschem Pass an die Wahlurnen. Damit sind die meisten, die sich beim Kulturfest der Nationen engagieren, ausgeschlossen. Trotzdem – die Wahlen sind ein Thema bei den ausländischen Vereinen in Offenbach. „Bei uns wird oft darüber gesprochen“, sagt Aristea Chantzaras von der Griechischen Gemeinde. „Wir sind alle gespannt, wie es ausgeht – und hoffen auf ein besseres Ergebnis.“

Bilder vom Kulturfest 2012

Nationale Vielfalt am Wilhelmsplatz

Auf politischen Wechsel setzen auch die Offenbacher Kurden, die am Stand ihres Kulturzentrums neben Putenfleisch-Spießen mit hausgemachtem Süßgebäck locken. „Wir sind der Meinung, dass die Linke kurdische Interessen besser vertritt als die anderen Parteien“, sagt Hazal Aras. „Die Kurden, die ich kenne und die einen deutschen Pass haben, stimmen für sie“, sagt die junge Frau.

Die meisten Mitglieder der Portugiesischen Katholischen Gemeinde haben keinen deutschen Pass. „Die ältere Generation gar nicht, bei den Jüngeren sind es einige“, berichtet Leonor Morais. Mit dem Thema Wahl würden sie sich durchaus auseinander setzen. „Diejenigen, die am Sonntag wählen gehen können, die nutzen das auch.“

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