Corona-Lockerungen

Kunden und Einzelhändler in der Innenstadt kritisieren „Click & Meet“

Shoppen mit Termin: Zwar herrscht Freude, dass wieder geöffnet werden darf, doch die Art überzeugt nicht.
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Shoppen mit Termin: Zwar herrscht Freude, dass wieder geöffnet werden darf, doch die Art überzeugt nicht.

Die Geschäfte in der Innenstadt von Offenbach dürfen wieder öffnen. Shoppen gehen wie vor der Corona-Pandemie ist aber noch nicht möglich.

Offenbach – Mit Luftballons, bunt beschrifteten Schaufenstern und saftigen Rabatten feiern die Innenstadt-Geschäfte seit Montag die neuesten Corona-Lockerungen. Nach vier Monaten strengem Lockdown ist ab sofort Shoppen mit Termin erlaubt – das sogenannte Click & Meet. Es sind wieder mehr Menschen in der City

Etwa Nursefa Dogan. Sie kommt aus dem KOMM, war im Schmuckladen. Endlich wieder stöbern. „Es wurde Zeit, das hat gefehlt“, sagt die Offenbacherin. Sie hält zwar wenig davon, sich vorab auf Termine festlegen zu müssen. „Man weiß nicht immer, wann man in der Stadt ist.“ Spontanität? Fehlanzeige! Dennoch freut sie sich, wieder einkaufen zu können.

Corona-Lockerungen in Offenbach: Terminvergabe zum Shoppen teilweise nicht rentabel

Ähnlich empfinden es die Händler. „Wir sind froh, dass wir überhaupt aufmachen dürfen“, so Stefan Becker, Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider und Vorsitzender des Gewerbevereins Treffpunkt. Seit die neue Verordnung bekannt wurde, hätten zügig 300 bis 400 Kunden zwecks Terminreservierung angerufen, täglich kämen neue hinzu. „Wir haben sie auf die ganze Woche verteilt. Das Zeitfenster beträgt 45, auf Wunsch 90 Minuten.“ Organisatorisch sei die Terminvergabe aufwendig.

In den ersten Tagen zeigten sich die Kunden kauffreudig – auch dank der vielen Angebote. Doch für den Textilhandel ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Von der Winterkollektion bleiben riesige Mengen übrig, die unmöglich verkauft werden können, von der Frühjahrsmode ist normalerweise bis Ostern ein Viertel verkauft. „Das werden wir nicht aufholen können“, weiß Becker. Er habe Glück, ein großes Geschäft zu haben, in dem relativ viel Kundschaft möglich sei, doch für kleine Läden rechne sich das Terminsystem nicht. „Das kann nur eine Überbrückung zu anderen, besseren Lösungen sein.“ Da sei die Politik gefordert.

Offenbach: Geschäfte öffnen nach Corona-Lockdown wieder – langfristige Perspektiven sind gefragt

Für Ulrike Schmittinger, Inhaberin des Schuhhauses Pauthner, ist so manche politische Entscheidung indes nicht mehr nachvollziehbar. „An uns liegt es sicher nicht, dass die Zahlen steigen.“ In kleinen Geschäften würden Hygieneregeln problemlos eingehalten, „wir haben sowieso nie mehr als fünf Leute gleichzeitig hier“. März bis Mai seien die Hauptmonate für Schuhverkauf – diese fielen schon 2020 aus. Dass sie ihre Außen-Ständer reinholen musste, damit sich keine Menschentrauben bilden, ärgert sie. „Aber um die Ecke drängeln sich die Gruppen und trinken.“ Aber sie ist froh, wieder offen zu haben: „Die Kunden auch; sie sind kauffreudig und nett.“

Dass das Stöbern ungewohnt geworden ist, beobachtet Lisa Schumacher von der Steinmetz’schen Buchhandlung: „Wir bemerken, dass die Leute sich richtig trauen müssen, einzutreten. Als ob man es ein bisschen verlernt hätte.“ Aber alle seien glücklich, wieder kommen zu dürfen, und würden die Regeln einhalten – ohne jedes Gedränge. Für Buchhandlungen gilt die Terminpflicht nicht, sie sind regulär geöffnet. „Ich sehe es als riesiges Privileg, es erfüllt mich mit Dankbarkeit, aber auch mit Sorge: Denn was ist mit all den anderen kleinen, inhabergeführten Läden?“ Sie betont, dass langfristige Perspektiven notwendig sind – man müsse fortan mit Corona leben. „Damit meine ich nicht nur mich und meinen Laden, sondern gesamtgesellschaftlich betrachtet.“

„Click&Meet“ in Offenbach: Kontrollen angekündigt

Nicht alle aber verhalten sich vorbildlich. Vor allem bei Billiggeschäften entsteht der Eindruck eines unkontrollierten Kommens und Gehens. Wie Ordnungsamtsleiter Peter Weigand berichtet, seien bis dato zwei Beschwerden gegen Ladenbetreiber eingegangen, welche die aktuellen Verordnungen nicht befolgt hätten. „Dem wird nachgegangen.“ In den kommenden Tagen sollen diesbezügliche Kontrollen ausgeweitet werden, kündigt er an.

In den Stadtteilen Bieber und Bürgel ist die Einkaufsstimmung verhalten. „Es ist jetzt nicht so, dass die Menschen auf der Hauptstraße auf einmal Schlange stehen“, sagt Susanne Mantz vom Gewerbeverein Bürgel aktiv. Da stimmt Gabriele Ring vom Bieberer Gewerbeverein ein. „Die Leute sind nicht begeistert davon, mit festen Termin kommen zu müssen. Manche wollen nur stöbern oder haben Angst, nichts zu finden, fühlen sich dann zum Kauf verpflichtet.“ Es fühle sich nicht an wie wirklich geöffnet. „Da werden noch einige Läden über den Jordan gehen“, fürchtet Ring. (Lena Jochum Und Veronika Schade)

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