Kulturzentrum Hafen 2

Alter Charme an neuen Ufern

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„Ich denke dem alten Lokschuppen trauert keiner hinterher“, sagt Andrea Weiss vom Hafen 2. Keine Spur von Trauer auch vergangenen Sonntag. Auf der Open-Air-Bühne präsentierten die Kanadier „Half Moon Run“ rund 200 Besuchern ihr Debütalbum „Dark Eyes“.

Offenbach - Das Kulturzentrum Hafen 2 ist auf dem neuen Areal am Nordring gestrandet. Drei Monate nach Eröffnung wird das kreative Durcheinander lichter. Die Mélange aus Erholung und Subkultur kommt gut an. Von Fedor Besseler

Die Besucher entspannen unter Sonnenschirmen auf feinem Sand oder lassen sich in Liegestühlen die frische Brise vom Main um die Wangen säuseln. Schon am frühen Nachmittag ist auf den Wiesen und Mulchpfaden vor der neuen Halle aus dunkelgrauen Metallpaneelen so einiges los. „Das Matschloch hat sich doch ganz gut entwickelt“, witzelt Sarah Lindhorst. Die Offenbacherin besuchte den Hafen 2 im alten Lokschuppen regelmäßig. Heute ist sie zum ersten Mal auf dem neuen Gelände zu Gast. Einige Monate früher sah man hier – 800 Meter vom alten Lokschuppen entfernt und direkt am Main gelegen – nur eine schlammige Brache.

Auf dem neuen Terrain gut angekommen ist Andrea Weiss. „Ich denke dem alten Lokschuppen trauert keiner hinterher“, meint die engagierte Optimistin. Sie ist im Vorstand des Vereins Suesswasser, den Betreibern des Hafen 2. Selbst von den größten Skeptikern hört sie mittlerweile Lob. Lage und Perspektive der neuen Lokalität haben nunmal einiges zu bieten. „Die Erholungskomponente ist deutlich höher“, ist sich Weiss des attraktiven Standorts am Wasser bewusst. Zudem wird es in der Umgebung keine gravierenden Veränderungen geben. In direkter Nachbarschaft sind keine Neubauten vorgesehen. Vor allem aber freut sich Weiss, dass die Zeit der Dreimonatsmietverträge vorbei ist. „Endlich haben wir Planungssicherheit und können gestalten.“ Der Pachtvertrag mit der Stadt läuft mindestens 20 Jahre.

Zwei Jahre voller Unruhe

Gefühlsmäßig kämen mehr Besucher, vielleicht auch wegen der kürzeren Strecke, nach Frankfurt. „Mit dem Fahrrad fährt man in zehn Minuten ampelfrei zum Römer“, so Weiss. Vergleichswerte der Gastro-Einnahmen, dem Kino- und Konzertbetrieb gibt es aber noch keine. Gerade die Veranstaltungen seien aber durchweg gut besucht. Auch positiv für die Macher: Die Besucher laufen seit der Neueröffnung früher ein: „Ab zwölf Uhr haben wir verlässlich Gäste da.“ Die Erfahrungen der ersten drei Monate sind wichtig für die Hafen 2-Betreiber. „Die letzten zwei Jahre waren von existenziellen Fragen und Unruhe geprägt: „Klappt das wirklich? Wie bezahlen wir das?“ Weiss und ihre Mistreiter sind vom ständigen Stress ausgepowert: „Wir brauchen dringend mal eine Pause.“

Backstage-Bereich im Zirkuswagen

Die geräumige, neue Konzerthalle sei ideal, um in Zukunft größere Bands einzuladen. War der Lokschuppen verschachtelt, gibt es am Nordring massig Platz. „Trotzdem wird es auch weiterhin kleine Bands bei freiem Eintritt geben“, beruhigt die Vorsitzende Weiss. Aufgrund der Größe der neuen Halle, die 280 Quadratmeter fasst und Platz für 400 Besucher bietet, gibt es auch keinen wirklichen Rückraum: „Wir haben weder für die Kühlung, noch für die Vorbereitung von Speisen, noch für ein Büro Platz.“ Die Verwaltung und der Backstage-Bereich sind deshalb in Zirkuswagen linker Hand des Eingangs untergebracht.

Ärgerlich findet Weiss auch, dass das Café im Tagesbereich viel zu klein ist. Dafür war kein Geld mehr übrig. Etwas zwischen die Zähne bekommt man trotzdem. Im Café bekommen hungrige Gäste Flammkuchen, Handkäs’ mit Musik, Brezeln oder belegte Brötchen. Die Auswahl an Kuchen ist mal größer, mal kleiner. Neuerdings hat zusätzlich eine kleine Imbissbude geöffnet. Dort gibt es Heißes und Fettiges.

Alles zum Neubaugebiet Hafen lesen Sie im Stadtgespräch

Vieles, eigentlich alles am Hafen 2 ist noch formbar. Ein Teil des großen Außenbereiches wird nach dieser Saison dem Ruderverein Hellas abgetreten. Hierbei handelt es sich um das bestuhlte Kiesbett links des Eingangs, wo derzeit die Filme des Hafenkinos laufen. Die bisher ungenutzte Wiese auf der Ostseite der Halle soll dann für die sommerlichen Filmvorführungen aufbereitet werden. Auch der hauseigene Streichelzoo siedelt dann auf die andere Seite des Geländes um. „Wir haben geplant, einen kleinen Garten anzulegen, und vor allem wollen wir den schrecklichen Bauzaun begrünen.“ Auch Raum für temporäre Kunst soll auf der Grünfläche entstehen. Unten am Main, wo ein mit dem Fluss verbundenes Bassin ausgehoben wurde, entsteht ein Freilufttheater mit Bühne. In der kleinen Bucht werden bald schon heimische Fischarten laichen.

Vergrößerter Außenbereich

Jakob Sturm und Bernd Winzinger genießen gerade Flammkuchen auf der Wiese vor dem Neubau. Sie freuen sich über die tolle Aussicht auf den Main. Der Offenbacher Winzinger war vor dem Umzug vom provisorischen Stil des Lokschuppens begeistert. Das neue Etablissement habe – trotzdem es ein geplantes Gebäude ist – dennoch „viel vom alten Charme behalten“. Der vergrößerte Außenbereich entschädige, dass die neue Location „einfach eine schwarze, pragmatische Halle“ ist.

Auch weiterhin wird es Kunstinstallationen geben. Dafür steht zwar kein eigener Raum wie im alten Lokschuppen zur Verfügung. Eventuell wird aber im Konzertsaal eine zweite Ebene eingezogen, wo man dann Projekte präsentiert. Derzeit stellt das Künstlerpaar Marcus Morgenstern und Daniel Stern temporäre Architektur im Außenbereich aus. Zur Konstruktion aus Dachlatten gehört auch ein Video, das im Innern der Halle zu sehen ist.

Homemade Fair im Hafen 2

Homemade Fair im Hafen 2

Homemade Fair im Offenbacher Hafen 2: Zum zweiten Mal laden die Organisatoren zu diesem Kuntshandwerkermarkt der besonderen Art ein: Die Besucher können zahlreiche Artikel - von Kleidern bis zu Kunstgegenständen - erwarben, Hauptsache es ist selbstgemacht.

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Die Kosten des neuen Hafen 2

Der Hafen 2-Neubau kostete 830.000 Euro. Der Umzug verschlang weitere 100.000. Die Stadt beteiligte sich mit einer halben Million, die die Hafenbetreiber nun über die Miete zurückzahlen. Den Rest spendeten knapp 700 Unterstützer aus ganz Deutschland. 230.000 Euro gingen innerhalb von zwölf Wochen auf dem Konto des Vereins ein. Von kleinsten Beträgen bis zu Mehrfachspenden über mehrere tausend Euro sei alles dabei gewesen. Eine Tafel im Flur zum Café erinnert an die Spender.

Diese sind nach der Höhe der Gabe in die Kategorien Kleinspender, Seepferdchen (ab 100 Euro) , Freischwimmer (ab 500 Euro) und Rettungsschwimmer (ab 2 000 Euro) eingeteilt. Die Preise bleiben nach dem Umzug – trotz finanzieller Nöte – konstant. Einige Speisen und Getränke sind nun sogar günstiger. Das Hafen 2-Team wirtschaftet weiterhin nicht nach kommerziellen Aspekten: „Wir lassen das Projekt eher ganz bleiben, als Kommerz zu betreiben“, sagt Suesswasser-Vorsitzende Andrea Weiss entschieden.

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