Kein Recht auf eine Antwort

Kultusministerium ignoriert Überlastung der Lehrer

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Proteste von Pädagogen häufen sich in Offenbach. Im November 2017 demonstrierten Grundschullehrer für mehr Lohn.

Offenbach -  Die Überlastungsanzeigen von Offenbacher Schulen stoßen bei Kultusminister Alexander Lorz auf taube Ohren – kritisiert der Personalrat der Lehrer. Von Steffen Müller 

Wiesbaden aber wiegelt ab: Das Ministerium sei nicht der Ansprechpartner für die Beschwerde, sondern das ihm direkt angebundene Staatliche Schulamt. Doch das verfügt nicht über die Mittel, um die Situation der Pädagogen zu verbessern.

Was als kleines Feuer begann, hat sich längst zu einem großen Flächenbrand ausgebreitet. Schon seit 2015 schicken Schulen aus Stadt und Kreis Offenbach regelmäßig Überlastungsanzeigen an den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU). In letzter Zeit häufen sich die Beschwerden, alleine seit Dezember 2017 sind sechs weitere dieser Briefe in Wiesbaden eingetroffen.

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In den Schreiben klagen die Lehrer über die Arbeitsbedingungen an hessischen Schulen. Die Anforderungen seien in den letzten Jahren gestiegen: durch aufwendigere Unterrichtsvorbereitungen, da die Klassen immer größer und heterogener werden, durch Ganztagsangebote und zusätzliche Vergleichstests. Die Lehrer fordern unter anderem mehr Personal, eine geringere Arbeitszeit sowie eine bessere Bezahlung für Grundschullehrer.

Eine Antwort auf die Überlastungsanzeigen haben die Schulen von Alexander Lorz noch nicht erhalten – zum Unmut des Gesamtpersonalrats (GPRLL) des Offenbacher Staatlichen Schulamts, der die Interessen der Lehrer vertritt. Der GPRLL – eine Art Betriebsrat für Pädagogen innerhalb des Schulamts – appelliert an die Fürsorgepflicht des Kultusministers und hat kein Verständnis für die ausbleibende Reaktion.

Ein Sprecher des Kultusministeriums weist diese Kritik zurück. Man nehme die Bedenken der Lehrer ernst, und es sei falsch, dass nicht gehandelt werde. Dass auf die Überlastungsanzeigen nicht geantwortet worden sei, heiße nicht, dass man nichts für die Belange der Lehrer tue. Beispielsweise werden in Hessen 700 Sozialpädagogen für die Inklusions- und Integrationsarbeit eingestellt. In Offenbach begannen im Sommer 42 neue Grundschullehrer, neun in der Stadt und 33 im Kreis.

Ohnehin sieht sich das Ministerium nicht verpflichtet, den Schulen zu antworten. „Wir sind nicht der Ansprechpartner bei Belastungsanzeigen. Dafür sind die Staatlichen Schulämter zuständig“, teilt die Pressestelle mit. Als Begründung heißt es, dass man aus dem Ministerium in Wiesbaden gar nicht den Überblick über die Situation an jeder Schule im Land haben könne. „Die Lösungen können nicht alle von hier erarbeitet werden.“ Mitarbeiter vor Ort seien viel näher am Geschehen und somit besser mit den einzelnen Begebenheiten vertraut.

Birte Krenz aus dem Vorstandsteam des Lehrerpersonalrats hält das Staatliche Schulamt für den falschen Ansprechpartner. „Neues Personal kann nur das Kultusministerium beschließen. Das Schulamt kann nur wenige Änderungen vornehmen.“ Der GPRLL wirft dem Ministerium vor, sich aus der Verantwortung zu nehmen und den direkten Kontakt mit den Schulen zu scheuen. Als Kontaktpersonen agieren die Leiterinnen und Leiter der Staatlichen Schulämter – eine Behörde des Landes Hessens.

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Chefin in Offenbach ist Susanne Meißner. Sie führte zuletzt zahlreiche Gespräche mit Personalräten und Direktoren und leitete deren Anliegen nach Wiesbaden weiter. Für Offenbach gebe es einige spezifische Situationen, die für andere Städte Hessens nicht gälten. Der Zuzug von Menschen aus dem Ausland, die erst integriert werden und die Sprache lernen müssten, sei eine größere Herausforderung, so Meißner. „Das müssen wir dem Minister verdeutlichen.“ Einige Maßnahmen seien für Stadt und Kreis auch schon getroffen worden. Offenbach profitiert wie Dietzenbach vom Sozialstrukturindex, durch den Städte mit einem hohen Migrantenanteil und einer ärmeren Bevölkerung zusätzliche Lehrstellen zugewiesen bekommen.

Meißner mahnt aber auch, dass die Lehrer mit ihren Forderungen realistisch bleiben sollten und nicht erwarten dürften, dass alles erfüllt werde. „Natürlich wäre es schön, wenn die Klassen kleiner wären, aber dafür brauchen wir mehr Lehrer, und an der Grundschule gibt es jetzt schon Lehrermangel.“ Die Schulamtsleiterin nimmt aber auch die Pädagogen in die Pflicht: „Überall in der Gesellschaft wächst der Druck. Die Lehrkräfte müssen auf sich achten und ihre Widerstandsfähigkeit verbessern. Manchmal müssen sie sich auch abgrenzen, um nicht alles so nahe an sich heranzulassen.“

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