Für faire Arbeitsbedingungen

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Mehr als 300 Menschen zogen zum „Tag der Arbeit“ fahnenschwenkend durch die Offenbacher Innenstadt bis zur Kundgebung am Aliceplatz.

Offenbach - Die Interessen der Arbeitnehmer standen naturgemäß im Mittelpunkt der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Offenbach. „Gute Arbeit in Europa – Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit“ lautete das Motto am 1. Mai. Von Stefan Mangold

„Bis 67 Jahre wollen wir nicht schuften“, sprach sich DGB-Kreisvorsitzende Jennifer Weißenbrunner gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters aus.

Zuvor haben unterschiedliche Gruppen ihre Stände aufgebaut: Naturfreunde, Freidenker, Grüne oder Attac. Ein weibliches Mitglied der Linksjugend verneint die Frage, ob sie unserer Zeitung Fragen beantworten wolle. Stattdessen redet ein junger Mann. Die Linksjugend stehe der Partei „Die Linke“ zwar nahe, sei aber eine eigenständige Organisation. In Offenbach habe sie 25 Mitglieder: „Wir wachsen ständig.“ Nein, der Vorsitzende sei er nicht. Einen solchen brauche die Linksjugend nicht.

Angst empfinden die Angestellten der Firma Kerry

 Am Stand der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiterunion, der „anarcho-syndikalistischen Gewerkschaftsföderation“ bemerkt ein Mitglied, dass sich viele selbst ausbeuteten. Wenn sie dennoch ihr Einkommen verlören, „leiden sie an Selbstzweifeln, anstatt die Wirtschaftsform in Frage zu stellen“.

Angst empfinden die Angestellten der Firma Kerry in Jügesheim. Gewürze und Panade produziert die GmbH. Für die 125 Mitarbeiter ist möglicherweise bald Schluss. Die Verlautbarung, „den Standort zu überprüfen“, heiße übersetzt, ein Werk dorthin verlegen zu wollen, wo die Löhne niedriger sind. „Nach Olesnica“, vermutet Jens Treff, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. In der polnischen Stadt liege ohnehin schon eine Dependance. Die Zeiten, als schwarze Zahlen Angestellte vor Entlassung schützten, seien Geschichte. Die Mitarbeiter von Kerry erfahren diesen Paradigmenwechsel anscheinend schmerzhaft: „Wir haben Arbeit ohne Ende.“ Jens Treff erzählt von Überstunden, Schichten und vollen Auftragsbüchern. Ein Standortwechsel habe nur den Zweck, „Gewinne zu maximieren“.

Mehr als 300 Teilnehmer zogen durch die Innenstadt 

Er sei auch wegen Kerry und Manroland zum 1. Mai nach Offenbach gekommen, sagt Thorsten Schäfer-Gümbel, der hessische SPD-Vorsitzende. Vom Wilhelmsplatz zieht der Demonstrationszug mit mehr als 300 Teilnehmern durch die Innenstadt zum Aliceplatz. Dort mahnt Schäfer-Gümbel faire Gehälter an: „Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Die SPD setzt sich dafür ein, dass der Beschäftigungsmarkt nicht in eine Zwei- bis Dreiklassengesellschaft zerfällt.“ Er bekräftigt die Forderung seiner Partei nach einem flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro, wettert gegen Leiharbeit und „Heuschrecken“. Womit er keinen ungeteilten Beifall erntet. Aus dem Publikum kommen Rufe, es sei die SPD gewesen, die unter Kanzler Schröder Leiharbeit und Hedgefonds das Terrain bereitet habe. „Wir haben Fehler gemacht und deshalb Wahlen verloren“, gesteht Schäfer-Gümbel ein. Die SPD habe aber daraus gelernt.

Der DGB-Bezirksvorsitzende Stefan Körzell nimmt die FDP ins Visier. Die trete für einen Mindestlohn ein, „und zwar für Architekten, Ärzte und Anwälte, wenn es um ihre Gebührenordnung geht“. In Hessen bezögen 85 000 Angestellte Sozialhilfe, weil der Lohn nicht reiche. Sozialminister Stefan Grüttner werde nur aktiv, „wenn es darum geht, Pressemitteilungen zu produzieren“.

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