Warenpräsentation soll künftig geordnet sein

Einheitlicheres Bild in der Fußgängerzone

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Ein Beispiel aus der Großen Marktstraße: Mäntel an der Wand, diverse Kleiderständer, verschiedene Ablagen, übergroße Reklame. Geht es nach der Verwaltung, ist eine solche Sondernutzung künftig nicht mehr möglich.

Offenbach - Die Stadt ist um ein besseres Bild bemüht – vor allem in und rund um die Fußgängerzone. Eine Satzung regelt dort seit kurzem die Gestaltung von Schaukästen und -fenstern sowie Werbeanlagen. Nun nimmt sich die Verwaltung den Rest vor. Von Martin Kuhn

Ziel: Sogenannte Sondernutzungselemente sollen künftig geordnet, reduziert und qualitativ aufgewertet sein. „Aktionspreis: 10,-“ „Jedes Teil 3.-“ Feilgeboten werden Jacken und Schals auf wackeligen Rollständern und in Gitterwagen. Einige Stücke hängen auf Kleiderbügeln, für die Nägel in die Fassade geschlagen sind. Geht doch! Marcus Hüls schüttelt hingegen den Kopf.

„Nein, so geht das nicht“, findet der Fachreferent für Stadtgestaltung. Er hat entscheidend am Gestaltungshandbuch (GHO) mitgearbeitet, das sich den sogenannten Sondernutzungen auf öffentlichen Flächen annimmt. Ist dieses beschlossen, soll es anfangs beschriebenen und täglich sichtbaren „Wildwuchs“ im Stadtbild nicht mehr geben.

„Wir müssen die Ängste zerstreuen“, weiß Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß ob der anstehenden Aufgabe, das im Magistrat beschlossene Gestaltungshandbuch allen Händlern und Gewerbetreibenden näher zu bringen. „Da wird niemand in seiner unternehmerischen Freiheit eingeschränkt; auch eine steife Uniformität liegt mir und meiner politischen Blutgruppe fern“, betont der FDP-Politiker. Gleichwohl gelte es, gewisse Standards einzuhalten. „Und wir sind gut beraten, wenn wir den Leuten sagen, wie wir uns diese vorstellen.“ Und genau das formuliert das Handbuch mit zahlreichen Fotos und grafischen Beispielen.

Ein exemplarischer Fall, der die ästhetische Problematik anschaulich macht, sind die Podeste, mit denen Gastronomen meist Stellflächen für ihre Zwecke zurückgewinnen und dafür „viel Zuspruch von uns Offenbachern erhalten“. Wenn darauf aber Bierzeltgarnituren oder einfachste, stapelbare Plastiksessel stehen, kippt der positive Ansatz schnell. Das Handbuch gibt für die Außengastronomie an die Hand: Es ist das Prinzip der Einheitlichkeit zu verfolgen. Und: hochwertige, wetterfeste Materialien.

Bilder: Offenbach aus der Vogelperspektive

Das gibt es eigentlich rund um den Wilhelmsplatz. Der liberale Stadtrat schränkt aber ein: „Ja, viele machen es vorbildlich. Aber wir kennen auch unsere schwarzen Schafe.“ Und die gibt es nicht allein in der Gastronomie, auch der Einzelhandel liegt mitunter weit daneben, was die Sondernutzungsflächen betrifft. Marcus Hüls fasst das so zusammen: „Für einige ist der Außenbereich eine preisgünstige Erweiterung der Verkaufsfläche.“ Genau das möchte die Stadt demnächst unterbinden, damit ein „positiver, angenehmer Lebensraum“ entsteht. So sollen Fülle und Vielfalt an Warenauslagen sowie die Zahl der Warenaufsteller („Kundenstopper“) in der Innenstadt deutlich reduziert werden.

Ein Blick in das Gestaltungshandbuch zeigt auf, was künftig möglich ist. Eine der Vorgaben lautet etwa: Pro Geschäft darf lediglich ein Kleiderständer aufgestellt werden, sogenannte Stangen-Kleiderständer dürfen maximal einen Meter lang sein, es dürfen ein bis zwei Kleiderpuppen aufgestellt werden. Nicht mehr zulässig sind Werbefahnen sowie Warenpräsentationen an den Hausfassaden und auf dem Boden.

Dem Handbuch müssen zunächst die Stadtverordneten zustimmen, ehe die verbindliche Umsetzung über die Sondernutzungssatzung erfolgt. Das beinhaltet dann: Verstöße sind eine Ordnungswidrigkeit und zu ahnden. Dabei gewährt die Stadt den Händlern eine gewisse Übergangszeit: Weiterbenutzung bereits genehmigter Objekte ist bis zu fünf Jahre möglich. Danach folgt eine Neubewertung. Bei Neuanträgen oder Veränderung der Möblierung darf ab dem Zeitpunkt der Novellierung nur noch „richtlinienkonformes Mobiliar“ aufgestellt werden.

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