Kaufhof-Geschäftsführerin verabschiedet sich

Kunde will Gesamtpaket

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Zwölf Jahre leitete Christiana Baudach die Geschicke des Innenstadt-Kaufhofs, ist Vorsitzende des Gewerbevereins. Nun verlässt sie Offenbach. Die Stadt sei besser als ihr Ruf – doch sie nennt auch Probleme. Christiana Baudach war zwölf Jahre federführend im Offenbacher Kaufhof. Nun wechselt sie ins pfälzische Landau.

Offenbach - Nach 25 Jahren Berufsleben im Einzelhandel passiert es wohl automatisch: Im Vorbeigehen hängt Christiana Baudach die Kleiderbügel ordentlich, rückt einen auseinander geschobenen Stapel zurecht. Von Veronika Schade 

Die Chefin der Galeria Kaufhof an der Frankfurter Straße kennt nicht nur ihre Filiale in- und auswendig, als Vorsitzende des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach wirkt sie aktiv am Leben in der Stadtmitte mit. „Ich habe den Standort sehr liebgewonnen“, sagt sie. Und doch heißt es nächste Woche Abschied nehmen: Nach zwölf Jahren verlässt sie Offenbach und übernimmt die Kaufhof-Filiale in Landau. Was kann sie rückblickend über den Einkaufsstandort Offenbach sagen? „Die Stadt ist besser als ihr Ruf. Aber es gibt faktische Probleme“, so die Geschäftsführerin. Etwa das Thema Leerstand – auch wenn dieser selten über einen längeren Zeitraum bestehen bleibe. Als negative Ausnahme nennt sie die Citypassage. „Das ist sehr verzwickt, wird sich wohl so bald nicht lösen lassen“, bedauert sie.

Dass Billig- und Ramschläden in der Innenstadt aus dem Boden sprießen, sei ein Problem, dem nur mit viel Überzeugungsarbeit bei den Vermietern beizukommen sei;  für  städtische Wirtschaftsförderung und Gewerbeverein gleichermaßen schwierig, da es sich um privatwirtschaftliche Nutzung handele: „Wir können niemanden zwingen – nur versuchen, positiv zu begleiten.“ Sie betont, dass nicht die Preislage entscheidend ist, sondern Darstellung und Präsentation des Geschäfts und der Ware. „Man kann auch Preiswertes vernünftig präsentieren.“ Zurücklehnen und darüber freuen, eins der wenigen verbliebenen Qualitätsgeschäfte in der City zu sein, das ist nicht ihre Art. „Kunden von außerhalb schauen auf das Gesamtpaket“, weiß die Butzbacherin. „Das könnte kompakter sein, verstreut sich hier ein bisschen. Und gesunder Wettbewerb ist immer gut.“ Mehr Geschäfte in Mittelpreislage mit vernünftigem Sortiment seien in der Stadt immer willkommen.

Nachfolgerin steht schon fest

Dennoch berichtet sie von einer positiven Entwicklung der Verkaufszahlen in ihrer Filiale. Der frequentierteste Monat sei traditionell der Dezember, Samstag der wichtigste Verkaufstag. Zwar bekommt jeder Kaufhof von der Zentrale das Sortiment vorgeschrieben, doch standortspezifische Eigenheiten gibt es immer. In Offenbach sei die Sportabteilung stark, vor allem Box-Kleidung sei gefragt. Auch Marken-Trainingsanzüge für Jungen verkauften sich überproportional viele. „Das heißt nicht, dass die Offenbacher sportlicher sind als andere, sie tragen die Sachen einfach gern im Alltag“, sagt die Kaufhof-Chefin lächelnd. Wer aber denkt, dass sich höherpreisiges Sortiment in Offenbach nicht gut verkauft, täuscht sich. „Wir haben unsere Haushaltswarenabteilung aufgestockt um Marken wie Villeroy & Boch, Leonardo und WMF, das funktioniert gut“, freut sich die 44-Jährige. Auch Trachtenmode, die auf ihren Wunsch hin vergangenes Jahr wieder ins Sortiment genommen wurde, sei erstaunlich beliebt.

Als Nahversorger spiele Kaufhof eine wichtige Rolle. Wobei das digitale Zeitalter sich auch dort bemerkbar macht. Demnächst werden Tablets in den Filialen installiert, an denen Kunden das gesamte Sortiment – nicht nur das in der Filiale vorhandene – bestellen können. „Sie haben die Auswahl des Internets und unterstützen trotzdem den lokalen Einzelhandel“, wirbt Baudach. Nur die Verschmelzung dieser Möglichleiten mache Kaufhäuser auf Dauer überlebensfähig. Dem Abschied sieht sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Es war eine reine Unternehmensentscheidung. Aber nach zwölf Jahren freue ich mich auf neue Aufgaben.“ In ihrer letzten Woche stehen vor allem Übergaben an. Ihre Nachfolgerin steht mit Penelope Wasylyk schon fest.

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Im Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach jedoch entscheiden Neuwahlen über die Besetzung von Baudachs Posten. Nächste Woche beteiligt sie sich letztmalig an der Vorstandssitzung, plant noch Veranstaltungen mit wie den verkaufsoffenen 3. Oktober. „Ich habe durch den Treffpunkt und das Karree Offenbach so viele Menschen hier kennengelernt – Mitbewerber, Politiker und Angestellte der Stadt. Es war eine gute Zeit.“ Man traf sich regelmäßig, besprach Dinge wie den Marktplatz-Umbau, Straßenbeleuchtung oder Graffiti. Landau ist für sie neu. Aber im Kern bleibt die Arbeit gleich. „Kreativ sein, viel improvisieren“, schmunzelt sie.

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