Kunden greifen beherzt zu

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Durchatmen nach dem Wilhelmsplatz-Umbau - am Samstag war Eröffnung.

Offenbach ‐  Sommer, Sonne, Sonnenschein. Nicht ganz. Am Samstag genügen in Offenbach Currywurst, Sekt, Pralinen. Diese Mischung schafft zufriedene Gesichter. Von Martin Kuhn

Auf dem Wilhelmsplatz gehören zudem viele lobende Worte dazu, als der Platz ganz offiziell den Marktbeschickern übergeben wird - rein symbolisch, versteht sich. Oberbürgermeister Horst Schneider reicht dem Vorsitzenden Holger Wotke einen aus Blumen gebundenen Schlüssel, garniert mit der Bitte um „gegenseitige Rücksichtnahme“. Und der Verwaltungschef erinnert daran: „Der Markt gehört uns allen.“

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Die Stadt müsste unserer Zeitung dankbar sein. Die Kritik am Pflaster und der Standanordnung auf dem Wochenmarkt ist beinahe verflogen; sie konzentriert sich aufs Blatt: „Auf dem Plan kann man ja nichts erkennen.“ Stimmt, was die Lokalredaktion abdruckte, genügt allenfalls zur groben Orientierung. Gottlob ist der Markt überschaubar, die Leute nicht auf den Mund gefallen und der Lieblingshändler trotz aller Widrigkeiten gefunden. Alles wird gut. Dem widerspricht auch die Kundin beim Obst nicht, die ihren Blick schweifen lässt: „Das ist ja einigermaßen ordentlich geworden.“ Tja, so überschwänglich loben Offenbacher...

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Nach Wochen, ja Monaten teils massiver Schelte genießen auch Politik und Verwaltung das Bad in der Menge. Horst Schneider listet eine schier endlose Liste der Gäste auf, wobei der Zuhörer nur einmal stutzt: Als der Sozialdemokrat seine „schwarze Freundin“ begrüßt. In der Menge ist nicht auszumachen, wem Schneider da schmeichelt. Denn eins ist klar: In der Mitte des Platzes, als eine Art zentraler Treffpunkt gedacht, drängt es sich.

Da schenken Helfer Perlwein aus, den die Beschicker kistenweise geordert haben, reichen Jugendliche, die Koch Alfons Lorenz von Kiekebusch unterstützt, Currywurst mit geschmacklichem Kick und informieren Amtsträger über die nächsten bauliche Schritte am Wilhelmsplatz. Die Frage, wo’s etwas kostenlos gibt, ist übrigens rasch beantwortet: „Hier genau gegenüber.“

Dort lässt Horst Schneider das Projekt Revue passieren, das Projektleiter Michael Becker einige schlaflose Nächte bereitet und die Stadt etwa 1,9 Millionen Euro gekostet hat. Unter anderem bewegten die Baufirmen gut 500 Sattelzüge Erdreich und verlegten rund 420 000 Pflastersteine. Horst Schneiders Fazit: „Die acht Monate haben sich gelohnt.“ Gleichwohl stimmt er Beschicker, Kunden und Anlieger auf weitere Arbeiten ein. Die seitlichen Straßen werden im Höhenniveau dem Platz angeglichen. Auf der Ostseite (Buchladen am Markt, Tafelspitz & Söhne, Morleos) soll alles bis Mitte Juli fertig sein, auf der Westseite bis Mitte Oktober.

„Ist das jetzt jedes Wochenende so?“

„Wir haben alles gerichtet, damit unser Markt eine Zukunft hat“, urteilt der Oberbürgermeister. Ihm schwebt vor, dass sich die Gastronomen bei Sonnenschein des Platzes annehmen und dann noch mehr Gäste an Offenbachs schönsten Platz locken. „Wenn dann noch die Sonne scheint...“ Tja, dann sind wahrscheinlich sämtliche Schmähungen und Unkenrufe vergessen. Jetzt haben es alle in der Hand, „Offenbachs neue Mitte“ (so ein SPD-Stadtverordneter) wachsen zu lassen.

Das braucht Zeit. Sicher verschwinden mit dieser letzte Stolperfallen. Am Samstag jedenfalls hindert das gewohnte „Geworschtel“ das Flanieren: Stromkabel, die die Fußwege queren und mit Gummimatten notdürftig abgedeckt sind. Geschuldet ist das hoffentlich der Technik, mit der von der Mitte aus das Geschehen auf dem Wilhelmsplatz an diesem Tag beschallt wird.

Und so sei der Offenbacher vertröstet, der angesichts der gelungenen (Werbe-) Aktion am Samstag fragt: „Ist das jetzt jedes Wochenende so?“ Dem Wunsch kann Stadtsprecher Matthias Müller nicht entsprechen: „Nein.“ Die knappe Erwiderung spricht Bände und vielen aus dem Herzen: „Schade...“

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